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Neue Handball-Regeln: Gelb, Rot... Blau?

Spieler

Neben der Gelben und Roten Karte, die hier einem Spieler der HSG Wolfen gezeigt wird, können Schiedsrichter ab Juli 2017 auch die Blaue Karte für besonders schwere Vergehen zücken.

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Archiv/Bösener

Dessau -

Blaue Karte, Pause für Verletzte, passives Spiel: Der Handball-Weltverband IHF hatte den Plan, schon bei der Frauen-Weltmeisterschaft im Dezember in Dänemark, fünf neue Regeln einzuführen. Doch auf Intervention einiger Nationen wurde das Vorhaben noch einmal zurückgenommen. So werden die neuen Regeln, die bei der Nachwuchs-Weltmeisterschaft im Sommer vergangenen Jahres getestet und von der IHF-Regelkommission für gut befunden wurden, erst wie ursprünglich geplant ab 1. Juli 2017 in Kraft treten. Diese fünf Neuerungen betreffen die neue blaue Karte, die letzte Spielminute, passives Spiel, Verletzungsunterbrechungen und den Einsatz eines siebten Feldspielers statt eines Torhüters.

Obwohl die Umsetzung erst in anderthalb Jahren ansteht und somit auch die Europameisterschaft der Männer in Polen, die am Freitagabend startet, davon noch nicht betroffen ist, erklärt die Mitteldeutsche Zeitung die neuen Regeln und hat von Aktiven auf verschiedenen Ebenen Meinungen zu Sinn und Nutzen eingeholt.

Blaue Karte

Um allen Beteiligten nach einer Roten Karte sofort klar zu machen, ob ein Zusatzbericht folgt, der dann im Falle der IHF eine automatische Sperre nach sich zieht, werden die Schiedsrichter in solchen Fällen nach der Roten auch eine Blaue Karte zeigen.

René Uelsmann (Rekordspieler HG 85 Köthen): „Eine Blaue Karte macht es für das Umfeld bestimmt leichter. Vor allem in spielentscheidenden Situationen erachte ich es als sinnvoll, denn so weiß jeder gleich bescheid, dass das jeweilige Vergehen noch ein Nachspiel hat.“

Uwe Jungandreas (Trainer Dessau-Roßlauer HV): „Das ist eigentlich eine ganz sinnvolle Geschichte. So weiß jeder gleich, dass noch etwas kommt und man muss nicht immer erst noch den ganzen Bericht auseinandernehmen. Ob das nun wichtig ist, eine Blaue Karte einzuführen, sein mal dahingestellt. Aber zumindest ist es kein Eingriff ins Spiel.“

Die letzten 30 Sekunden

Bereits in der Männer- und Frauen-Bundesliga wird seit dieser Saison die Neuregelung umgesetzt, die Fouls in den letzten 30 Sekunden betrifft - und nicht mehr in der letzten Spielminute. Begeht ein Abwehrspieler in diesem Zeitraum eine grobe Regelwidrigkeit, erhält er eine Rote Karte und - das ist neu - die angreifende Mannschaft einen Siebenmeter. Allerdings wird nicht jedes Foul in den letzten 30 Sekunden nach dieser Regel geahndet.

Siegfried Seidig (Ehrenpräsident HSG Wolfen): „Diese Regelung finde ich gut. Es geht ja nur um die entscheidende Phase und im Handball ist es nicht selten so, dass das Spiel dann noch knapp ist. Es geht oft um alles. Und so kann man mit einer groben Unsportlichkeit nicht einfach den Angriff stoppen. Diese Regel wird dem Spiel gut tun.“

Christian Pöhler (Trainer SV Anhalt Bernburg): „Hier sollte man aufpassen, dass man die Schiedsrichter nicht in die Bredouille bringt. Wir hatten das Beispiel im Pokalspiel Melsungen gegen die Rhein-Neckar Löwen, was jetzt wiederholt wird. Das sollte nicht die Regel werden. Was sich bewährt hat, ist generell ein härteres Durchgreifen in der letzten Minute. Aber ob das jetzt noch sein muss, ist fraglich, denn es gibt den Schiedsrichtern ja auch nur noch mehr Interpretationsspielraum, der so schon groß genug ist. Und am Ende sollten immer noch die Spieler das Spiel entscheiden.“

Erfahren Sie auf der nächsten Seite mehr über die neuen Regelungen.

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