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Umfrage zu mehr Waffen in Dessau-Roßlau: Fast jeder vierte MZ-Leser hat "aufgerüstet"

Der Absatz von Pfefferspray und Patronen hat sich bereits 2015 erhöht, nach den Übergriffen in Köln stieg er um ein Vielfaches.

Der Absatz von Pfefferspray und Patronen hat sich bereits 2015 erhöht, nach den Übergriffen in Köln stieg er um ein Vielfaches.

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Lutz Sebastian

Dessau-Roßlau -

Seit Monaten bestimmt die Flüchtlingskrise die öffentliche Diskussion. Die Übergriffe in Köln und Hamburg verunsichern die Menschen, der Terror in Paris und Istanbul ebenso. Das merken nun auch die Waffenhändler in Dessau-Roßlau. Der Kleine Waffenschein, der zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen berechtigt, ist in der Doppelstadt begehrt wie nie zuvor. Während im gesamten Jahr 2015 nur 30 Anträge für diesen Schein gestellt wurden, sind es seit diesem Januar bereits 37. Pfefferspray ist in der gesamten Stadt ausverkauft.

Ob die große Nachfrage mit dem aktuellen Terror oder den Übergriffen in Köln zusammenhängt, ist nicht einfach zu beantworten. Sie zeigt jedoch, dass auch die Dessau-Roßlauer offenbar ein höheres Sicherheitsbedürfnis haben.

Ist das eigene "Aufrüsten" aber eine berechtigte Reaktion? In unserer Umfrage zeigen sich die MZ-Leser gespalten.

Die Mehrheit spricht sich hier gegen den Privatbesitz von Waffen aus: Von insgesamt 440 Teilnehmern stehen 42 Prozent (Stand: Mittwoch, 13 Uhr) Waffen und Pfefferspray skeptisch gegenüber. Sie sind überzeugt, dass Waffengewalt das Problem nicht löst. Immerhin 35 Prozent der Umfrage-Teilnehmer spielen zumindest mit dem Gedanken, sich einen Kleinen Waffenschein oder ein Pfefferspray zuzulegen. Und fast ein Viertel (23 Prozent) der Befragten hat genau diese Überlegung bereits in die Praxis umgesetzt.

In der Debatte um Waffenbesitz warnt Dirk Hofmeister vor einem leichtfertigen Umgang mit den Waffen. „Der Schein berechtigt nur zum Mitführen der Waffe. Er ist keine Schießerlaubnis, außer auf dem eigenen Grundstück und bei Notwehr“, sagte der Sachbearbeiter für Waffenrecht im Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung.
Der Umgang mit Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen ist im Waffengesetz geregelt. Diese Waffen sind an jeden über 18 Jahren frei verkäuflich. Werden sie nur zu Hause oder auf dem eigenen Grundstück eingesetzt, ist keine zusätzliche Genehmigung nötig. Wer sie aber in der Öffentlichkeit trägt, braucht den Kleinen Waffenschein.

Doch die vemeintliche Sicherheit kann trügen. So können selbst harmlos wirkende Pfeffersprays gefährlich werden. Eindrückliches Beispiel: Selbst Polizisten, die beim Einsatz von Pfefferspray geschult sind, verletzen sich mit dem Spray beispielsweise bei Tumulten nach Bundesligaspielen auch immer wieder selbst. (mz)


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