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Prozess: Verletzung von Jalloh bleibt unerklärt

Uhr | Aktualisiert 25.08.2011 21:20 Uhr
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Zelle Nr. 5 im Polizeirevier Dessau-Roßlau

Zelle Nr. 5 im Polizeirevier Dessau-Roßlau - Der Prozess um den Feuertod von Oury Jalloh wird fortgesetzt. (FOTO: DPA)

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Woher stammt der Nasenbeinbruch von Oury Jalloh? Warum wurde er erst bei einer zweiten, privat initiierten Obduktion entdeckt? Es ist nur eines der Rätsel, die sich um den Tod des afrikanischen Asylbewerbers in einer Dessauer Polizeizelle ranken.
MAGDEBURG/MZ/LÖ. 

Im Januar 2005 kam Jalloh, gefesselt an Händen und Füßen, bei einem Brand im Gewahrsam ums Leben. Seitdem versuchen Gerichte zu klären, was genau damals passiert ist.

Vor dem Landgericht Magdeburg wurde gestern erstmals überhaupt der Rechtsmediziner gehört, der die Zweitobduktion damals durchgeführt hat. Ob der Nasenbeinbruch vor Jallohs Tod oder später - etwa erst beim Transport der Leiche - entstanden ist, lasse sich nicht klären, sagte er. Eindeutig beantwortete der Experte dafür die Frage, ob die Verletzung schon bei der ersten Obduktion in Halle hätte auffallen müssen: "Ganz klar nein". Eine Röntgenuntersuchung, wie sie in Frankfurt (Main) dank dort vorhandener Technik durchgeführt wurde, sei nicht zwingend.

Zahlreiche Widersprüche

Die Aussage scheint dem Misstrauen derer, die an eine Vertuschung der Todesumstände Jallohs glauben, Nahrung zu nehmen. Allerdings gibt es auch in diesem Prozess Widersprüche. Unterschiedliche Aussagen zum Fund eines Feuerzeugs etwa, mit dem nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Jalloh selbst trotz Fesselung eine Matratze angezündet hat.

Hinzu kommt: Nach gestrigen Angaben eines Beamten des Landeskriminalamtes sind nicht alle Handfesseln sichergestellt worden. Eine ließ sich zunächst nicht von der Zellenwand lösen, sei später vom Hausmeister entfernt und entsorgt worden. "Für uns wäre das die wichtigste", kritisierte Nebenklage-Anwältin Gabriele Heinecke. Und: 2010 wurde offenbar ein Eintrag im Computer der Polizei gelöscht, der sich mit Jallohs Festnahme befasste. Angeblich routinemäßig und fristgemäß. Heinecke sind das zu viele Zufälle.

Der Prozess in Magdeburg soll bis Dezember dauern. Seit Januar wird gegen den damaligen Dienstgruppenleiter der Polizei verhandelt, weil der zu spät auf den Brandalarm reagiert haben soll. Den Freispruch aus dem ersten Prozess hatte der Bundesgerichtshof kassiert.

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