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Open Street Map: «Operation Cowboy» am Campus in Dessau

26.11.2012 19:45 Uhr | Aktualisiert 27.11.2012 10:21 Uhr
Computer, Pizza, Kaffee: So sieht eine Open-Street-Map-Party aus, bei der Landkarten für die USA gestaltet werden. (FOTO: STEINBERG) 
Von Thomas Steinberg
Vom Dessauer Hochschul-Campus aus werden Landkarten für die USA entwickelt, ein Service, von dem am Ende viele profitieren.
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DESSAU/MZ. 

Keiner von ihnen war je in Columbus, Mississippi, einer Kleinstadt, deren größter Arbeitgeber eine Air Force Base ist. Und doch kennen sie sich bestens dort aus, besonders in dem zersiedelten Gebiet zwischen der Military Road und dem Highway 45. Dort eilen sie durch die Straßen und durchstreifen Wälder. "Kümmert sich jemand um die Kirche?", fragt einer.

Kaltes Neonlicht, Wände aus Sichtbeton, Tischreihen mit Computerbildschirmen: Dazwischen sitzen vier Leute, die auf die Monitore vor sich starren. Mäuse klicken. Was hier, in einem Computerraum der Hochschule Anhalt, am Freitagabend vor sich geht, hat wenig gemein mit dem, was üblicherweise Party genannt wird. Und doch handelt es sich um eine, um eine Mapping Party.

Google Maps heißt der bekannteste Online-Kartendienst. Ähnliche Angebote gibt es von Bing, von Nokia, Yahoo. Apple hat inzwischen nachgezogen. So beeindruckend derer aller Fähigkeiten sein mögen - wenn es darum geht, auf einer Online-Karte auch kleinste Details auszumachen, einen Trampelpfad zu finden, kann keiner der kommerziellen Dienst nur annähernd Open Street Map (OSM) das Wasser reichen. Ähnlich wie Wikipedia, das herkömmlichen Lexika längst den Rang abgelaufen hat, ist Open Street Maps ein Freiwilligenprojekt: Jeder, der will, kann Daten eintragen, ergänzen, korrigieren. Eine übergeordnete Instanz, die die Aktivitäten steuert, gibt es nicht.

Das Ergebnis sind einerseits erstaunlich präzise Karten, andererseits Gebiete, die nur schlecht erschlossen sind. Dazu gehören weite Teile der USA: dort, wo das Land dünn besiedelt ist, sind die Informationen gleichfalls dünn.

Die "Operation Cowboy" sollte am Wochenende helfen, Lücken zu schließen: Von Freitag bis Sonntag waren Open Street Mapper aufgefordert, möglichst viele Details aus für diese Zwecke offiziell zur Verfügung gestellten Bing-Luftbildern abzuzeichnen. Weltweit bauten 162 Freiwillige mehr als eine halbe Millionen Knoten ein: jede Hausecke, jede Straßenbiegung, jede Telefonzelle stellt dabei einen Knoten dar.

Michael Reichert, Vermessungsstudent im dritten Semester und Initiator der Dessauer Mapping Party, wurde im August 2011 zum Open Street Mapper. "Ich habe einfach angefangen." Vor vier Wochen hat er Wege in der Oranienbaumer Heide korrigiert, derzeit ist er mit anderen in Dessau unterwegs, um Hausnummern für OSM zu registrieren. Die Arbeit ist mühsam, doch Reichert ist überzeugt, vom erworbenen Know-how in seinem künftigen Job profitieren zu können: "Da sind Leute, die sich in OSM auskennen, rar."

Auf den ersten Blick beruflich gar nichts mit Open Street Maps zu tun hat Marco Preusse, der ebenfalls vom Dessauer Campus aus an der "Operation Cowboy" beteiligt ist. Er hat es sich vor allem zur Aufgabe gemacht, Lkw-Fahrer mit relevanten Informationen zu versorgen, seien es Gewichtsbegrenzungen oder die Zufahrten zu Industriegebieten.

Die von ihm erstellten Karten lassen sich aus dem Netz herunterladen und auf verschiedenen Navigationsgeräten abspielen. "Für Lkw-Fahrer", ärgert er sich, "gibt es keine vernünftigen Karten - oder sie sind unbezahlbar." Preusse kennt die Situation, manchmal fährt er selbst Lkw. "Meine Karten helfen mir selbst und anderen. Es gibt weniger Verkehr, weniger kaputte Straßen, weniger kaputte Lkw." Solche Eintragungen setzen genaue Ortskenntnisse voraus. Die Karten in Columbus aufzupeppen, nachdem von Dessau die Basis verbessert wurde, bleibt nun den Einheimischen überlassen. Es müssen sich nur welche finden.