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Puppentheater Dessau: "Huckleberry Finn" feiert Premiere

Oliver Seidel (l.) und Helmut Parthier: Noch laufen die Proben, doch schon am 24. Februar hat „Huckleberry Finn“ Premiere in De

Oliver Seidel (l.) und Helmut Parthier: Noch laufen die Proben, doch schon am 24. Februar hat „Huckleberry Finn“ Premiere in Dessau.

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Raphaela Groh

dessau/MZ -

Der Mississippi fließt, er fließt zwischen beiläufig und hartnäckig bösen Ufern, zwischen Lynchjustiz, Rassismus und Freundschaft vorbei an grotesken Abenteuern jenseits der gehobenen Literatursprache. Und auf dem Fluss schwimmt ein Floß. Und auf dem Floß sitzen Jim und Huck. Es dauert eine Weile. Schließlich werden sie Freunde.

Seit Januar im Ensemble

„Huckleberry Finn“, ein Puppenspiel nach dem Roman von Mark Twain für Menschen ab zwölf Jahren, bearbeitet und inszeniert von Rosmarie Vogtenhuber, hat am kommenden Montag um 18 Uhr Premiere im Puppentheater Dessau. Es spielen ein Puppen- und ein Schauspieler, Helmut Parthier und Oliver Seidel. Sie spielen in Persona Jim und Huck und führen zudem das auftretende Romanpersonal, Klappmaulpuppen oder Treibgut. - Vorerst sitzt Oliver Seidel in der Theaterkantine. Geboren in Berlin, studierte er in Rostock Schauspiel, ging an die Theater in Senftenberg und Cottbus. Seit Januar gehört er zum Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters Dessau. Wie betritt man ein sinkendes Schiff? Die Ensembletheater in Deutschland seien generell ein seltenes Kulturgut, welches man schützen müsse. In Gastspielhäusern schwinde das Repertoire, dann verschwänden auch Autoren und Stücke. Es sei vor allem eine Frage der Wertschätzung.

Nun also spielt Seidel erstmals mit Puppen. Spaß mache es, sagt er. Die Puppe als Partner, er nehme, was von der Puppe komme. Zuweilen, etwa im Dialog der Betrüger König und Herzog, würden sich die Puppen beinah verselbständigen. In der Fülle des Materials konzentriere sich die Bühnenfassung auf die Beziehung von Jim und Huck. Erzählt werde aus einer Art Erinnerung heraus. Aus den vielen Abenteuern und Abschweifungen seien einige ausgewählt, die unterhaltend seien, aber auch illustrierend, welche die Geschichte wach hielten und diese vorantrieben.

Die Geschichte beginne mit einer Zweckgemeinschaft. Der Sklave Jim flieht, weil er verkauft werden soll. Huck, den die Witwe Douglas vergebens zu zivilisieren sucht, flieht vor seinem versoffenen Vater. Nun gerät Huck, aufgewachsen in einer Gesellschaft, in der Sklaverei alltäglich war, in einen Zwiespalt. Immer wieder denkt er daran, Jim zu verraten. „Er will es sagen, aber es kommt nicht aus ihm heraus“, sagt Seidel. Ein Umdenken, eine Freundschaft beginnt.

Vererbte Freiheit

Es gehe um Rassismus, Freundschaft und um Freiheit, als eine Art Selbstbetrug und ein wenig Selbstbestimmung, sagt Seidel. Erzählt werde mit verschiedenen Mitteln, so etwa der Kampf der Grangerfords und Shepherdsons, zweier Familien, die sich gegenseitig ausradieren, als Moritat im Schattenriss. Zudem sei der Schluss ein anderer. Die große Utopie am Ende werde durch den Realismus der damaligen Zeit ersetzt. Alles soll hier aber nicht verraten werden.

Im Roman, der als Ikone der amerikanischen Moderne gilt, ist Huck schließlich frei, weil der Vater starb, und Jim ist frei, weil Miss Watson starb. Sie vererbte ihm testamentarisch, also systemimmanent Freiheit.


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