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Mitteldeutsche Zeitung | Nach Verhaftung : Mehr Sicherheit für Walderseer Grundschule
16. February 2016
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Nach Verhaftung : Mehr Sicherheit für Walderseer Grundschule

Auf dem Schulhof war der Mann festgenommen worden.

Auf dem Schulhof war der Mann festgenommen worden.

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Lutz Sebastian

Waldersee -

Nach der Verhaftung eines 22-Jährigen auf dem Hof der Walderseer Grundschule soll die Einrichtung stärker gesichert werden. So ist geplant, den Seiteneingang zu verschließen und auch den Eingang auf der Rückseite geschlossen zu halten. Das hat die Schulleiterin Sabine Kus erklärt. Über die Sicherungsmaßnahmen habe man sich gestern mit der Polizei verständigt. Dazu seien aber auch Absprachen mit dem Schulamt nötig. Zudem sollen Lehrer der Schule „Am Luisium“ präventive Schulungen zu Verhaltensregeln in Gefahrensituationen erhalten.

Bei Verhaftung Kinder auf dem Hof

Am Freitagmittag war ein 22-Jähriger afrikanischer Abstammung auf dem Parkplatz des NP-Marktes ausgerastet und hatte gegen mehrere Autos getreten. Als die hinzugerufenen Polizisten eintrafen, lief er durch einen seitlichen Eingang auf das Gelände der Grundschule nebenan, wo sich laut Schulleitung etwa 150 Kinder in der großen Pause befanden. Er übersprang mehrere Zäune, flüchtete in Richtung Rotdornweg, kehrte zurück, leistete Widerstand gegen die Festnahme und konnte schließlich auf dem Schulhof überwältigt werden.

Während der Verhaftung hielt sich eine kleine Gruppe Kinder noch auf dem Hof auf, sagt Kus, nachdem sie gestern Nachmittag noch einmal mit ihren Lehrerkollegen Rücksprache genommen hatte. „Der Großteil der Schüler war aber per Notklingel zurück ins Schulgebäude und die Turnhalle gerufen und die Türen dann verschlossen worden.“

Als der 22-jährige Mann während der Hofpause auf das Gelände der Einrichtung gelaufen war, hätten ihn Lehrer zunächst angesprochen und gefragt, ob man helfen könne. „Da hat er offensichtlich Angst bekommen und ist über einen Zaun gesprungen.“ Die Kollegen hätten daraufhin den Alarmknopf betätigt, woraufhin die Schulglocke schrillte.

Schulleiterin Kus berichtet, dass während des Vorfalls keine Panik ausgebrochen sei. „Die Lehrer haben schnell und umsichtig reagiert.“ Danach hätten die Kollegen in ihren Klassen mit den Schülern gesprochen. „Sie haben ihnen gesagt, dass das eine schlimme Situation war, aber dass wir alles für ihre Sicherheit tun und niemandem etwas passiert ist.“ Die Ereignisse waren auch Thema einer Dienstberatung. Die Schulleiterin, die auch von besorgten Eltern angerufen worden ist, stellt klar: „Der Schulbetrieb läuft ganz normal, alles ist gut. Niemand ist hier verängstigt oder traumatisiert. Auch wenn es nicht schön ist, wenn so ein armer Mensch auf unserem Hof verhaftet wurde.“ Panikmache sei aber nicht angebracht. Sie und Kollegen seien bei Fragen jederzeit gesprächsbereit.

Widerstand gegen drei Beamte

„Aus polizeilicher Einschätzung vor Ort waren die Kinder und Lehrer nicht in Gefahr“, sagt Kriminalhauptkommissar Markus Loichen. Gerüchte, wonach der 22-Jährige ein Messer bei sich geführt haben soll, bestätigte er nicht. „Bei der Durchsuchung des Mannes wurde kein Messer gefunden.“ Eine Absuche des Geländes erfolgte nicht, da es vor Ort keine Hinweise auf eine Waffe gegeben habe. Loichen betont ebenso: „Es bestehen keine Verbindungen zum Ort oder zu den Schülern. Es war Zufall, dass er auf den Hof gelaufen ist.“

Der Mann hätte am Freitag ohne „ersichtlichen Grund“ Autos beschädigt. Die Polizei war gegen 11.30 Uhr gerufen worden, gegen 11.50 Uhr nahm sie den Mann fest. Der 22-jährige widersetzte sich der Festnahme durch drei Beamte zunächst durch Schlagen und Treten. Weil sich der aus Westafrika stammende Flüchtling auffällig verhielt, wurde eine ärztliche Begutachtung angeordnet. Er ist offenbar psychisch krank und wurde in eine entsprechende Einrichtung gebracht. Ob eine Schuldfähigkeit vorliegt, ist offen. (mz)


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