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Dessau-Roßlauer HV: Finanzspritze sorgt für Aufregung

Fans des DRHV

In guten wie in schlechten Zeiten dabei: die Fans des DRHV.

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SEBASTIAN/Archiv

Dessau-Rosslau/MZ -

Dessaus Staatsanwaltschaft interessiert sich für die Finanzspritze der Stadt Dessau-Roßlau für den finanziell darbenden Handball-Drittligisten Dessau-Roßlauer HV. Eine Anzeige Dritter sei zwar bislang nicht aktenkundig, erklärte Oberstaatsanwalt Christian Preissner. Der Staatsanwaltschaft sei der Sachverhalt aber geläufig. Man habe die Stadtverwaltung aufgefordert, entsprechende Unterlagen vorzulegen. Sei Geld gezahlt worden, werde man von Amts wegen ein förmliches strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue einleiten. „Ergebnisoffen“, wie Preissner betonte.

Die Stadt hatte am Mittwoch bestätigt, dass der Hauptausschuss im Oktober in nicht öffentlicher Sitzung Finanzhilfen für den Dessau-Roßlauer HV beschlossen hatte: 70 000 Euro sofort, um ausstehende Gehälter zu bezahlen, 190 000 Euro später, wenn ein anwaltlich begleitetes Schuldenbereinigungsverfahren abgeschlossen ist. Nächste Woche soll der Hauptausschuss, in dem die Fraktionschefs des Stadtrates sitzen, noch einmal zu diesem Thema tagen. Der darf laut Hauptsatzung über „Rechtsgeschäfte“ entscheiden, deren Vermögenswert über 75 000 Euro liegt, 250 000 Euro aber nicht übersteigt. Durch die Stückelung wird diese Vorgabe erfüllt und musste deshalb nicht vom Stadtrat als ganzes beschlossen werden.

Vor der Entscheidung im Hauptausschuss hatte der Verein eingeräumt, die Schulden nicht mehr begleichen zu können. 2007 hätten diese etwa 650 000 Euro betragen. Parallel zum Spielbetrieb hätte man 280 000 Euro abgetragen, aber neue Rückschläge hinnehmen müssen. Ohne städtische Hilfe hätte der Verein Insolvenz anmelden müssen.

In Dessau-Roßlau sorgte die Nachricht für die Rettung des Dessau-Roßlauer HV für viel Aufregung - und auch Kritik. Öffentlich äußern wollte sich aber keiner so richtig. Ex-Oberbürgermeister Hans-Georg Otto, engagierter Unterstützer des Handballs und Stadtrat für Pro Dessau-Roßlau, verteidigte die Hilfe. „Es ist eine Gratwanderung“, räumte Otto ein. Der Handball wäre sonst tot und alle Anstrengungen der vergangenen Jahre umsonst gewesen.

Die Ermittlungen der Dessauer Staatsanwaltschaft sah Otto kritisch. „Es war ein politischer Schulterschluss da, dieses Geld zu geben.“ Und im Übrigen: „Es gibt in dieser Stadt ganz andere Dinge, wo die Staatsanwaltschaft tätig werden müsste.“ Die Stadtverwaltung selbst lehnt einen Kommentar ab. „Ich bin in dem Verfahren Beschuldigter“, sagte Oberbürgermeister Klemens Koschig auf MZ-Anfrage. „Ich werde mich dazu nicht mehr äußern.“


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