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Dessau-Roßlau: Südschwimmhalle soll neu gebaut werden

Uhr | Aktualisiert 17.10.2012 20:06 Uhr

Zwischen Friedensbrücke und dem «Eierschneider» will die Stadt den Ersatzneubau für die Südschwimmhalle platzieren. Bei den Stadträten findet der Vorschlag nicht unbedingt Zustimmung. (FOTO: SEBASTIAN)

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Dessau-Roßlau diskutiert viel über den Standort einer neuen Schwimmhalle, wenig aber darüber, was mit dem geplanten Geld machbar ist. Die Kosten für einen Neubau übersteigen das eigentlich geplante Budget.
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Dessau-Rosslau/MZ. 

Die Machbarkeitsstudie war eindeutig. Die Sanierungskosten der Südschwimmhalle hatten die Experten auf 6,4 Millionen Euro veranschlagt. Mindestens. In welchem Zustand die 20 Stützpfeiler der 32 Jahre alten DDR-Schwimmhalle sind, ließ sich nur schätzen. Für einen Neubau einer Schwimmhalle rechnete das beauftragte Büro mit 10,2 Millionen Euro.

Die Mehrkosten sorgten damals für Bedenken. Bei einer 70-prozentigen Förderung hätte der 30-prozentige Eigenanteil bei einer Sanierung 1,92 Millionen Euro und bei einem Neubau 3,06 Millionen Euro betragen. Eine Million Euro Unterschied: In einer finanziell klammen Stadt wie Dessau-Roßlau ist das ein immenser Unterschied.

Die Stadtverwaltung hat dafür eine besonders kreative Lösung gefunden: In der neuen Beschlussvorlage zur Südschwimmhalle werden die Kosten für einen Neubau mit 6,5 Millionen Euro angegeben - mit dem Verweis, dass in der Umgebung Dessau-Roßlaus Schwimmhallen entstanden sind, deren Kosten zwischen 4,8 Millionen und 13 Millionen Euro liegen. Dessau-Roßlaus Vorbilder allerdings liegen über den 6,5 Millionen Euro. Für die 2002 eröffnete Köthener Badewelt wurden die Kosten mit offiziell 7,5 Millionen Euro angegeben. Das 2007 übergebene Bitterfelder Sportbad "Heinz Deininger" kam 8,4 Millionen Euro.

Die Kosten für das ehrgeizige Projekt wurden bislang kaum diskutiert. Die Debatte dreht sich vor allem um den Standort: Sieben Grundstücke hat das Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Denkmalpflege untersucht - und bepunktet: Die meisten Punkte erhielt der Stadtpark, knapp dahinter folgen gleichauf die Lange Gasse und der Standort Mühleninsel, der von der Stadtverwaltung zum Vorzugsstandort gemacht wurde, weil es städtisches Eigentum und damit schnell verfügbar ist (im Gegensatz zur Langen Gasse) und nicht erst groß erschlossen werden muss (im Gegensatz zum Stadtpark).

Im Internet hat der Standort Mühleninsel für heftige Debatten gesorgt. Es gab positive Stimmen, aber auch viel Kritik. Im Ausschuss für Bauwesen, Verkehr und Umwelt wurde das Thema am Dienstag noch einmal diskutiert. Mit dem Ergebnis, dass am 13. November auf einer Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses, des Bauausschusses und des Kulturausschusses noch einmal grundsätzlich über das Gesamtprojekt diskutiert werden soll.

Zu viele Dinge sind noch ungeklärt. Während Veronika Wendeborn, Leiterin des Amtes für Schule und Sport, im Ausschuss erneut von einem "reinen Funktionalbau" sprach, plädierten einige Stadträte für eine anspruchsvolle, der Bauhausstadt und der exponierten Lage am Ortseingang gerecht werdenden Schwimmhalle. Wie das für 6,5 Millionen Euro gehen soll, blieb offen. Zumal einige Stadträte noch dafür plädierten, nach dem Vorbild der Köthener Badewelt noch einige Elemente eines Spaßbades, mindestens aber einen Saunabereich mitzubauen.

"Viele Stadträte fühlen sich in der Standortfrage vor vollendete Tatsachen gestellt", sagte Ausschusschef Ralf Schönemann (Linke). "Und das in einer für die Stadt maßgeblichen und bedeutsamen Sache." Schönemann ließ Sympathie erkennen für einen konzentrierten Sportkomplex am Paul-Greifzu-Stadion. Robert Hartmann (SPD) war das nicht innenstadtnah genug. "Wir haben nicht mehr viele Investitionen für das Zentrum der Stadt. Das ist eine davon." Es zeigt: Trotz eines fast fertigen Stadtentwicklungskonzeptes und eines Masterplans Innenstadt beginnen in Dessau-Roßlau die Diskussionen immer wieder von vorn, wenn es um Standortfragen geht.

Ex-Oberbürgermeister Hans-Georg Otto (Pro Dessau-Roßlau) wiederholte an seinem Geburtstag am Dienstag seine grundsätzlichen Kritiken aus dem Kulturausschuss: Was wird aus dem Wasserkraftwerk, das am Muldewehr geplant ist? Bedeutet das Schwimmbad an dieser Stelle das Aus für die immer mal geplante Kajakstrecke? Wo kommt die Fischtreppe hin? Was ist mit den Parkplätzen? Und überhaupt: Lässt der Untergrund auf der Mühleninsel die Bebauung zu? "Das ist", schimpfte Otto, "eine grottenschlechte Vorlage. Ich würde mich schämen, so etwas den Stadträten auf den Tisch zu legen."

Am Ende ging der Auftrag an die Verwaltung, die Vorlage zu qualifizieren. Drei Wochen bleiben Zeit dazu. Die Debatte um die neue Schwimmhalle steht wieder am Anfang. Immerhin: Dass es einen Neubau gibt, daran soll nicht gerüttelt werden.

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