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Umweltbundesamt: Schlange erhält Diamanten

Jochen Flasbarth

Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes, ist begeistert vom Neubau, dessen Modell er in der Hand hält. (FOTO: SEBASTIAN)

Dessau-Rosslau/MZ. -

Die Freude ist Jochen Flasbarth anzusehen. Dem Präsidenten des Umweltbundesamtes gefällt der Erweiterungsbau seiner Behörde, auch wenn er ihn im Moment nur im Modell vor sich hat. Er ist zufrieden damit, dass sich die Jury einstimmig für einen und eben diesen Vorschlag entschieden hat, und denkt, dass dieser Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zum großen ersten Gebäude "wieder etwas Besonderes für Dessau wird".

Von einer "eigenen architektonischen Sprache, einer eigenen Handschrift und einer Botschaft" spricht Flasbarth, was neben dem bestehenden Sitz der Bundesbehörde eine besondere Herausforderung ist. Wie das deutlich größere Gebäude wird auch der Neubau "keine ganz scharf konturierte und geometrische Figur haben", beschreibt Flasbarth den Entwurf. "Es ist eine freie Form, aber keine Kopie des ersten Hauses", betont er. Darauf ist er sichtlich stolz und überzeugt, "dass wir uns alle hier unheimlich freuen werden und dass die Dessau-Roßlauer ihren Spaß daran haben werden". Zudem werte das neue Gebäude das Areal im einstigen Gasviertel weiter auf.

Angesichts des Modells, das neben der so genannten Uba-Schlange eingepasst wird, wählt Flasbarth das Wort Diamant als Kurznamen. Ein Diamant könne eine solche Form haben. Außerdem spiele bei dem Vergleich schon das künftige Aussehen mit hinein. Aufgrund der Photovoltaik-Elemente, die auch an der Fassade zwischen den Fenstern eingebaut werden, werde der Bau wohl später bläulich wirken.

Das Modell indes ist weiß. Wie seine Umgebung. Damit sich die Jury auf das Wesentliche habe konzentrieren können, erklärt Gerd Schablitzki, Leiter des Referats Bau und Technik, Innerer Dienst am Umweltbundesamt. Das Wesentliche hieß - ganz kurz gefasst: Null-Energie-Haus mit rund 100 Arbeitsplätzen und zwei Konferenzräumen.

Ein Demonstrationsobjekt

Für den Neubau mit hohen städtebaulichen, gestalterischen und energetischen Anforderungen, der ein Demonstrationsobjekt für nachhaltiges Planen, Bauen und Betreiben sein sein soll, hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben einen internationalen Wettbewerb für Architekten und Ingenieure ausgelobt. 25 Bewerbergemeinschaften waren aufgefordert worden, 21 Entwürfe wurden abgegeben. Die Durchführung und der Abschluss des Wettbewerbes oblag dem Landesbetrieb Bau und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt, Außenstelle der Niederlassung Süd-Ost, der in Dessau-Roßlau seinen Standort hat.

Am Montag und Dienstag tagte die Preisrichtersitzung. Um sich dann einhellig für den Entwurf von Anderhalten Architekten Berlin gemeinsam mit Winter Beratende Ingenieure für Gebäudetechnik Berlin GmbH (TGA-Planung) und Müller-BBM GmbH (Bauphysik) zu entscheiden.

Den Wettbewerb mit der Preisrichtersitzung einer ausgewählten Jury empfindet Flasbarth als "eine ganz großartige Sache". Der breite Sachverstand, der die Entwürfe nach den modernen Standards aus Umwelt- und Energiesicht bewertet habe, ermögliche, "dass wir tatsächlich Exzellenz auswählen konnten", erklärt der Uba-Präsident, "denn wir wollten natürlich wieder erstklassig sein".

Das Siegermodell erfüllt die Anforderungen an ein Null-Energiehaus, was die Wärme-, Kälte- und Stromversorgung in der Bilanz des Jahres einschließt.

Einen Erdwärmetauscher wie beim großen Gebäude soll es diesmal nicht geben. Es wird mit saisonalen Wärmespeichern gearbeitet, die im Sommer einlagern und im Winter abgeben. Über die Wärmespeicherung wird auch die Kühlung reguliert.

Die Stromerzeugung, die nach der Anforderung im Wettbewerb am Gebäude selbst regenerativ erfolgen soll, war wohl die größte Herausforderung an das Objekt. Sie wird über Photovoltaikanlagen erfolgen. Biomasse hatte die Behörde ausgeschlossen, Windenergie lässt der Standort nicht zu. Auch Geothermie war nicht viel versprechend.

"Dieser Entwurf deckt mit 100 Prozent den Bedarf", sagt Flasbarth, "vielleicht sogar etwas mehr." Erreicht wird dies durch die ungewöhnliche Form des Gebäudes, die entsprechend der Aufgabe zur Energieerzeugung entstanden ist. "Hier folgt die Form der Funktion", erklärt der Uba-Präsident, der selbst der Jury mit angehörte. Sowohl das Dach als auch die südliche, östliche und westliche Fassade werden mit Photovoltaik-Elementen bestückt.

Nachhaltiges Bauen

Aber auch die anderen Kriterien der "goldenen Standards für nachhaltiges Bauen" sieht die Jury in dem neuen Gebäude, das rund 2 000 Quadratmeter Nutzfläche auf insgesamt vier Etagen haben wird, mit dem Entwurf erfüllt. Da geht es um den Ressourcenverbrauch und die Anforderungen an Quantität und Qualität des Materials ebenso wie um soziale Aspekte. Barrierefreiheit überall ist einer davon, die Möglichkeit der Kommunikation ein anderer, schnelle Wege sind entscheidend. Jedenfalls sollen die hohen ökologischen Ansprüche keine Abstriche an der Qualität der Arbeitsplätze mit sich bringen.

Angesichts all dieser Kriterien, die der Entwurf von Anderhalten Architekten Berlin erfüllt, sagt Flasbarth zum Jury-Entscheid: "Ich fühle mich sehr wohl."


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