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Nach Festnahme in Waldersee: „Es gibt keine Schweigeanweisung“

Parkplatz vor dem NP-Markt

Ein 22-Jähriger floh nach seinem Ausraster auf dem Parkplatz vor dem NP-Markt auf den Schulhof nebenan.

Foto:

Lutz Sebastian

Waldersee -

Der Zwischenfall auf dem Hof der Grundschule in Waldersee hat die Gemüter erhitzt. Das Thema wurde in sozialen Netzwerken diskutiert, auch mit vielen unbestätigten Spekulationen. So tauchte das Gerücht auf, dass der Mann ein Messer bei sich gehabt hätte. Zudem gab es Vorwürfe, dass Polizei und Medien Tatsachen verschweigen würden.

Fest steht bislang: Am Freitag war auf dem Hof der Grundschule ein 22-jähriger Mann afrikanischer Herkunft festgenommen worden, nachdem er auf dem benachbarten Parkplatz vor dem NP-Markt ausgerastet war (die MZ berichtete). Eine kleine Gruppe von Schülern befand sich während der Festnahme noch auf dem Hof. Der Mann wurde nach einer ärztlichen Begutachtung in ein psychiatrisches Fachkrankenhaus gebracht.

Die MZ beantwortet sieben Fragen zum Vorfall.

Warum tauchte der Vorfall vom Freitagmittag nicht im Polizeibericht am Abend auf?

Weil die Ermittlungen und die Krankenhaus-Einweisung bis zum späten Nachmittag andauerten, erklärt Sebastian Opitz, Sprecher der Polizeidirektion (PD) Sachsen-Anhalt Ost. Der Vorfall hatte sich am Mittag in Waldersee ereignet. Nachdem der Mann auf dem Hof in Gewahrsam genommen wurde, folgten polizeiliche Maßnahmen wie Spurensuche und -sicherung, Befragung und Vernehmungen. Danach wurde der 22-Jährige in die psychiatrische Einrichtung gebracht. Die Pressemeldungen des Polizeireviers Dessau-Roßlau werden gegen Mittag erstellt, so dass der Vorfall nicht mehr aufgenommen wurde und am Samstag nicht in der MZ stand. „Wir brauchen vor einer Veröffentlichung gesicherte Informationen“, erklärt Opitz. Eine Mitteilung von Betroffenen direkt an die Redaktion hatte es am Freitag nicht gegeben.

Der Fall hatte für Aufsehen bei Betroffenen vor Ort und in sozialen Netzwerken wie Facebook erregt. Weshalb erfolgte keine gesonderte Information?

Der Zwischenfall war aus polizeilicher Sicht ein Routine-Vorfall. „In ähnlicher Form kommt dies immer wieder vor“, so Opitz. „Und Unbeteiligte waren zu keiner Zeit gefährdet.“ Zudem sei es nicht Aufgabe der Polizei, unbestätigte Gerüchte auf Facebook zum vermeintlichen Geschehensablauf zu kommentieren oder zum Anlass für eine Pressemitteilung zu nehmen.

Gibt es Erkenntnisse zu dem Gerücht, dass der Mann ein Messer bei sich hatte?

Diese Vermutung war bei Facebook aufgetaucht und gegenüber der MZ geäußert worden. Die Polizei bestätigte dies jedoch nicht. Demnach wurde der Mann durchsucht und keine Waffe gefunden. Das Umfeld an der Schule war nicht abgesucht worden, da es vor Ort keine Hinweise auf ein Messer gab. „Dass ein Messer eine Rolle gespielt haben soll, dazu liegen bisher nur Zeugenaussagen vom Hörensagen vor.“ Diesen werde nachgegangen.

Warum gab es unterschiedliche Angaben dazu, ob und wie viele Kinder während der Festnahme auf dem Schulhof anwesend waren?

Zunächst konnten diese Informationen auf MZ-Anfrage am Samstag nicht bestätigt werden. Nach Rücksprache mit der Polizei am Sonntag stellte sich heraus, dass der Einsatz in Gegenwart von Kindern auf dem Schulhof stattgefunden hatte. Montagvormittag erklärte die Schulleiterin zunächst: Alle Schüler seien aus der großen Hofpause mit der Notklingel zurück ins Schulgebäude gerufen worden. Nach Rücksprache mit Kollegen informierte sie später, dass eine kleine Schülergruppe doch noch auf dem Hof war. „In unmittelbarer Nähe des Einsatzes haben sich aber keine Kinder befunden“, so Opitz. Ob sie sich in weiterer Entfernung aufhielten, sei nicht ausgeschlossen. Dennoch: „Durch den Einsatz war niemand gefährdet.“ Die Beamten hätten die Lage vor Ort geprüft und dann entschieden, den Mann in Gewahrsam zu nehmen.

Was ist auf einem Video zum Fall zu sehen?

Bei Facebook wurde schnell auch von einem oder mehreren Videos gesprochen, die den Vorfall zeigen würden. Der MZ wurde Filmmaterial übersandt: Das Video ist 46 Sekunden lang, zu sehen ist der 22-jährige aus Westafrika stammende Mann, der auf dem Parkplatz des NP-Marktes gegen Autos tritt und schlägt. Er begegnet auch einem Kunden und verlässt schließlich den Parkplatz. Ob es Videos zu den Ereignissen auf dem benachbarten Schulhof gibt, ist nicht bekannt.

Die Nennung der Nationalität von mutmaßlichen Tätern ist ein sensibles Thema. Wie geht die Polizei vor, wenn ein Ausländer tatverdächtig ist?

„Die Nationalität von Tatverdächtigen steht in den seltensten Fällen im Zusammenhang mit der Tat“, sagt Opitz. „Trotzdem veröffentlichen wir diese.“ Eine Schweigeanweisung gebe es definitiv nicht. So werde die Nationalität auf direkte Mediennachfrage immer genannt, auch wenn sie schriftlich im Polizeibericht nicht mitgeteilt wurde. Wann aber wird die Nationalität nicht im schriftlichen Bericht genannt? „Wenn es für die Nachricht keine Rolle spielt, aus welchem Land ein Tatverdächtiger stammt.“ Eine Rolle spielt die Nationalität, wenn sie für einen Fahndungserfolg wichtig ist oder großes öffentliches Interesse erregt worden ist. Aber sie wird auch mitgeteilt, wenn es darum geht, Vorurteilen entgegen zu wirken - dann wird beispielsweise kommuniziert, dass ein Deutscher tatverdächtig ist.

Wird die Nationalität offener kommuniziert?

„Die Polizei befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen größtmöglicher Anonymisierung - zum Schutz von Betroffenen und Beteiligten - und dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit“, sagt Opitz. Nie wurde die Nationalität verschwiegen, aber sie taucht inzwischen öfter in Polizeiberichten auf. „Das öffentliche Interesse ist gestiegen und damit auch die Zahl der Medienanfragen. Deshalb schreiben wir meist von uns aus die Nationalität in den Bericht.“ (mz)


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