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Eisleben: Weihnachten ganz in Familie

Uhr | Aktualisiert 23.12.2012 19:37 Uhr
Volles Haus bei der Familie Emilio Pechara. Der gebürtige Mosambikaner und seine Angehörigen lieben die Geselligkeit. (FOTO: JÜRGEN LUKASCHEK) 
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Vater, Mutter und zehn Kinder: Bei Pecharas in Eisleben ist immer etwas zu los. Der gebürtige Mosambikaner ist für das Fest-Essen zuständig.
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eisleben/MZ. 

Es ist das klassische Fest der Familie: Weihnachten. Und auch Emilio und Ingrid Pechara werden die Festtage natürlich ganz in Familie verbringen. Freilich dürfte es im Haus des Eisleber Ehepaars deutlich lebhafter zugehen, als bei den meisten Menschen: Immerhin haben die beiden zehn Kinder im Alter von acht bis 29 Jahren. Mit den Lebenspartnern der größeren sowie dem fünfjährigen Enkelkind "werden wir wohl 18 Leute sein", sagt Ingrid Pechara (47). Dieser Feiertags-Trubel ist für sie und ihren aus Mosambik stammenden Mann aber kein Problem - ganz im Gegenteil. "Wir sind eine gesellige Familie, in unserem Haus ist jeder willkommen."

Glitzernde Dekoration

"Feste sind bei uns immer sehr schön", sagt die gebürtige Eisleberin, "aber Weihnachten ist ein ganz besonderes Fest." Sichtbarer Ausdruck der Vorfreude ist eine große, glitzernde und blinkende Weihnachtsdekoration, die sie und die Kinder immer in der Adventszeit im Wohnzimmer aufbauen. Die Szenerie rund um eine Krippe wird jedes Jahr noch um ein oder mehrere Teile erweitert. Während sie sich um das Dekorieren kümmert, ist ihr Mann traditionell für das Fest-Essen zuständig. Emilio Pechara ist nämlich ein begeisterter Hobbykoch. Auch das Menü hat Tradition: "Am ersten Feiertag gibt es immer Gans, am zweiten Feiertag Kaninchen", sagt Emilio Pechara. Ist es nicht anstrengend, so viele Leute zu bekochen? "Überhaupt nicht, mir macht das Spaß", so der 49-Jährige, der nicht nur regelmäßig für seine Familie in der Küche steht, sondern zum Beispiel auch mal für seine Karnevalsfreunde. Seit einigen Jahren ist er bei den "Lotterstädtern" aktiv und in den Programmen unter anderem als Tänzer zu erleben. Auch seine Tochter Valeria tanzt mittlerweile bei den "Lotterstädtern". Zudem trommelt Pechara im Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Helfta - ebenso seine Kinder Lucas, Senito, Florian und Valeria. "Wir sind in Eisleben bekannt und haben hier viele Freunde", sagt der gebürtige Mosambikaner, der seit 2000 deutscher Staatsbürger ist. Anfeindungen wegen ihrer Hautfarbe würden weder er noch seine Kinder erleben. "Wenn sie Probleme in der Schule haben, sind das ganz normale Probleme."

Pflegekind aufgenommen

Gerade seit die großen Töchter Nadine (29) und Silvia (26) aus dem Haus sind - sie leben in Berlin -, freuen sich die Eltern umso mehr auf die Gemeinsamkeit zu Weihnachten. "Es war eine sehr schwere Zeit, als die Erste ausgezogen ist", sagt Ingrid Pechara. "Viele konnten das gar nicht verstehen und haben gesagt: Du hast doch noch so viele Kinder. Aber ein Kind kann nicht ein anderes ersetzen." Sie könne sich auch nicht vorstellen, dass vielleicht einmal alle Kinder ausziehen. "Das wäre das Schlimmste für mich." Schließlich seien sie nicht aus Versehen eine Groß-Familie geworden. "Wir wollten immer viele Kinder haben", sagt Ingrid Pechara, die selbst mit vier Geschwistern aufgewachsen ist. Ihr Mann stammt sogar aus einer aus elfköpfigen Familie. Dass den beiden ihre Kinder "nie zu viel" geworden sind, zeigt sich auch daran, dass sie nach neun eigenen Kindern noch die heute achtjährige Franzi als Pflegekind zu sich genommen haben. "Es ist schön mit so vielen Kindern", sagt die Mutter. "Es ist immer etwas los." Und dass sie - nachdem sie jahrelang zu Hause war -, heute in drei Schichten als Altenpflegerin arbeiten könne, verdanke sie auch ihren "selbstständigen und verlässlichen" Kindern.

Krippenspiel zu Heiligabend

Zu Heiligabend wird die katholische Familie zunächst zum Krippenspiel in die St. Gertrudkirche gehen. Dann kommt der Weihnachtsmann zur Bescherung - "und dann ist Leben im Haus", sagt Ingrid Pechara. Und wie ist das, wenn man zehn Kinder zu beschenken hat? "Da muss man natürlich beizeiten anfangen, sich zu kümmern. Aber die Kinder wissen auch, was sie sich wünschen können." Wobei es früher finanziell noch enger gewesen sei, als nur ihr Mann arbeitete. Die beiden haben sich Anfang der 80er Jahre in Eisleben kennengelernt: Der Mosambikaner wurde im damaligen Volkseigenen Gut "Walter Schneider" zum Facharbeiter für Obstbau ausgebildet; seine heutige Frau arbeitete dort. Nach der Lehre ging er zunächst wieder nach Mosambik, kehrte dann 1990 nach Deutschland zurück und heiratete. Bei der Stadtverwaltung bekam er eine Stelle als Heizer; mittlerweile ist er seit vielen Jahren bei der Kreisverwaltung als Hausmeister beschäftigt, hauptsächlich im Martin-Luther-Gymnasium.

Bis heute besucht er regelmäßig seine Verwandten in Mosambik. "Da gibt es dann immer ein großes Fest." Und wie wird dort Weihnachten gefeiert? "Zuerst geht man in die Kirche", sagt Pechara. "Und dann ziehen die Leute durchs Dorf und es wird nur noch getanzt."

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