Sie gehören ins Stadtbild wie Verkehrsschilder, Bordsteinkanten und Passanten und haben etwas liebenswürdig nostalgisches an sich: Litfaßsäulen.
In Eisleben gibt es davon noch sage und schreibe 16 Stück. Jene runden Säulen, deren Namensgeber, der Berliner Drucker Ernst Litfaß, schon 1855 die Idee hatte, diese Säulen für Werbeplakate zu nutzen.
Die Säulen in Eisleben werden quasi bereits seit der Wende von der in Wedemark bei Hannover ansässigen Firma Reklame Fricke betreut. Ein Vertrag mit der Lutherstadt regelt die Einzelheiten. Dabei ist das mittelständische Unternehmen eine Firma, die sich mit Litfaßsäulen auskennt, denn bereits seit 80 Jahren sind Frickes im Bereich der Außenwerbung, so der ordnungsgemäße Oberbegriff für die Werbung auch an Litfaßsäulen, tätig.
Der Geschäftsführer der Reklame-Firma, Harald Fricke, ist der vierte Fricke an der Spitze der Firma und der felsenfesten Überzeugung, dass Litfaßsäulen auch heute noch zeitgemäß sind. "Die Litfaßsäulen haben eine hohe Akzeptanz", die sich wohl auch aus der Tatsache ergebe, dass man sie "einfach nicht beachten" könne. Anders als bei Werbung im Radio oder im Fernsehen. Und sie habe einen guten Stand, nicht nur im wörtlichen Sinne durch ihre runde Form, sondern auch im übertragenen: Jeder kennt die Litfaßsäule von Kindesbeinen an.
Die Betreuung der Litfaßsäulen in Eisleben liegt in den Händen eines Mitarbeiters der Firma Reklame Fricke. Dieser habe nicht nur dafür zu sorgen, dass die Terminpläne für die Beklebung eingehalten werden, denn immerhin wechselt die Beklebung alle zehn bis elf Tage. Es muss alles kleben bleiben. Bei der derzeitigen Wetterlage keine einfache Lösung, so Fricke. Niedrige Temperaturen und Regen oder Schnee von allen Seiten sind keine Freunde des Kleisters. Da bedarf es je nach Wetterlage verschiedener Kleister-Mischungen. Übrigens werden die Säulen auch mehrfach im Jahr ringsum weiß beklebt, damit alles ordentlich aussieht.
Die 16 Säulen der Lutherstadt sollen auch in Zukunft noch von den Neuigkeiten künden. Nach den Worten des Stadtsprechers Maik Knothe gebe es in der Verwaltung keinerlei Bestrebungen, diese aus dem Stadtbild zu entfernen.