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Sicherheit in Eisleben: Ist eine private Bürgerwehr notwendig?

Beim Überfall auf eine 44-Jährige am Montagabend in Eisleben sollen die Täter in Richtung Untere Parkstraße geflüchtet sein.

Beim Überfall auf eine 44-Jährige am Montagabend in Eisleben sollen die Täter in Richtung Untere Parkstraße geflüchtet sein.

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Archiv/Lukaschek

Eisleben -

Wird es bald eine selbst ernannte Bürgerwehr geben, die in der Lutherstadt Eisleben „für Ordnung sorgt“, wie es heißt? In sozialen Netzwerken im Internet wird über den Zusammenschluss einer organisierten Patrouille diskutiert. Die Befürworter sehen die Sicherheit durch die Behörden nicht mehr gewährleistet.

Auslöser für die Debatte ist der Bericht über einen Überfall, bei dem am Montagabend eine 44-jährige Frau von drei Männern im Stadtpark angegriffen und unsittlich berührt worden sein soll. „Es wird immer schlimmer“, schreibt eine Nutzerin. Andere verweisen auf die Fälle einige Tage zuvor, bei dem ein Mädchen auf dem Weg zur Schule von einem unbekannten Mann bedrängt und eine junge Frau in der Innenstadt mit einem Messer bedroht und ausgeraubt worden soll.

„Da die Polizei das mitunter gar nicht leisten kann, muss da etwas passieren. Es darf nicht gewartet werden, bis es den ersten Toten gibt bei solchen Überfällen“, fügt ein Nutzer im sozialen Netzwerk hinzu. Ein anderer schlägt vor: „Gründet eine Bürgerwehr und geht Streife in Eisleben. Andere Städte machen es schon. Bewaffnet mit Pfefferspray und anderen Dingen, das zeigt schon Wirkung.“

Öffentliche Sicherheit ist keine private Aufgabe

Der Polizei in der Lutherstadt ist bekannt, dass sich Personen in sozialen Netzwerken organisieren und über Probleme im Raum Eisleben miteinander kommunizieren, sagt Ralf Karlstedt, Sprecher der Polizeidirektion Süd in Halle. Dass sich bereits eine Bürgerwehr in Eisleben gebildet hat, dafür gebe es bisher keine konkreten Hinweise, so der Sprecher aus Halle weiter. Jedoch werde die Polizei den Sachstand vor Ort überprüfen und in nächster Zeit verstärkt präsent sein.

Wie Karlstedt weiter sagt, sehe die Polizei eine Bürgerwehr grundsätzlich kritisch. „Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ist eine staatliche Aufgabe und wird unter anderem von der Polizei realisiert, welche auch die dafür erforderlichen Befugnisse hat.“ Nach den Vorfällen der vergangenen Wochen sei die Streifentätigkeit in der Lutherstadt verstärkt worden, so Heiko Prull vom Revier in Eisleben. „Es werden spezielle Maßnahmen durchgeführt, verdeckt und offen.“ Mehr konnte er dazu nicht sagen.

Auch Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (SPD) lassen die zurückliegenden Vorkommnisse nicht kalt. „Sie beschäftigen mich sehr und ich kann verstehen, wenn Bürger der Stadt aufgewühlt reagieren“, sagt sie gegenüber der MZ. Doch bittet sie auch darum, das Vertrauen in die Polizei nicht zu verlieren: „Jedem Hinweis wird konsequent nachgegangen und mit der notwendigen gesetzlich vorgeschriebenen Härte verfolgt und bestraft.“ Den Gedanken, eine Bürgerwehr zu gründen, lehne sie entschieden ab. „Besser ist, gemeinsam die Augen offen zu halten und wenn auch nur der Ansatz einer Straftat zu erkennen ist, die Polizei zu rufen“, sagt Fischer und fügt an: „Also keine Bürgerwehr - sondern eine aufmerksame Gemeinschaft!“ (mz)


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