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Hansa Rostock: «Letzte Amtshandlung» für Hofmann?

Uhr | Aktualisiert 26.11.2012 17:43 Uhr

Der Hansa-Vorstandsvorsitzende Bernd Hofmann sah sich bei der Mitgliederversammlung massier Kritik ausgesetzt. (FOTO: DPA)

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Hansa Rostock steht nach der Mitgliederversammlung vor einem Neuanfang. Ob den Klubchef Bernd Hofmann mitgestalten darf, ist aber fraglich.
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ROSTOCK/BERLIN.sid

Als Bernd Hofmann für seinen Rechenschaftsbericht ans Mikrofon trat, schallte dem Klubchef von Hansa Rostock ein Zwischenruf aus dem Publikum entgegen. „Letzte Amtshandlung heute“, rief ein Fan, die Anspielung an Hofmanns unsichere Zukunft im Verein war nicht zu überhören. Der 43-Jährige musste auf der elfstündigen Mitgliederversammlung des finanziell angeschlagenen Drittligisten viel Kritik einstecken. Auch wegen der Besetzung des neugewählten Aufsichtsrats muss der Vorstandsboss um seinen Job fürchten.

Bezeichnend: Für das vergangene Geschäftsjahr wurden weder Vorstand noch der alte Aufsichtsrat von den 1311 stimmberechtigten Mitgliedern entlastet. Beim Vorstand mit Hofmann an der Spitze war das Ergebnis sogar so eindeutig, dass man auf eine Auszählung verzichtete. Der anschließende Applaus der Fans rundete die Schmach für Hofmann und Co. ab. „Der Abstieg aus der 2. Liga in der Saison 2011/12 war das schlechteste Abschneiden in der Vereinsgeschichte. Hier hat die komplette Führung inklusive des Aufsichtsrats versagt“, sagte Holger Stein, der sich als Vorsitzender des Aufsichtsrats nicht mehr zur Wiederwahl stellte.

Stattdessen wurden viele Leute in das siebenköpfige Kontrollgremium gewählt, die im Vorfeld an Hofmanns Arbeit zum Teil heftige Kritik geäußert hatten. Die finanziellen Sorgen, der Ärger über die Schließung der Südtribüne, die schlechte Außendarstellung des Klubs, die Trennung von Talenten, die Pannen bei der Manager-Suche - die Liste der Verfehlungen, die der Klubführung vorgehalten werden, ist lang.

Doch wirklich kämpferisch wirkte Hofmann nicht, als er sich am Sonntagabend in der zwar intensiven, aber nicht aggressiven Diskussion verteidigte. Hofmann verpasste es, mit einer emotionalen Brandrede einige Fans umzustimmen. Die hielt stattdessen Sigried Keler. Die Finanzchefin erhielt den größten Applaus des Abends, als sie warnte: „Das Schicksal von Aachen sollte uns ein mahnendes Beispiel sein.“ Der Ligarivale hat wegen einer Liquiditätslücke von 4,5 Millionen Euro Insolvenz angemeldet. Die konnte Hansa wegen Steuernachzahlungen (4,5 Millionen Euro) im Mai nur dank einer Soforthilfe der Stadt in letzter Minute abwenden.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten die Schulden zwar von 10,2 auf 6,6 Millionen Euro reduziert werden, „aber das reicht nicht, um den Verein zu konsolidieren“, sagte Keler. Deshalb sei ein Anteilsverkauf an der Stadiongesellschaft fast unumgänglich. Beim Traditionsklub stehen viele wichtige Entscheidungen an, doch die Kommunikation sowohl nach innen als auch nach außen war zuletzt katastrophal.

Manfred Wimmer, scheidendes Aufsichtsratsmitglied, legte den Finger in die Wunde. „Wenn ich Sätze höre wie 'in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat', dann entsteht der Eindruck, wir wären ein Herz und eine Seele. Von den meisten Dingen habe ich aus der Zeitung erfahren“, sagte der ehemalige Vorstandschef: „Deshalb will ich dem neuen Aufsichtsrat mit auf dem Weg geben, energischer zu agieren.“ So wird sich das Kontrollorgan, das in seiner ersten Sitzung am Dienstag den Vorsitzenden wählt, als erstes zur Personalie Hofmann positionieren müssen. Der Diplom-Sportökonom hat bei den Mecklenburgern noch einen Vertrag bis zum Sommer 2014.

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