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Verschuldete Traditionsvereine: Dritte Liga von Pleitewelle bedroht

Uhr | Aktualisiert 26.11.2012 17:56 Uhr
Die Bielefelder Fans durchleben viele Höhen und Tiefen. (FOTO: DPA) 
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Der Traditionsverein Alemannia Aachen ist insolvent und steht schon als Absteiger fest. Spitzenklubs wie Hansa Rostock, der VfL Osnabrück und Arminia Bielefeld plagen sich mit einem hohen Schuldenberg aus eigentlich besseren Zeiten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht die Entwicklung mit Sorge und prüft Hilfsmöglichkeiten.
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Leipzig/dapd. 

Der Traditionsverein Alemannia Aachen ist insolvent und steht schon als Absteiger fest. Die finanzielle Rettung von Tabellenführer VfL Osnabrück ist längst nicht sicher und andere Spitzenklubs wie Hansa Rostock und Arminia Bielefeld plagen sich mit einem hohen Schuldenberg aus eigentlich besseren Zeiten. Der von Beginn an auch wegen magerer TV-Einnahmen finanziell auf wackligen Beinen stehende 3. Fußball-Liga droht eine Pleitewelle, die den sportlichen Wert erheblich beeinträchtigen könnte. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht die Entwicklung mit Sorge und prüft Hilfsmöglichkeiten.

Seit der Einführung der eingleisigen 3. Liga in der Saison 2008/09 mussten in Kickers Emden, Rot Weiss Ahlen, TuS Koblenz und nun auch Aachen bereits vier Vereine aus finanziellen Gründen ausscheiden. Bis auf Emden kamen die Vereine aus der Höherklassigkeit und hatten erhebliche Probleme, den sportlichen Abstieg auch finanziell zu vollziehen. Zudem kommen zum Beispiel im Falle von Aachen auch unbezahlbare Kosten für Um- beziehungsweise Neubau von Stadien, wobei der DFB gerade die Modernisierung alter Anlagen vehement anmahnt.

Zwtl.: Stadien überdimensioniert

In Aachen freilich wurde das neue, etwa 50 Millionen Euro teure Projekt des Tivoli auf den Weg gebracht, als der Verein erstklassig und sogar im Europacup spielte. Das Stadion mit fast 33.000 Plätzen und Komfort auf internationalem Niveau braucht der Verein trotz einer großen Anhängerschar allerdings in der aktuellen Drittliga-Tristesse natürlich nicht. Die laufenden Kosten hängen der Alemannia wie ein Klotz am Bein, die aktuelle Deckungslücke im Etat von etwa 4,5 Millionen Euro war offenbar nicht mehr zu schließen.

Auch Arminia Bielefeld hatte sich in Bundesliga-Zeiten mit der Stadion-Modernisierung verhoben. Wie der aktuelle Schuldenberg von etwa 25 Millionen Euro in der Drittklassigkeit abgetragen werden kann, ist unklar. Der Aufstieg ist fast schon Pflicht.

Auf das Comeback in der Zweitklassigkeit, wo es statt aktuell 800.000 Euro TV-Gelder dann 4,3 Millionen geben würde, hofft auch der Tabellenführer VfL Osnabrück. Dort entscheiden noch im Dezember die städtischen Abgeordneten, ob die Stadt dem VfL Teile des ebenfalls modernisierten Stadions sowie Immobilien abkauft und so den Schuldenstand von aktuell rund neun Millionen Euro drastisch reduziert. Mit ähnlichen Entscheidungen haben bereits im Frühjahr in Rostock und zuvor auch bei den mittlerweile aufgestiegenen Dresdner Dynamos die Kommunen als letztmögliche Retter zugunsten der Fußballklubs und zuungunsten der Stadtkasse helfend eingegriffen.

Zwtl.: Nachwuchs unterstützen

DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock kündigte im allgemeinen Dilemma zwischen Modernisierungs-Pflichten, zu teuren Spielerkadern und hohen Ansprüchen das Prüfen von Hilfsmöglichkeiten an. Direkte Zuwendungen des Verbandes an den Profi-Fußball seien aber nicht möglich. „Zu prüfen wären Modelle, nach denen zum Beispiel die Leistungszentren der Vereine unterstützt werden könnten“, sagte Sandrock der dapd. Es gäbe ja Drittligisten wie zum Beispiel Rostock, die ihre Jugend-/Nachwuchs-Leistungszentren auch nach Abstieg aus der zweiten Bundesliga fortsetzen und damit natürlich im Sinne des DFB handeln.

Zudem sind die Vereine aufgerufen, ihre Bauvorhaben auf ein kalkulierbares Risiko herabzuschrauben. Drittliga-Aufsteiger Hallescher FC beispielsweise hat sich beim Neubau auf 15.000 Plätze beschränkt, während Erzrivale 1. FC Magdeburg eine Liga tiefer eine fast doppelt so große Arena natürlich nicht annähernd füllen kann. In Chemnitz soll das neue Stadion auch nur 15.000 Zuschauer fassen und dafür aber dann weit besser besucht sein als das alte. Dieser Trend ist allenthalben offensichtlich: Die Zuschauer wollen besseren Komfort und nehmen neue Arenen sehr gut an.

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