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Stadtrat zur Theater-Zukunft in Dessau: Weiter hinter verschlossener Tür

Protestplakat am Anhaltischen Theater in Dessau

Das Anhaltische Theater in Dessau.

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SEBASTIAN/Archiv

Dessau/MZ -

Wird das Thema Anhaltisches Theater zu Unrecht im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung behandelt? Hendrik Weber meint ja, weshalb der Stadtrat (Ex-CDU) beantragte, den Tagesordnungspunkt „Aussprache zur zukünftigen Struktur des Anhaltischen Theaters Dessau“ öffentlich zu behandeln, denn es gehe nicht „um Personalangelegenheiten einzelner Personen, die des Schutzes bedürfen“, erklärte er.

Auch Ralf Schönemann (Linke) sprang dem Ansinnen bei, warnte vor Geheimniskrämerei und dadurch aufkommende Spekulationen. Er warb darum, Informationen im öffentlichen Teil des Stadtrates zu geben und Details zu Geschäftskonstellationen nichtöffentlich zu behandeln.

OB Koschig gegen öffentliche Sitzung

Stadtratsvorsitzender Stefan Exner und Oberbürgermeister Klemens Koschig sehen das anders, wie Exner erklärte. Sie hätten sich das angeschaut und geprüft. Nicht zuletzt, weil den Stadträten ein umfangreiches Zahlenmaterial vorliege (das nach MZ-Informationen den Räten erst am Tag selbst zugestellt wurde), sehe man keine Veranlassung, Öffentlichkeit herzustellen. Dem folgte bei der Abstimmung auch die Mehrheit des Rates (18 Stimmen). 14 Stadträte plädierten für die Öffentlichkeit, zwei enthielten sich.

Öffentlich zumindest widmete Finanzbürgermeisterin Sabrina Nußbeck einen Teil ihrer Ausführungen zum Haushalt dem Thema Theater, weil es der größte Risikofaktor nicht nur für das Jahr 2014, sondern auch für Folgejahre sei, da es noch keine Entscheidung über die künftige Struktur des Hauses gebe.

Land hat Kürzungen beschlossen

Nachdem das Land Sachsen-Anhalt Kürzungen im gesamten Theaterbereich von 36 auf 30 Millionen beschlossen hatte, soll Dessau statt dem bisherigen Zuschuss von 8,1 nur noch 5,2 Millionen Euro erhalten. Was das Aus für Schauspiel und Ballett bedeuten würde. Wie beides dennoch erhalten werden könnte, zeigt ein bisher nur hinter verschlossenen Türen besprochenes alternatives Konzept der Theaterleitung. Die Variante, die etwa Teilzeit der Mitarbeiter (90 Prozent) und einzelvertragliche Regelungen vorsieht, würde nach MZ-Informationen auch eine Mehrheit im Stadtrat erhalten. Sie sei schlüssig und akzeptabel und entspreche dem Stadtratsbeschluss vom Oktober. Der hat ein eigenständiges Haus zum Ziel und soll nach Möglichkeit alle vier Sparten erhalten. Das Entgegenkommen der Theatermitarbeiter, hoffen Stadträte, müsste das Land honorieren, denn es sei kein hoher Strukturanpassungsaufwand notwendig.

Wie Nußbeck im Stadtrat zum Haushalt ausführte, sei in den Haushaltsplan das Ergebnis der Verhandlungen mit dem Land zur Strukturanpassung in ein Musiktheater und der entsprechende Zuwendungsvertrag unter Zugrundelegung einer 75-prozentigen Beteiligung des Landes an den Strukturanpassungskosten eingestellt. Von 2009 bis 13, erklärte sie, hatte die Stadt das Theater bereits mit 36,8 Millionen Euro bezuschusst. Nach dem jetzigen Verhandlungsergebnis mit dem Land, würde der Zuschuss sich in den nächsten fünf Jahren um 7,4 Millionen auf insgesamt 44,2 Millionen Euro für 2014-18 erhöhen. Das alternativ vom Theater vorgelegte Konzept würde für 2014-18 indes einen Zuschuss von 48,3 Millionen Euro bedeuten. 11,4 Millionen mehr, als von 2009 bis 13 flossen. „Wenn das Konzept vom Land ohne zusätzliche Beteiligung akzeptiert und vom Stadtrat so beschlossen wird, steigt der Zuschuss an das Anhaltische Theater von acht Millionen Euro 2013 auf elf Millionen im Jahr 2014“, erklärte Nußbeck den Stadträten.


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