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Wohnungssuche: Beim Kumpel auf dem Sofa

Uhr | Aktualisiert 22.10.2012 20:02 Uhr

Nach der Vorlesung auf Wohnungssuche - Omar Akchour (23) aus Marokko studiert seit Oktober in Dessau. (FOTO: DYMKE)

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Omar Akchour ist ratlos. Der Student aus Marokko sucht dringend ein Zimmer in Dessau - bisher ohne Erfolg. Für einen Master in Geoinformatik hat sich der 25-Jährige an der Hochschule Anhalt eingeschrieben.
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DESSAU/MZ. 

Vielzahl ausländischer Studenten

Seine Kurse haben im Oktober begonnen, doch eine Bleibe hat er noch nicht. Er schaut betreten und erklärt, dass er jetzt erst einmal bei einem Freund untergekommen ist. "Der hat ein großes Zimmer, das wir uns teilen." Doch eine Dauerlösung sei das nicht.

So wie Omar Akchour geht es in Dessau vielen ausländischen Studenten. Von den 1 500 Studenten am Campus Dessau, haben 750 einen ausländischem Pass, etwa die Hälfte kommt aus China. Oft haben gerade sie es schwer, eine Unterkunft zu finden. Es ist ein absurdes Problem, bedenkt man den großen Leerstand in der Stadt.

Für internationale Studenten ist das Studentenwerk die erste Anlaufstelle bei der Wohnungssuche. Drei Wohnheime betreibt die Einrichtung in Dessau. Insgesamt stehen in den Häusern in der Brauereistraße, in der Röttgerstraße und in der Hardenbergstraße 169 Plätze zur Verfügung. Aber: "Die Wohnheime sind zu 100 Prozent belegt", sagt Hausverwalter Heinz Striewski. "Zum Semesterbeginn ist immer alles voll." Die meisten Bewohner sind internationale Studenten, doch der Platz reicht bei Weitem nicht aus. Zwar wurden einige Zimmer doppelt belegt. Doch immer noch rufen verzweifelte Studenten bei ihm an, sagt Striewski. "Sie sollen sich beim Studentenwerk anmelden", rät er. "Manchmal wird wieder ein Zimmer frei."

Auch Omar Akchour versuchte, über das Studentenwerk ein Zimmer zu ergattern. Die Räume sind möbliert und mit Preisen zwischen 176 Euro bis maximal 230 Euro erschwinglich. Im Juli reichte er online seine Bewerbung ein. Ein paar Tage später kam die Absage: Alles sei bereits belegt. "Allein eine Wohnung zu mieten, das geht nicht", gibt der Student zu. Er lächelt schüchtern und zupft seine gegelten schwarzen Haare zurecht. Seine Eltern finanzieren ihm zwar das Studium. Aber mehr als eine Wohnheimmiete können sie nicht aufbringen.

Kooperation mit großem Vermieter

Zu Alfred Jacoby, der für den Studierenden-Austausch im Master-Programm verantwortlich ist, ist das Wohnungsproblem bisher nicht durchgedrungen. "Die Situation ist dieses Jahr erheblich entspannter. Wir haben keine Beschwerden über fehlenden Wohnraum für Studenten", so der Professor. Das liege unter anderem an dem Kooperationsvertrag, den die Hochschule im Juni mit der Dessauer Wohnungsbaugesellschaft (DWG) geschlossen hat. Bis zu 60 ausländische Studenten sollen nun bei Bedarf in deren Wohnungen untergebracht werden. "Das Problem für uns ist, dass viele Studenten erst sehr spät kommen", erklärt DWG-Sprecher Walter Matthias. "Sie kommen nicht pünktlich zum Semesterbeginn, sondern erst in den Wochen danach." Für die Wohnungsgesellschaft sei es dadurch schwierig, eine passende Anzahl an Zimmern bereitzustellen. Auf der Suche seien derzeit noch einige chinesische Studenten, sagt Matthias. "Da stehen noch etliche auf den Fluren und zittern, ob sie ein Zimmer bekommen."

Warten auf nächstes Semester

Marcus Rau vom Akademischen Auslandsamt der Hochschule Anhalt kennt das Problem. "Die ausländischen Studenten trudeln erst nach und nach ein", weiß er. Die letzten werden wohl erst Mitte oder Ende November nach Dessau kommen. Der Grund: Viele erhalten ihr Visum nicht rechtzeitig oder können nicht schnell genug Flüge nach Deutschland buchen. Die bürokratischen Hürden, gerade für Studenten außerhalb Europas, seien hoch. "Die haben vorher eine Riesenrennerei", so Rau. Ob sich die Situation durch die neue Kooperation entschärft habe, könne man jetzt noch nicht sagen. Die Hochschule versucht seit diesem Semester jedoch verstärkt, den Studenten bei der Wohnungssuche zu helfen. Eine Mitarbeiterin wurde in Dessau extra abgestellt, um die ausländischen Studenten zu betreuen.

Davon weiß Omar Akchour allerdings nichts. Auch bei der DWG will er nicht vorsprechen. Seine deutschen Kommilitonen hätten ihm von ihren schlechten Erfahrungen berichtet und abgeraten: schlecht gedämmte Zimmer, hohe Nebenkostenabrechnungen am Jahresende. Akchour will nun unter seinen Kommilitonen fragen, ob jemand mit ihm eine Wohngemeinschaft (WG) gründet. Und er hofft auf das kommende Semester: Dann sollen in den Wohnheimen wieder Plätze frei werden.

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