l

Dessau-Roßlau
Nachrichten, Bilder, Videos, Services, Wetter aus Dessau-Roßlau mit Großkühnau, Kochstedt, Mildensee, Mosigkau, Mühlstedt, Rodleben und der ganzen Region.

Vorlesen

Die Heimkehr des Krieges

Uhr | Aktualisiert 11.03.2005 20:39 Uhr
Drucken per Mail
Soldatengräberfeld auf dem Roßlauer Friedhof II

Das Soldatengräberfeld auf dem Roßlauer Friedhof II hatte über lange Jahre die Patenkompanie der Dessauer Pioniere in Pflege genommen. Zum Volkstrauertag erinnern Bürger der Stadt hier an die Opfer von Krieg und Gewalt. (Foto: Lomsché-Manchon/Archiv)

Von
Weil kurz vor Kriegsende Stadtkommandant Oberst Paul Koensgen die kampflose Übergabe der Stadt Zerbst an die Amerikaner verweigert hatte, zerstörte die US Air Force am 16. April 1945 innerhalb von vierzig Minuten nahezu die gesamte Innenstadt. Am 26. April 1945 beendete die sowjetische Artillerie in den Nachmittagsstunden den Beschuss von Wittenberg. Schützeneinheiten drangen in die Stadt. Am 28. April marschierten amerikanische Soldaten in Zerbst ein. Jetzt galt es, die Lücke zwischen beiden Armeen zu schließen.
Roßlau/MZ. 

Die MZ fragte anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung vom Hitler-Faschismus ihre Leser, wie Menschen der Region die letzten Tages des Krieges und die ersten Tage des Friedens erlebt haben. Die noch lebenden Zeitzeugen waren damals Kinder, Jugendliche oder auf dem viel zu kurzen Weg, erwachsen zu werden. Ihre Väter waren Soldaten, Offiziere, Angehörige des SS, gefallen, irgendwo an der zerklüfteten Front, in Gefangenschaft, auf dem Weg nach Hause oder auf der Flucht. Viele verspürten ihr Leben lang Unruhe bei Gewitter, Unbehagen in der Silvesternacht. Jetzt, sechzig Jahre später, nach einem arbeitsreichen Leben, scheinen die Bilder des Schreckens wieder gegenwärtig zu sein.

Leid auf allen Seiten. Männer, die heute Großväter sind, weinen, während sie erzählen. Vor sechzig Jahren kehrte der Krieg aus Deutschland heim nach Deutschland. Die Logik des Krieges reist die Opfer-Täter-Relation hinein in ihren Abgrund. Das Elternhaus, das Gehöft wird zur Front. Später laufen Gefechtslinien durch Familien und Generationen. Über vieles wird noch immer geschwiegen. Die Schuldfrage begegnet dem Leid. In den kommenden Wochen wird die MZ jeweils sonnabends Zeitzeugen zu Wort kommen lassen.

Vorab einige Fakten. Am Sonntag, dem 29. April 1945, brechen am frühen Morgen amerikanische Soldaten von Zerbst aus auf. Ihr Ziel ist die Begegnung mit der Sowjetarmee auf einer Durchlauflinie mit dem Codenamen "Toast", die von Hundeluft über Zieko entlang der Autobahn bis östlich von Klieken führt. Das 125. Cavalry Reconaissance Squadron zog in Richtung Südosten. Bereits um 10 Uhr wurde Roßlau erreicht. Die A-Kompanie stieß westlich von Klieken auf eine Straßensperre, die nach verlustreichen Kämpfen vorerst umgangen wurde. Die C-Kompanie war auf dem Weg über Düben nach Zieko. Im Dorf hatten sich Flüchtlinge versammelt, Zivilisten, Häftlinge, SS-Angehörige. Um Verluste zu vermeiden, zogen sich die Amerikaner über Nacht nach Düben zurück. Die A-Kompanie übernachtete in Luko.

Am nächsten Tag erhielten sie Befehl, die Linie zu überschreiten. Die A-Kompanie bewegte sich über Buko nach Wahlsdorf, geriet bei Cobbelsdorf unter sowjetischen Beschuss und zog sich zurück. Die C-Kompanie übernahm um 10 Uhr Coswig, zog weiter über Griebo in Richtung Apollensdorf. Auch hier gerieten die Amerikaner unter starken Beschuss, der nicht von deutschen Truppen kam. Die Kommunikation war schwierig, zumal die Amerikaner die abgesprochene Demarkationslinie überschritten hatten. Zu einem Treffen des 3. Zuges der C-Kompanie mit dem 1. Bataillon des 320. Regiments der 121. Sowjetischen Garde-Infanteriedivision kam es dann um 13.20 Uhr westlich von Apollensdorf. Die Jeeps zogen sich zurück. Am 1. Mai fuhren Panjewagen durch Coswig und weiter nach Roßlau.

Besonders verlustreich waren die Kämpfe zwischen deutschen und sowjetischen Truppen um Cobbelsdorf. Neben der Straßensperre bei Klieken stießen die Amerikaner in Zieko und Buko auf Widerstand. Anders in Luko. Hier eilte ein Wittenberger Ofensetzer den Amerikaner mit einer weißen Flagge entgegen.

Auch Charlotte Lehmann und Fritz Puhlmann liefen von Zieko kommend den in Düben liegenden Amerikanern mit einem weißen Bettlaken entgegen. Sie wurden von einem SS-Mann erschossen. Fritz war nicht einmal 14 Jahre alt.

Bildergalerien Dessau-Roßlau
Protokolle des Stadtrates
Stadtratssitzung

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet live von den Sitzungen des Stadtrates in Dessau-Roßlau.

Lokalsport Dessau-Roßlau
E-Paper
Mitteldeutsche Zeitung Titelblatt

Lesen Sie Ihre Mitteldeutsche Zeitung online und auf dem iPad/iPhone. So sind Sie jederzeit aktuell informiert.

Lokalredaktion Dessau - Wir sind für Sie da!
Poststraße 8
06844 Dessau-Roßlau
Tel.: (03 40) 51 89 01 10
Fax: (03 40) 51 89 01 39
E-Mail: redaktion.dessau-rosslau@mz-web.de
MZ Dessau bei Twitter
MZ Dessau-Roßlau bei Facebook
zum Kontaktformular