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Kreisfussballverband Anhalt: Liveticker im Internet

Jedes Tor, jeder Wechsel, jede Karte soll in Zukunft über den Internet-Liveticker laufen. Eine Menge Arbeit für Vereine wie Dessauer SV 97 (blau) und SV Chemie Rodleben (grün).

Jedes Tor, jeder Wechsel, jede Karte soll in Zukunft über den Internet-Liveticker laufen. Eine Menge Arbeit für Vereine wie Dessauer SV 97 (blau) und SV Chemie Rodleben (grün).

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Hartmut Bösener

dessau-Rosslau -

Eigentlich war die Sache vom Tisch. Während der brandenburgische Fußballverband in dieser Woche mitteilte, dass die Vereine von der Oberliga bis zur Landesliga ab der kommenden Saison den Live-Ticker des Internetportals fussball.de verpflichtend nutzen müssen, hatte sich der Fußballverband Sachsen-Anhalt gegen eine Verpflichtung seiner Vereine ausgesprochen. Auf freiwilliger Basis kann das Angebot von fussball.de oder auch fupa.net genutzt werden. Zumindest für den Kreisfachverband Anhalt (KFV) sieht das nun aber anders aus. „Ab dem 1. Juli ist der Ticker für die Vereine Pflicht“, sagt KFV-Präsident Mario Pinkert. Bis zum 30. Juni sollen sie es probieren. „Wenn wir mitbekommen, dass es Probleme gibt, muss man dann miteinander reden.“

Vereine müssen Liveticker zuarbeiten

Das haben beide Seiten - Vorstand des KFV und die Vereine - in diesem Jahr bereits getan. Mit dem Ergebnis, dass die Vereine in Anhalt ab 1. Juli während des Spiels Torschützen, gelbe Karten und Besonderheiten dem Liveticker von fussball.de zuarbeiten müssen. „Der KFV und die Vereine bezahlen das Modul bereits - und es wird nicht genutzt“, erklärt Pinkert die Entscheidung. „Wenn wir es weiter auf freiwilliger Basis machen, fasst es keiner an.“

Viele Vereine haben zuletzt schon „getickert“. Auf Plattformen wie fupa.net oder auf der eigenen Facebook. Mario Pinkert ist laut eigener Aussage nicht gegen diese Konkurrenz-Angebote. „Ich sehe das aber als zusätzliche Plattform neben fussball.de“, sagt der Präsident des KFV Anhalt, „es gehört erst einmal zu den Hausaufgaben, dass die Vereine diesen Liveticker nutzen. Zuschüsse werden auch an Bedingungen geknüpft.“

Eine ganz andere Meinung vertritt Jörg Bihlmeyer. „Liveticker sind den Medien wie der Mitteldeutschen Zeitung oder fupa.net vorbehalten“, sagt der Präsident des Kreisfachverbandes Anhalt-Bitterfeld, „der Verein, der das machen möchte, kann das gerne tun - aber freiwillig.“ Bihlmeyer hinterfragt dabei nicht nur die Pflicht als solches, sondern auch die praktische Umsetzbarkeit für die Vereine. „Wir sind froh, dass wir den elektronischen Spielberichtsbogen so reibungslos umgesetzt haben“, sagt er, „wer soll denn nun auch noch den Liveticker machen?“

Liveticker-Ehrenamt

Eine berechtigte Frage. In der 2. Kreisklasse finden Spiele von zweiten oder dritten Mannschaften statt. Die Zahl der Besucher und Helfer ist verschwindend gering. Aber auch in diesem Punkt hat Mario Pinkert einen Ansatz gefunden: „Man kann damit auch neue ehrenamtliche Mitarbeiter gewinnen“, sagt der Präsident des KFV Anhalt und meint damit beispielsweise Nachwuchsspieler eines Vereins. Diese können mit der Aufgabe des Livetickers während einer Partie der Herren beauftragt werden. Genauso gut könne es sich auch um Verwandte, Freunde oder Bekannte der Spieler handeln.

All das sieht Grün-Weiß Dessau sehr skeptisch. „Wenn am Sonntag früh um 10 Uhr unsere Dritte gegen Dobritz-Garitz II spielt, wer verfolgt dann diesen Liveticker?“, fragt Mirko Rübesamen, „ich sehe den Aufwand und Nutzen nicht in der Waage.“ Und damit steht der Abteilungsleiter Fußball der Grün-Weißen nicht alleine da. Viele andere Vereine denken ähnlich. „Ich bin froh, wenn ich zum Spiel elf Spieler, einen Trainer und einen Schiedsrichterbetreuer habe.

Suche nach Freiwilligen

Jetzt muss ich noch jemanden finden, der bei Wind und Wetter mit einem hochwertigen Handy oder Tablet am Spielfeldrand steht und tickert - das ist sehr schwer zu bewerkstelligen“, zeigt sich Mirko Rübesamen mit dem Beschluss unzufrieden. „Dass es nun zur Pflicht geworden ist, ist nicht optimal. Das wurde von oben herab und über den Köpfen der Vereine entschieden. Warum hätte man nicht demokratisch abstimmen können?“

Gut vier Monate Zeit haben die Vereine im Kreisfachverband Anhalt noch, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und die Aufgaben während eines Spiels kennenzulernen. Und es ist nicht wenig, was da zu tun ist. Wer etwa einen Blick in die Regionalligen der Herren wirft, wo der Liveticker bereits Pflicht ist, wird sehen, dass neben dem Vermelden der Torschützen auch Spielerwechsel, Gelbe und Rote Karten sowie kurze Sätze zu Torchancen zu finden sind. Eine Arbeit, die in Anhalt-Bitterfeld weiter freiwillig bleiben wird. „Zumindest so lange, wie ich hier Präsident bin“, sagt Jörg Bihlmeyer. (mz)