Dessau-Roßlau
Nachrichten, Bilder, Videos, Services, Wetter aus Dessau-Roßlau mit Großkühnau, Kochstedt, Mildensee, Mosigkau, Mühlstedt, Rodleben und der ganzen Region.

Vorlesen

Großschutzgebiete: Bürger schätzen Reservat Mittelelbe

Uhr | Aktualisiert 25.01.2013 20:29 Uhr

Anne-Marie Kedding: «Wir müssen die Wahrnehmung stärken.» (ARCHIVFOTO: GROMMISCH)

Von
Die Uni Greifswald hat vier Biosphärenreservate im Osten Deutschlands untersucht. Die Mittelelbe genießt eine große Akzeptanz in der Bevölkerung.
Drucken per Mail
Dessau/MZ. 

In der Politik kennt man die so genannte Sonntagsfrage: Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Wahl wäre? Susanne Stoll-Kleemann hat eine ähnliche Frage gestellt - jedoch in Bezug auf das Biosphärenreservat. Wie ist die Haltung der Menschen dazu?

Stoll-Kleemann, Professorin an der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald, ist positiv überrascht: "Niemand hat sich dagegen ausgesprochen." 77 Prozent der Befragten möchten es weiterhin uneingeschränkt haben, 15 Prozent unter bestimmten Bedingungen, weniger Restriktionen etwa. Der Rest enthielt sich der Stimme.



So ein Ergebnis wie beim Biosphärenreservat Mittelelbe hatte die Leiterin des Lehrstuhls für Nachhaltigkeitswissenschaft und Angewandte Geografie bislang noch nicht erhalten. In einem von ihr betreuten Forschungsprojekt "Gesellschaftliche Prozesse in deutschen Unesco-Biosphärenreservaten" wurden von 2009 bis 2012 die Biosphärenreservate Mittelelbe in Sachsen-Anhalt, Schorfheide-Chorin in Brandenburg und Südost-Rügen sowie Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern exemplarisch untersucht. Finanziert wurde das Projekt von Land, Bund und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Bekanntheitsgrad gesteigert

Und auch das seien sehr gute Ergebnisse: Neun von zehn Bewohnern im Bereich des Biosphärenreservates sehen zudem keine Einschränkungen durch das Großschutzgebiet in ihrem Alltag. Zwei Drittel der Befragten sagen, die Region würde durch das Biosphärenreservat für viele interessant, die sonst nicht dorthin kämen. Es hat die Region bundesweit und international bekannter gemacht. Und, der Mehrheit der befragten Menschen "sind die Landschaft und Natur in ihrer Region enorm wichtig", so Stoll-Kleemann bei einem Pressegespräch in der Dessauer Jugendherberge. Zuvor hatte sie Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter über die Ergebnisse informiert.

Privatpersonen befragt

Insgesamt waren dafür 452 Privatpersonen durch ein unabhängiges Institut befragt worden. Alle leben im Bereich des Biosphärenreservates von Aken über Coswig, Dessau, Wittenberg bis Raguhn, Schönebeck und Tangermünde. Auch Bürgermeister sowie Verwaltungsmitarbeiter sind befragt worden.

Die Studie zeigt auch Schwachpunkte auf. So stellt die Magdeburger Umweltstaatssekretärin Anne-Marie Keding fest: "Wir müssen versuchen, noch deutlicher zu machen, auf welchen Grundlagen und zu welchen Zwecken Entscheidungen erfolgen." Denn 38 Prozent der Befragten finden die Entscheidungen des Biosphärenreservates intransparent.

Nachholbedarf auch gibt es in der Frage zu vermitteln, welche Aufgaben das Biosphärenreservat wahrnimmt. Die Arbeit wird fast ausschließlich mit dem Schutz der Natur gleichgesetzt, weniger mit der Umweltbildungsarbeit und der nachhaltigen regionalen Entwicklung. "Diese Arbeit wird geleistet, aber die Wahrnehmung müssen wir stärken", sagt Keding. Guido Puhlmann, Leiter des Biosphärenreservates Mittelelbe fasst es so zusammen: "Wir machen viel Gutes, aber wir reden noch zu wenig." So gebe es beispielsweise zehn Juniorrangergruppen im Bereich des Schutzgebietes Mittelelbe - von 120 in ganz Deutschland. Im Biosphärenreservat Drömling gibt es nur eine Gruppe, die aber ist bestens bekannt.

Insgesamt findet Puhlmann: Die wissenschaftliche Analyse "hat sich für uns gelohnt". So helfe sie, bei immer knapper werdenden Ressourcen Prioritäten zu setzen. "Wir werden unsere Aktivitäten verstärken", kündigt er an. So will er auch vermehrt mit den Bürgermeistern und Menschen vor Ort ins Gespräch kommen.

Bei vielen positiven Aspekten, gibt es auch Probleme. So wird im Norden zwischen Wolmirstedt und Havelberg lebhaft diskutiert, weil das Naturschutzgebiet "Elbaue Jerichow" ausgewiesen werden soll. Das hat den Widerstand von Landwirten auf den Plan gerufen. Solcherart Probleme gibt es im Südteil des Biosphärenreservates nicht. "Hier sind wir ein ganzes Stück weiter."

Auch interessant
Bildergalerien Dessau-Roßlau
Kontakt zur Lokalredaktion Dessau-Roßlau Poststraße 8
06844 Dessau-Roßlau
Tel.: (03 40) 51 89 01 10
Fax: (03 40) 51 89 01 39
E-Mail: redaktion.dessau-rosslau@mz-web.de
MZ Dessau bei Twitter
MZ Dessau-Roßlau bei Facebook
zum Kontaktformular

Wetter-Videos
Lokalsport Dessau-Roßlau
E-Paper
Mitteldeutsche Zeitung Titelblatt

Lesen Sie Ihre Mitteldeutsche Zeitung online und auf dem iPad/iPhone. So sind Sie jederzeit aktuell informiert.