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Dessau-Roßlau: Offene Fragen dämpfen Euphorie am Albrechtsplatz

Uhr | Aktualisiert 20.08.2010 21:13 Uhr
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Kreuzung Albrechtstraße/Wolfgangstraße

Die Kreuzung Albrechtstraße/Wolfgangstraße: Dort beginnt der Albrechtsplatz, dessen historische Situation wieder hergestellt werden soll. (FOTO: SEBASTIAN)

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Die Pläne der Stadt, am Albrechtsplatz in Dessau die historische Situation wiederherzustellen, finden Zuspruch. Die Anwohner in Dessau-Nord fürchten jedoch zusätzlichen Autoverkehr.
DESSAU/MZ. 

Während draußen der laute und dichte Autoverkehr von und in Richtung Roßlau sich seinen Weg bahnt, studiert Carsten Frenzel in seinem Küchenstudio am Albrechtsplatz die Pläne zur Umgestaltung. "So hat das hier also mal ausgesehen", staunt der junge Mann, als er die historischen Fotos betrachtet und kurz danach durch das Schaufenster sich die aktuelle Situation vergegenwärtigt.

Vergangene Woche hat die Stadt Pläne öffentlich gemacht, die historische Situation am Dessauer Albrechtsplatz wiederherzustellen. Ohne, dass die Finanzierung geklärt ist. Ohne, dass es einen Fertigstellungstermin gibt. Ziel war und ist es, Meinungen zu dem Vorhaben zu sammeln.

Höhere Aufenthaltsqualität

Frenzel findet das gut. Vor allem die Verkehrsberuhigung und die Errichtung eines Platzes mit Aufenthaltsqualität vor der Haustür seines Geschäfts sind die Schlagworte, die Frenzel positiv stimmen. "Dann würde es hier automatisch mehr Fußgängerverkehr geben" ist der Geschäftsmann überzeugt.

Als sich Frenzel aber genauer mit den Planungen beschäftigt, dämpfen zwei Fragen die anfängliche Euphorie. Wie wird die Umbauphase realisiert? Und wo bleiben die Parkplätze ? "Während des Umbaus müssen die Geschäfte trotzdem gut erreichbar sein", ist die erste Forderung Frenzels, "sonst würde die Zeit der Baumaßnahmen für viele Händler das Aus bedeuten". Und die Spur mit Parkplätzen vor der Ladenzeile müsse unbedingt erhalten bleiben. "Die Leute sind bequem und wollen direkt vor der Tür parken."

Bernhard Blasberg kann gut leben mit dem Status quo eines dichten Verkehrs und einer pulsierenden Straße am Albrechtsplatz. "Genau das zeichnet für mich eine Innenstadt aus", sagt der Betreiber einer Gravierwerkstatt. Keinen einzigen der vielen Pokale, die in seinem Geschäft stehen, würde er für die Planungen verleihen. "Man kann doch die heutige Situation nicht mit 1920 vergleichen" unterstreicht Blasberg seine Ablehnung des Konzeptes und spitzt ironisch zu. "Die Leute kommen heute nicht mehr mit dem Pferd angeritten." Eine moderne Innenstadt brauche mehr Platz als damals, um der heutigen Mobilität Rechnung zu tragen.

Die Errichtung zweier Kreisverkehre in so kurzen Abständen hält Blasberg für sehr ungewöhnlich. Mit der geplanten Verengung auf dann nur noch zwei Fahrbahnen verbindet der Geschäftsmann die Befürchtung, dass dann die Parkplätze vor den Geschäften wegfallen würden. "Wenn das so kommt, sind alle Händler über kurz oder lang verschwunden."

Die Parkplätze sind auch für Carola Seele ein klarer Standortvorteil. Kunden, die schnell ihren Lottoschein abgeben wollen oder sich ihre Zeitung holen, wissen die bequemem Parkmöglichkeiten vor ihrem Schreibwarengeschäft zu schätzen, schildert Seele ihre Erfahrungen. "Wir haben hart um diese Parkplätze gekämpft", erzählt die Geschäftsfrau, die schon seit Jahrzehnten ihren Schreibwarenladen in der Zeile betreibt. Trotzdem ist sie den Plänen zum Umbau positiv gegenüber aufgeschlossen. "Es muss hier auf jeden Fall etwas passieren" sagt Seele im Hinblick auf den zunehmenden Leerstand und der häufigen Fluktuation der Gewerbetreibenden.

Segen für die Anwohner

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist so ein leer stehender Altbau, für den Dessaus Selbstnutzer-Initiative neue Eigentümer sucht. Ulrike Kegler, Mitarbeiterin des Projekts, begrüßt die Umbaupläne. "Aus der Sicht von Anwohnern ist der geplante Umbau ein Segen", sieht sie ein Verkaufsargument für ihr Objekt. Durchaus interessierte Familien hätten wegen des Lärms doch Abstand genommen, schildert Kegler die leidlichen Erfahrungen, die wahrscheinlich noch eine Weile anhalten. Denn ob, wie und wann der Albrechtsplatz umgebaut wird, steht indes noch unter Vorbehalt. Die Finanzierung des 2,8-Millionen-Euro-Projektes ist noch nicht geklärt.

Ganz andere Sorgen hat Jürgen Gerasch. "Ehe über Planungen für den Albrechtsplatz nachgedacht wird, muss der Verkehr über die Ostrandstraße um Dessau-Nord herumgeführt werden", sieht der Anwohner aus der Lessingstraße in Nord einen direkten Zusammenhang zwischen beiden Projekten. Dass das Projekt auch mit dem jetzigen Verkehrsaufkommen umsetzbar ist, wie Peter Maurer, Verkehrsplaner im Tiefbauamt, bei der Vorstellung der Pläne versicherte, glaubt Gerasch nicht.

"Richtig ist, dass ein Teil des Ziel- und Durchgangsverkehrs über die Roßlauer Allee nach Süden und Westen abgeleitet wird. Übrig bleibt jedoch noch der Verkehr von West nach Ost, der weiterhin über diese Kreuzung fährt und das Wohngebiet Dessau-Nord stark belastet." Der Straßenbereich Karlstraße und Schlachthofstraße werde von 9 000 Fahrzeugen pro Tag befahren. "Dieser Zustand kann durch noch so schöne Planungen des Albrechtsplatzes nicht verleugnet werden."

Die zwei Kreisverkehre und die Verringerung der Fahrspuren sind für Gerasch zudem ein Verkehrshindernis. "Es gibt über die Albrechtstraße weiterhin einen nördlichen und südlichen Durchgangs- und Zielverkehr." Gerasch fordert deshalb auch, die Planungen für den Albrechtsplatz in einen Zusammenhang mit der geplanten Fußgängerzone in der Kavalierstraße zwischen Post und Museumskreuzung zu stellen. "Durch das Herauslösen eines Teiles wie den Albrechtsplatz geht die Übersicht verloren." Denn für Gerasch bleiben zwei Fragen unbeantwortet: "Wo bleibt dann der Nord-Süd-Fahrzeugverkehr, der nach wie vor besteht? Etwa in den Wohngebieten drum herum?" So etwas sei schon einmal geschehen, als die Zerbster Straße gesperrt wurde. "Dies darf nicht ein zweites Mal passieren."

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