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Eisleben: Martin Luthers dunkle Seiten

Uhr | Aktualisiert 25.11.2012 19:37 Uhr
Der Vortrag von Gerhard Begrich im Zentrum Taufe war gut besucht. (FOTO: PRIVAT) 
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Der Berliner Theologe Gerhard Begrich spricht in Eisleben über ein schwieriges Kapitel der Kirchengeschichte: Luthers Hass auf die Juden.
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eisleben/MZ. 

"Wir sind in einer wunderschönen Kirche, nur das Thema ist nicht so schön." So begann der Berliner Theologe Gerhard Begrich seinen Vortrag in der Eisleber Petrikirche. Mehr als 50 Besucher waren gekommen, um seinen Ausführungen unter dem Titel "Der Sündenfall - Martin Luther und die Juden" zu hören.

Begrich widerspricht der gängigen Auffassung, Luthers Einstellung zum Judentum habe sich grundlegend gewandelt. Vielmehr gab es seiner Auffassung nach von Anfang an eine Kontinuität: "Nur ein getaufter Jude ist für Luther ein guter Jude. Nur wenn er Christ wird, kann er die Herrlichkeit Gottes erlangen." Dabei habe Luther am Anfang noch gehofft, dass die Juden sich infolge der Reformation für das Christentum gewinnen lassen. Doch als seine missionarischen Bemühungen nicht gefruchtet hätten, habe er sich tief enttäuscht gezeigt - besonders in seiner Schrift von 1543 "Von den Juden und ihren Lügen". Darin brandmarke er die Juden als von Gott verworfen, ja als Volk des Teufels, das zu verjagen und deren Synagogen und Häuser zu verbrennen sind. Luthers Hass habe sich bis in seine letzten Lebenstage gesteigert, so Begrich. Auf seiner letzten Reise nach Eisleben klinge dies in den Briefen an seine Frau Käthe genau so an wie aus seiner Kanzelabkündigung in der Andreaskirche. Am 18. Februar 1546 sterbe Luther in seinen Irrtümern befangen, so Begrich.

Rüdiger Seidel, Vorsitzender des Eisleber Synagogenvereins, ergänzte nach dem Vortrag, wie es mit den Juden danach weitergegangen ist: "Im Herbst 1546 wurden sie für ein halbes Jahr aus der Grafschaft verbannt. Nach ihrer Rückkehr unter Führung des Juden Hirsch standen sie unter dem Schutz der Dorothea von Solms. Erst nach ihrem Tod 1572 wurden sie wirklich vertrieben."

Ohne Luthers schlimme Wirkung für die nachfolgenden Jahrhunderte unterschlagen zu wollen, machte Begrich aber auch deutlich: "Die Nationalsozialisten im Dritten Reich haben Luther und seine religiöse Intoleranz nicht zur Rechtfertigung der Judenverfolgung genutzt, vielmehr begründeten sie ihren systematischen Vernichtungswillen mit der Rassenlehre."

Mutig haben sich die Eisleber Gemeinden mit dem Pfarrerehepaar Iris und Christoph Hellmich einem schwierigen Kapitel der eigenen Geschichte gestellt. Doch, so der Referent: "Die Hochachtung vor Martin Luther gebietet es, auch seine dunklen Seiten und seine Irrtümer zur Sprache zu bringen."

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