Online-Aktionsankündigung-Einlaufkinder-RBL
Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

SV Anhalt Bernburg - Dessau-Roßlauer HV: Ein verlorener Kampf

Den entscheidenden Treffer zum 26:25 erzielte Arseniy Buschmann (li.) fünf Sekunden vor dem Ende. Robert Lux (Mi.) hatte eine Zeitstrafe wegen Foulspiels kassiert (re.) Marek Vanko .

Den entscheidenden Treffer zum 26:25 erzielte Arseniy Buschmann (li.) fünf Sekunden vor dem Ende. Robert Lux (Mi.) hatte eine Zeitstrafe wegen Foulspiels kassiert (re.) Marek Vanko .

Foto:

Pülicher

Bernburg -

Plötzlich stockte der Jubel noch einmal. Die Fans des SV Anhalt Bernburg hielten den Atem an. Der 26:25-Sieg ihres Teams war doch noch nicht in trockenen Tüchern. Die Referees Thomas König und Marian Teichmüller pfiffen das 25. Anhalt-Derby am Samstagnachmittag noch einmal an. Zwei Sekunden waren nach Ansicht der Unparteiischen und des Kampfgerichts noch auf der Uhr. Eine letzte Chance für den DRHV, mit einem positiven Ergebnis aus dem Duell zu gehen. Den Wurf des Tschechen Radek Sliwka von der Mittellinie blockte Steffen Cieszynski allerdings am eigenen Kreis. Bernburg jubelte endgültig. Der DRHV sank zu Boden.

Rote Karte für Hüls

„In der Partie steckten Rasse, Emotionen und Kampf“, meinte Dessau-Roßlaus Trainer Manfred Breu nach dem Schlusspfiff. Seine Mannschaft hatte im vierten Auswärtsspiel der Saison soeben zum vierten Mal verloren - und doch war er nicht unzufrieden mit dem Auftritt seines Teams. Das Derby war vor 709 Zuschauern in der Bernburger Bruno-Hinz-Halle eine Partie auf Augenhöhe. Bis zum Schluss, bis Arseniy Buschmann fünf Sekunden vor dem Ende zum Sieg traf. „Ich hatte gehofft, dass die DRHV-Deckung sich auf Steffen Cieszynski konzentriert und den Raum am Kreis frei macht. Falls dies nicht passiert wäre, hätte ich weiter gespielt. Ich habe die Lücke gesehen und den Ball dann instinktiv aufs Tor geworfen“, schilderte Buschmann seinen Wurf ins Glück.

Zu diesem Zeitpunkt standen die Gäste jedoch nur mit vier Feldspielern auf dem Parkett. Robert Lux bekam in der Schlussphase eine Zeitstrafe. Marco Hüls sah 17 Sekunden vor dem Ende wegen einer Unsportlichkeit (Verhinderung eines Bernburger Gegenangriffs) die Rote Karte. Kurz zuvor hatten die Unparteiischen gegen Radek Sliwka ein Stürmerfoul verhängt. Eine Entscheidung, die wohl unter die Kategorie „Heimpfiff“ fällt. „Das Stürmerfoul gegen Sliwka war für uns der Genickbruch“, meinte der DRHV-Kapitän Robert Lux und lag dabei auf einer Wellenlänge mit seinem Trainer: „Es gab keinen Grund, dass die beiden Schiedsrichter das Derby in der letzten Minute kaputt pfeifen.“

Der Frust des DRHV war nachvollziehbar, denn über weite Strecken lag Dessau-Roßlau in dem prestigeträchtigen Duell knapp vorn. Bei den Hausherren klemmte dagegen vor allem im Angriff die Säge. Die Gäste verurteilten Bernburgs Topschützen Steffen Cieszynski trotz ihrer defensiven 6:0-Formation fast zur Wirkungslosigkeit. Drei Treffer stellen für den Spitzenreiter in der Torjägerliste einen Saison-Minusrekord dar.

Drei-Tore-Führung des DRHV

Wie die DRHV-Abwehr Cieszynski hatte die Bernburger Deckung auch den Dessauer Scharfschützen Lux (107 Treffer in 17 Derbys) sehr gut im Griff. Während die Gastgeber aus dem Rückraum kaum Torgefahr ausstrahlten, hatte der 33-jährige Routinier Lux jedoch jemanden an seiner Seite, der ebenfalls Verantwortung übernahm: Linkshänder Sliwka, der am Ende mit neun Toren bester Werfer des 25. Anhalt-Derbys war, traf fast wie er wollte und ließ die DRHV-Fans lange Zeit vom ersten Erfolg gegen den Erzrivalen seit zweieinhalb Jahren träumen, zumal sich Cieszynski beim 19:19 (46.) eine doppelte Zeitstrafe eingehandelt hatte. In der vierminütigen Überzahl zogen die Gäste auf 22:19 davon. „Wir waren mit Bernburg auf Augenhöhe, haben es aber verpasst, zu diesem Zeitpunkt den Sack zuzumachen“, meinte Manfred Breu.

Bernburgs Trainer Christian Pöhler haderte mit dem Verhalten seines Torjägers Cieszynski: „Ich habe Steffen schon auf der Bank gesagt, dass er seiner Mannschaft mit dieser Aktion einen Bärendienst erwiesen hat. Der Junge hat der Mannschaft jedoch schon oft genug den Hintern gerettet. Diesmal war es umgekehrt.“

Doch Pöhler durfte sich am Ende freuen, dass sein Team vor allem dank des überragenden Kreisläufers Tim Ackermann, des Youngsters Robin Hoffmann und des Siegschützen Arseniy Buschmann in der Schlussviertelstunde die Wende schaffte. Für den DRHV stand trotz einer guten Leistung die fünfte Saisonniederlage auf der Anzeigetafel. „Es ging in diesem Derby mit zwei sehr starken Abwehrreihen immer ziemlich eng zu“, bilanzierte Robert Lux, der zudem meinte: „Ein Unentschieden hätte dem Spielverlauf eher entsprochen. Wir haben unsere taktische Marschroute durchgesetzt und hatten sogar die Chance auf zwei Punkte.“

Doch am Ende stand Dessau-Roßlau trotz großem Kampf wieder einmal mit leeren Händen da. „Wir waren nicht schlechter, aber dafür können wir uns auch nichts kaufen“, fand Lukas Krug die richtigen Worte. (mz)