Vorlesen

Premier League: Kamikazefußball in England

Uhr

Arsenals Theo Walcott feiert einen Treffer gegen Tottenham. (FOTO: DPA)

Von
Der FC Arsenal hat mit dem vierten Ligasieg in Serie seinen Aufschwung bestätigt. Beim 7:3 gegen Newcastle United trug sich auch Lukas Podolski in die Torschützenliste ein. Manchester United, Manchester City und der FC Chelsea gewannen ebenfalls ihre Partien.
Drucken per Mail
London/dpa. 

Arsenals irres 7:3 gegen Newcastle United war typisch für diese Kamikazefußball-Saison in England. „Glorreiches Angreifen und trotteliges Verteidigen: Hier war das Match, das die verrückte Anziehungskraft dieser Premier-League-Saison bündelte“, schrieb der „Observer“. Aus Sicht des mit einem Magen-Darm-Virus krank pausierenden Innenverteidigers Per Mertesacker war die Partie sicherlich vogelwild. Angreifer Lukas Podolski, vom 1. FC Köln ohnehin manchen Irrsinn gewohnt, hatte dagegen seine helle Freude. „Geiles Spiel, geiler Abend“, kommentierte er auf Facebook. Der 27-Jährige köpfte zum zwischenzeitlichen 3:2 Saisontor Nummer sechs und leitete zwei Treffer des „Man of the Match“, Theo Walcott, ein.

Der FC Arsenal bescherte sich mit dem vierten Liga-Sieg in Serie einen versöhnlichen Jahresabschluss. Eben noch in der angeblich tiefsten Krise der 16-jährigen Wenger-Ära, hypte der „Sunday Mirror“ die Nord-Londoner nun wieder in den „siebten Himmel“. Mit 33 Punkten und einer ausstehenden Nachholpartie wahrten die Gunners den Anschluss an das Pflichtziel Champione-League-Plätze. Dabei verspielte Arsenal nach dem 1:0, 2:1 und 3:2 dreimal seinen Vorsprung. Nach dem Zehn-Tore-Spiel fühlte man sich an das unglaubliche 7:5 im Liga-Pokal gegen den FC Reading erinnert, als Arsenal noch einen 0:4-Rückstand aufgeholt hatte.

Und wie damals gelang Walcott ein Dreierpack. „Krise? Welche Krise?“, fragte der 23-Jährige ketzerisch. Der von mehreren Clubs heiß umworbene englische Jungnationalspieler stärkte mit dem Gala-Auftritt seine Verhandlungsposition. Arsenals Anhängerschaft skandierte im wie immer ausverkauften Emirates Stadium „Sign him up“ (Lasst ihn unterschreiben). Coach Arsène Wenger versicherte, dass man ihn unbedingt halten wolle: „Er liebt den Club und der Club liebt ihn.“ Ferrari-Fahrer Walcott, der als einer der schnellsten Fußballer der Welt gilt, soll für seinen neuen Fünfjahresvertrag ein aufgebessertes Wochengehalt von 100 000 Pfund (122 000 Euro) und die Mittelstürmerposition einfordern. Er profitiert derzeit von Thierry Henry als Mentor, der sich auf dem Gunners-Trainingsgelände fit hält. Walcotts 1:0 nannte Wenger „ein Thierry-artiges Tor“.

Auch bei anderen Clubs hat das Spektakel derzeit Methode: Zum Beispiel feierte Manchester City dank Doppeltorschütze Edin Dzeko einen 4:3 (2:1)-Zittersieg bei Norwich City - eine Halbzeit lang nur mit zehn Mann. Der Meister schießt ansonsten in dieser Saison reihenweise Siegtore in der Nachspielzeit. Die Vokabel „Mancini Time“ wurde in den englischen Boulevard-Wortschatz aufgenommen.

Traditionell ist die „Fergie Time“ berüchtigt, weil Manchester United unter Alex Ferguson Spezialist für Last-Minute-Erfolge ist. Jüngster Beweis: das 4:3 am „Boxing Day“ gegen Newcastle United. Diesmal begnügte sich der Rekordmeister mit einem 2:0 (1:0) gegen West Bromwich Albion. Der FC Chelsea, der am 18. Spieltag mit dem 8:0 gegen Aston Villa für Furore gesorgt hatte, begnügte sich mit einem 2:1 (1:1)-Arbeitssieg beim FC Everton und festigte Rang drei.

Eigentlich ist United der Vorreiter des Kamikazefußballs 2012. Der Spitzenreiter hat schon 28 Gegentreffer kassiert. 2011/12 waren es 33 - am Saisonende. Trainerfuchs Ferguson feiert seinen 71. Geburtstag an diesem Montag trotzdem bestens gelaunt. Angesichts des Sieben-Punkte-Polsters auf ManCity frohlockt Ferguson mit Blick auf Uniteds 13. Meisterschaft in seiner Ära: „Wir sind schon halb da.“

Auch interessant