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Dessau-Roßlau: Gedenken am 7. Todestag von Oury Jalloh

Uhr | Aktualisiert 07.01.2012 19:59 Uhr
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Blumen vor der Polizeiwache in Dessau

Jedes Jahr wird dem toten Asylbewerber Oury Jalloh gedacht. (FOTO: DPA)

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Mit zwei Veranstaltungen ist am Samstag in Dessau an den Tod von Oury Jalloh vor sieben Jahren erinnert worden.
Dessau/dapd. 

Der damals 21-jährige Flüchtling aus Sierra Leona war am 7. Januar 2005 unter ungeklärten Umständen bei einem Feuer im Dessauer Polizeigewahrsam zu Tode gekommen.

Bei einer Demonstration am Nachmittag forderten rund 200 Menschen Aufklärung. Die Teilnehmer verwiesen auf ungeklärte Fragen und verlangten, der «Polizeifall» müsse vollständig geklärt werden.

Der Beginn der Demonstration verzögerte sich erheblich. Anlass war die auf Plakaten geschriebene und in Sprechchören skandierte Behauptung «Oury Jalloh - das war Mord». Die Polizei versuchte, ein entsprechendes Transparent zu beschlagnahmen. Dabei kam es wiederholt zu Rangeleien mit Teilnehmern.

Der Protestzug führte unter anderem zum Landgericht. Dort waren Ende 2008 zwei wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Polizisten freigesprochen worden. Einer der beiden steht seit Januar 2011 in Magdeburg erneut vor Gericht. Nach Einschätzung der Gedenkinitiative könnte noch in diesem Monat ein Urteil fallen.

Die Polizei will prüfen lassen, ob die umstrittene Parole den Tatbestand einer «Verleumdung» erfüllt, wie Dessaus Polizeipräsident Kurt Schneiber erklärte. Dagegen verwies Demonstrationsanmelder Mouctar Bah von der Gedenkinitiative auf den Umstand, dass der Slogan bei vergleichbaren Veranstaltungen seit Jahren genutzt werde. Er warf der Polizei übertriebene Härte vor. «Offenbar sind sie kurz vor dem Urteil sehr nervös.»

Bereits am Vormittag hatten rund 50 Menschen an einer Gedenkveranstaltung vor der Dessauer Polizeiwache teilgenommen. In deren Keller befindet sich die Gewahrsamszelle, in der Jalloh, an Händen und Füßen gefesselt, auf einer feuerfesten Matratze verbrannte.

Dessaus Kreisoberpfarrerin Annegret Friedrich-Beerenbruch sagte, auch nach sieben Jahren sei «die Last nicht geringer geworden und die anklagenden Fragen nicht verstummt». Sie mahnte, Menschenwürde stehe jedem zu, «egal, wo er herkommt». Danach wurde auf den Stufen des Gebäudes eine Kerze entzünden. Viele Teilnehmer, zu denen auch Dessaus Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos) sowie Polizeipräsident Schneiber gehörten, legten zudem Blumen nieder.

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