Zelle Nr. 5 im Polizeirevier Dessau-Roßlau - Der Prozess um den Feuertod von Oury Jalloh wird fortgesetzt. (FOTO: DPA)
Im Januar 2005 kam Jalloh, gefesselt an Händen und Füßen, bei einem Brand im Gewahrsam ums Leben. Seitdem versuchen Gerichte zu klären, was genau damals passiert ist.
Vor dem Landgericht Magdeburg wurde gestern erstmals überhaupt der Rechtsmediziner gehört, der die Zweitobduktion damals durchgeführt hat. Ob der Nasenbeinbruch vor Jallohs Tod oder später - etwa erst beim Transport der Leiche - entstanden ist, lasse sich nicht klären, sagte er. Eindeutig beantwortete der Experte dafür die Frage, ob die Verletzung schon bei der ersten Obduktion in Halle hätte auffallen müssen: "Ganz klar nein". Eine Röntgenuntersuchung, wie sie in Frankfurt (Main) dank dort vorhandener Technik durchgeführt wurde, sei nicht zwingend.
Zahlreiche Widersprüche
Die Aussage scheint dem Misstrauen derer, die an eine Vertuschung der Todesumstände Jallohs glauben, Nahrung zu nehmen. Allerdings gibt es auch in diesem Prozess Widersprüche. Unterschiedliche Aussagen zum Fund eines Feuerzeugs etwa, mit dem nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Jalloh selbst trotz Fesselung eine Matratze angezündet hat.
Hinzu kommt: Nach gestrigen Angaben eines Beamten des Landeskriminalamtes sind nicht alle Handfesseln sichergestellt worden. Eine ließ sich zunächst nicht von der Zellenwand lösen, sei später vom Hausmeister entfernt und entsorgt worden. "Für uns wäre das die wichtigste", kritisierte Nebenklage-Anwältin Gabriele Heinecke. Und: 2010 wurde offenbar ein Eintrag im Computer der Polizei gelöscht, der sich mit Jallohs Festnahme befasste. Angeblich routinemäßig und fristgemäß. Heinecke sind das zu viele Zufälle.
Der Prozess in Magdeburg soll bis Dezember dauern. Seit Januar wird gegen den damaligen Dienstgruppenleiter der Polizei verhandelt, weil der zu spät auf den Brandalarm reagiert haben soll. Den Freispruch aus dem ersten Prozess hatte der Bundesgerichtshof kassiert.