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Faible für Fashion: Anja Kossiwakis das Titelmädchen der „Modischen Maschen“

Anja Kossiwakis

Die gebürtige Dessauerin Anja Kossiwakis zu Besuch in der Heimat - hier am Bauhaus

Foto:

Thomas Ruttke

Ein kleines Café am Dessauer Bauhaus, Anja Kossiwakis sticht heraus: schwarz-schicke Zottel-Jacke, Lederhose, Boots in Bordeaux, dazu eine knallrote Handtasche in Lack-Look. „Mode“, sagt die gebürtige Dessauerin, die seit vielen Jahren in Wiesbaden lebt und an diesem Tag zu Besuch bei ihrer Familie in der Bauhaus-Stadt ist, „hat mich schon immer fasziniert“.

Das war in ihrer Jugend so, als sie als Titelmädchen für die DDR-Strickzeitschrift „Modische Maschen“ posierte - vor der Kamera von Günter Rössler. Und das ist heute noch so, wenn sie von den Modewochen spricht, die sie häufig besucht und über die sie im Internet und für Zeitungen in der Rhein-Main-Region schreibt. Chanel in Paris, Versace in Mailand...

Natürlich hat Anja Kossiwakis diese Woche auch die Berliner Fashion Week besucht - „ein Pflichttermin“, sagt sie. Und erzählt begeistert von ihrem kurzen Zusammentreffen mit US-Model Gigi Hadid bei der Maybelline-Show zu Make-up-Trends. Von Laurèl habe sie selbst gar ein brandneues Outfit gestellt bekommen, so die 47-Jährige.

„Kein Styling, nur ein bisschen Puder“

Für das Label hat sie schon bei einem Streetstyle-Shooting in Paris vor der Kamera gestanden. „Von Kopf bis Fuß gestylt und bei all der Aufmerksamkeit kam ich mir fast vor wie ein Superstar“, lacht die Frau mit den langen schwarzen Haaren, für die Mode mehr als ein Hobby, aber nicht der Hauptberuf ist: Da ist die Diplom-Bankbetriebswirtin bei einer Personalberatung tätig.

Zu DDR-Zeiten war die Modewelt weitaus unspektakulärer als heute. Da kamen junge Frauen wie sie per Aushang zum Model-Job. Anja Kossiwakis erinnert sich: „Im Schaufenster eines Dessauer Modeladens sah ich einen Zettel, auf dem stand, dass der Verlag für die Frau Models sucht.“

Die damals 16-Jährige sendete Fotos ein. Dann, es war 1985, kam ein Telegramm: Einladung zu Probeaufnahmen. Sie wurde daraufhin in eine Kartei aufgenommen, hörte aber erst einmal nichts mehr davon. Bis die inzwischen ausgelernte Finanzkauffrau, angestellt bei der Dessauer Sparkasse, zwei Jahre später erneut ein Telegramm erhielt: „eine Anfrage für ein Shooting mit Günter Rössler“. Pragmatisch ging es da zu. Ohne Gewusel drumherum. Natürlichkeit zählte.

„Es gab kein Styling, nur ein bisschen Puder“, berichtet Anja Kossiwakis. „Bei den Aufnahmen vor Ort waren nur der Fotograf, die Moderedakteurin und ich.“ Die Bilder waren dann so gut, dass eines auf den „MM“-Titel sollte. Darauf schaffte es das Freizeitmodel schließlich insgesamt dreimal. Hinzu kamen Fotos für die Innenseiten. „Oft fuhr ich mittwochs, das war mein kurzer Tag auf Arbeit, am Nachmittag für die Aufnahmen mit dem Zug nach Leipzig“, erzählt das frühere Ost-Mannequin. Das Modeln war ein Hobby. „Fürs Titel-Shooting gab es 35 Mark, für ein normales Foto 20 Mark.“

Mit Glamour hatte das damals wenig zu tun. Was auf den Modestrecken jedoch nicht sichtbar war, etwa beim „Safari-Shooting“: Die Bilder mit der verträumt dreinblickenden Schönheit, die einen leichten Strickpullover zum Rock und Strohhut trägt, wirken, als könnten sie in Afrika entstanden sein.

In Wirklichkeit geschah das an einem wenig beschaulichen Ort: „Das war auf einer Abraumhalde in Bitterfeld“, so Anja Kossiwakis, die als Jugendliche immer ganz glücklich war, wenn sie von ihrer Tante aus Wiesbaden tolle Klamotten geschickt bekam. „Ich mochte den Einheitslook in der DDR überhaupt nicht.“

Ihre Tante war es auch, zu der die junge Frau einen Tag nach dem Mauerfall fuhr. „Ich war neugierig auf die Welt.“ Die Wende - „sie wurde auch zum Wendepunkt in meinem Leben“. Die Anfang-20-Jährige blieb in Wiesbaden, bekam einen Job bei der dortigen Sparkasse, später heiratete sie, bekam Kinder. Nach ihrem Start in Westdeutschland hätte sie gern weiter gemodelt. „Ich stellte mich bei einer Agentur vor, doch dort sagten sie, das ginge nicht nebenbei.“ Ihren Job aufgeben - das wollte sie nicht.

Es war vor einigen Jahren, als Anja Kossiwakis einen jungen Designer anschrieb, der auf der Berliner Modewoche vertreten sein sollte. „Ich schickte ihm Fotos von damals und schrieb, dass ich früher gemodelt habe und gerne einmal eine Laufsteg-Show besuchen würde.“ Sie bekam eine Einladung. Und lernte immer mehr Leute aus der Modebranche kennen. Fotografierte bei den Schauen und berichtete später auch darüber.

Am Rande der Shows ließ sie sich mit allerlei Promis ablichten - von Heidi Klum bis zur deutschen Vogue-Chefin Christiane Arp. Sogar mit Modeschöpfer Jean Paul Gaultier hat sie geplaudert. „Das war bei der Vorstellung seines neuen Duftes in London, wir standen beide am Aufzug, der nicht kam“, freut sie sich bis heute. Man kann es sich denken: Eine Einladung zu seiner nächsten Show folgte. (mz)