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Fasching in Hübnitz: Gäste kommen als militante Dschihadisten verkleidet

Dieses Quintett sorgte für Aufsehen beim Faschin in Hübitz: Militante Dschihadisten mit Burka-Frauen sollen Gefahr durch Islamismus zeigen.

Dieses Quintett sorgte für Aufsehen beim Faschin in Hübitz: Militante Dschihadisten mit Burka-Frauen sollen Gefahr durch Islamismus zeigen.

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Salzmann

Hübitz -

Der Fasching in Hübitz hat eine lange Tradition. Zum 38. Mal ist am Samstagabend im Kulturhaus des kleinen Ortes eine Karnevalssession über die Bühne gegangen. Doch diesmal hat nicht das Programm der „Neudorfer Narren“ aus Hettstedt allein für Gesprächsstoff gesorgt. Aus der Masse der kunterbunt kostümierten Gästeschar stach nämlich ein Quintett mit zwei Frauen und drei Männern heraus, deren Aussehen augenscheinlich an Terroristen erinnern sollte. Und das war auch gewollt.

Mit Burka und Bombe

Die Frauen trugen eine Burka. Das einzige, was der Betrachter sah, war eine schmale Augenpartie. Die Männer kamen ganz in schwarz gekleidet. Auf ihren Häuptern saßen Turbane, sie hatten sich lange schwarze Bärte ins Gesicht geklebt. Über ihren Schultern hingen Attrappen von Munitionsgürteln. Eine bemalte und umgestaltete Papprolle stellte eine Bombe dar. Ein Schwert war mit roten Farbflecken übersät, das Blut sein sollte, was jeder unschwer sehen konnte.

Sie hatten sich nach eigenem Bekunden als Dschihadisten verkleidet. Also Vertretern einer militanten extremistischen Strömung des Islamismus, die auch den Islamischen Staat (IS) gutheißen. „Wir wollten etwas mit aktuellem Bezug darstellen und das ist es“, meinte Claudia aus Augsdorf, die in einer der Burka steckte. Dass sie damit provozieren würden, ist den Leuten aus Siersleben, Augsdorf und Heiligenthal von Anfang an klargewesen. „Wir wollten aber auch mal zeigen, dass es so etwas nicht nur in Großstädten, sondern auch in unserer Region geben kann“, fügte Claudia an, die wie auch die anderen unerkannt bleiben wollten.

Sie wollten auch nicht als Dschihadisten gesehen werden. Das seien sie auch nicht. „Es ist lediglich eine Kostümierung und ist von unserer Seite vollkommen unpolitisch“, sagte Jens aus Siersleben. Zu Faschingsveranstaltungen in größeren Ortschaften wie etwa Hettstedt würden sie so auch nicht gehen. „Da sind zu viele Fremde und dann besteht die Gefahr, dass es politisch gewertet wird“, so Claudia. In Hübitz kenne die Truppe fast jeden persönlich. Da sei das etwas anderes, so ihre Ansicht.

Nicht makaber oder anstößig

Das Publikum fand ihre Verkleidung nicht makaber oder anstößig. Im Gegenteil. Fast jeder wollte ein Foto von den „Dschihadisten“ machen. Und immerhin landete das Quintett beim Kostümwettbewerb an diesem Abend unter den besten drei. Falk Belger vom Verein der Thondorfer Dorffreunde, der die Veranstaltung organisiert hat, stößt sich nicht daran. „Es herrscht doch Kostümfreiheit“, sagte er. Belger räumt allerdings ein, dass diese Kostüme angesichts der jüngsten Terroranschläge bei manchem auch gemischte Gefühle ausgelöst hat. Nadine Haak von den „Neudorfer Narren“ ist zumindest froh, dass die Fünf nicht zu weiteren Karnevalssitzungen kommen wollen. „Für die Talibanähnlich Kostümierten könnte es sonst gefährlich werden in einer Faschingsmenge von rund 400 Leuten, wie im Hettstedter Ratssaal“, befürchtet sie.

Nach ihrer Auffassung müssten in der Karnevalszeit auch Themen auf den Tisch beziehungsweise die Bühne, die nicht gerade spaßig sind, aber die die Leute beschäftigen. Vorgaben für die Programmgestaltung gebe es freilich keine, sagte sie der MZ. Lediglich Empfehlungen seitens des Landeskarnevalsverbandes Sachsen-Anhalt. „Der hat den Vereinen geraten, nichts ins Programm zu packen, was mit Flüchtlingen oder Ausländern zu tun hat. Daran haben wir uns auch gehalten“, so Haak.

Der Karnevalsverband des Landes hat der Aussage der Hettstedter Karnevalisten gestern widersprochen. Vom Landesverband gibt es keine solchen Anweisungen, hieß es auf Anfrage. „Wir wünschen uns sogar, dass die Vereine das Thema mit ins Programm nehmen“, so der Präsident Dirk Vater.

Haak selbst trat als Domina im Lackkleid und mit roter Perücke in die Bütt. Auch Rotkäppchen kommt bei den Neudorfern als „Sex Bomb“ daher. Kein Wunder, dass der Wolf zum Schwerenöter wird. Und statt Kuchen und Wein bekommt die Großmutter diesmal eben Sprengstoff und Haschisch „für ihren Himmelsritt“. (mz)


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