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Traumland Youkali liegt im hohen Norden

Uhr | Aktualisiert 09.03.2009 21:57 Uhr
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«Music for a While»

Eine Sternstunde des Festes auf der Bauhausbühne: Die Norwegerin Tora Augestad und ihre Männer von «Music for a While». (FOTO: LUTZ SEBASTIAN)

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Im Verlauf einer dicht gedrängten Festival-Woche, hastend von Konzert zu Konzert, kann dem eifrigen Kultur-Connaisseur gelegentlich das Gespür für das Wesentliche abhanden kommen.
DESSAU/MZ. 

Man trifft die gleichen Zuhörer an verschiedenen Orten, hört die selben Lieder in wechselnden Tonlagen ... da ist es heilsam, wenn ein Ereignis sich so machtvoll in den Blick drängt, dass alle Maßstäbe mit einem Mal wieder feststehen.

Der Titel "Music for a While" wird in der Musikgeschichte bis dato eher mit dem britischen Barock-Komponisten Henry Purcell assoziiert. Dies aber dürfte sich demnächst ändern, wenn es nach der Norwegerin Tora Augestad und ihren vier Musikern geht. Nachdem die Sängerin beim Lotte-Lenya-Wettbewerb einen Preis gewonnen und ihre erste CD mit "Weill Variations" aufgenommen hatte, stand für die Band im Bauhaus nun das Deutschland-Debüt an. Und obwohl sie gewiss Respekt vor Ort und Anlass hatten, ließ das Quintett keinen Zweifel an seinen Ausnahme-Qualitäten zu.

Vielleicht ist es ja sogar ein Vorteil, wenn man sich Brechts Texte als Fremdsprache erschließen muss: Tora Augestad jedenfalls ist viel mehr als eine akademisch geschulte Sängerin, sie durchlebt und durchleidet ihre Lieder mit einem Maximum an stimmlichen wie darstellerischen Möglichkeiten. Wer ihr "Je ne t'aime pas" gehört hat, weiß um die trotzige Verweigerung als letztes Mittel der Liebeswerbung. Wer sie in der "Saga of Jenny" sah, hat den komödiantischen Schnelldurchlauf eines lebenslangen Scheiterns erlebt.

Mit diesen dramatischen Finessen nimmt sich Tora Augestad auch des deutschen Materials an - und findet in den Frauenschicksalen der Polly oder der Nanna Anlässe für tragikomische Miniaturen. Von ihren intelligenten Variationen der Refrains wäre hier auch für versierte Brecht-Sängerinnen noch manches zu lernen. Ihre charmanten Moderationen aber sind unkopierbar - ebenso wie die ungewöhnlichen Arrangements, die nur in einer derart virtuosen Besetzung funktionieren.

Denn wann hätte man den "September Song" je mit einer Steel Guitar gehört, mit der Stian Carstensen die träge Wärme eines südlichen Herbstes imaginiert? Wann hätten sich je eine Tuba und eine Trompete zur voll gültigen Bläsersektion vereint, mit der Martin Taxt und Matthias Eick Augestads Stimme stützen und tragen? Und wo findet sich ein so eleganter und energischer Schlagzeuger wie Pal Hausken, den selbst im Furor eine Aura der lässigen Eleganz umgibt?

"Music for a While" ist in allen Positionen Luxus pur - und die Behauptung vom Akkordeonisten Carstensen, dass sie jeden Fehler so oft wiederholen, bis er wie Absicht wirkt, zeugt von sympathischem Understatement. Dass aber ausgerechnet ein norwegisches Ensemble auch Eislers Lied "An den kleinen Radioapparat" im Repertoire hat, dessen Text Bert Brecht im skandinavischen Exil verfasste, rührt auf ganz besondere Weise. Ebenso wie Weills Sehnsuchts-Hymne "Youkali", die Tora Augestad so beschwörend singt, dass die Utopie Gestalt gewinnt.

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