Dessau-Roßlau
Nachrichten, Bilder, Videos, Services, Wetter aus Dessau-Roßlau mit Großkühnau, Kochstedt, Mildensee, Mosigkau, Mühlstedt, Rodleben und der ganzen Region.

Vorlesen

Dessau-Roßlau: Anhaltisches Theater führt «Die lustige Witwe» zweimal auf

Uhr | Aktualisiert 30.12.2012 18:47 Uhr

Kapellmeister Wolfgang Kluge steht am Montag gleich zweimal am Pult. (FOTO: THEATER)

Das alte Jahr ist in weniger als 24 Stunden endgültig Geschichte. Überall laufen die Vorbereitungen für den Jahreswechsel auf Hochtouren. Das Anhaltische Theater gönnt seinem Publikum im Großen Haus zu Silvester gleich zweimal die Operette "Die lustige Witwe" von Franz Lehár.
Drucken per Mail
DESSAU/MZ. 

Das alte Jahr ist in weniger als 24 Stunden endgültig Geschichte. Überall laufen die Vorbereitungen für den Jahreswechsel auf Hochtouren. Das Anhaltische Theater gönnt seinem Publikum im Großen Haus zu Silvester gleich zweimal die Operette "Die lustige Witwe" von Franz Lehár, ein komödiantisches Lehrstück über wahre und falsche Gefühle, über das Leben der Reichen und Schönen und die berauschende Wirkung des Geldes. Danny Gitter bekam den musikalischen Leiter des Stückes, Wolfgang Kluge, vorher noch ans Telefon und sprach mit ihm über die besondere Atmosphäre zum Jahresausklang vor, auf und hinter der Bühne und darüber, wie man nach einem anstrengenden Arbeitstag trotzdem noch entspannt ins neue Jahr kommt.

Der chinesische Philosoph Konfuzius sagte einst: "Suche Dir einen Beruf, der Dir Freude macht und Du brauchst keinen einzigen Tag arbeiten." Wie viel Arbeit und wie viel Freude stecken im Berufsalltag des Kapellmeisters und Studienleiters Wolfgang Kluge?

Kluge: Freude und Arbeit sind täglich eng miteinander verknüpft. Es ist bei jedem so, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Die Freude überwiegt. Manchmal kann es aber auch eine Belastung sein. Die Crux an meinem Beruf ist, der Drang es "machen zu müssen" und nicht nur zu "wollen". Das steckt tief in einem drin. Man kann nicht anders. Es ist aber die pure Freude, die Reaktionen und die Begeisterung des Publikums auf der Bühne im Rücken zu spüren.

Ist Silvester ein regelmäßiger Arbeitstag für einen Kapellmeister?

Kluge: Es kommt alle Jahre mal wieder vor, dass wir an diesem Tag arbeiten müssen. Je nachdem, welches Stück angesetzt ist und wer die musikalische Leitung dafür inne hat, ist dementsprechend der Dienst angesetzt. Es ist unser besonderes Los zu arbeiten, wenn andere frei haben. Zum Jahresende ist im Prinzip nur der Abend am Heiligabend wirklich frei. Die anderen Tage sind Vorstellungen, die besetzt werden müssen. Unsere Berufe am Theater unterscheiden sich in dieser Hinsicht kaum von dem einer Krankenschwester, eines Arztes oder der Feuerwehr.

"Die lustige Witwe" wird zu Silvester im Großen Haus mit Vorstellungen um 15 Uhr und 20 Uhr gleich zweimal aufgeführt. Ist das eine besondere Herausforderung und wie schaffen Sie das?

Kluge: Es ist nicht das erste Mal, dass ich zu Silvester gleich zwei Stücke im Prinzip kurz hintereinander dirigiere. Sicherlich ist es vor allem körperlich anstrengend. Aber man ist an solch einem Tag so in Spannung versetzt und so voller Adrenalin, dass man davon so schnell nicht runter kommt. Im Prinzip ist es nichts anderes als einen Wagner von fünf Stunden Dauer zu dirigieren. Nach den zweieinhalb Stunden der ersten Vorstellung bleibt man in einer Spannung, die sich erst nach dem letzten Akt der letzten Vorstellung löst, meistens erst am nächsten Tag, dann spürt man meistens in den Armen, was man tags zuvor geleistet hat.

Wie sieht ihr Tagesablauf am 31. Dezember aus?

Kluge: Es ist ein ganz normaler Start in den Tag mit Aufstehen und Frühstücken. Danach folgt eine Phase der aktiven Ruhe, wo man sich vorbereitet und Kraft für den Tag sammelt. An solchen Tagen bin ich meistens schon sehr zeitig im Theater, das heißt so eineinhalb bis zwei Stunden vorher gehe ich nochmals die Partitur durch und dann beginnt die Phase der Spannung, von der ich nicht sofort abschalten kann. An diesem Tag bietet es sich natürlich an, nach den Vorstellungen noch draußen im Umkreis des Theaters zu verweilen, sich mit Freunden zu treffen, mit Sekt anzustoßen und ein paar Böller loszuschießen. Enden wird der Tag wahrscheinlich so gegen um eins, halb zwei in der Nacht.

Wäre es eine Option für Sie selbst als Gast Silvester im Theater zu verbringen und wenn ja, welches Stück sollte auf dem Spielplan stehen?

Kluge: Absolut. Theater ist auch aus der Zuschauerperspektive ein absoluter Genuss für mich. An Tagen wie Silvester ist zudem das Publikum ein besonderes. Gelöst und amüsiert möchte man ins neue Jahr hineingehen. Deshalb stehen auch passenderweise komödiantische Operetten oder Musicals auf dem Spielplan. Musikalisch wäre die Neunte von Beethoven mein Favorit. Aber dieses Stück hat schon zum Neujahrskonzert einen Tag später seinen festen Platz.

Warum ist "Die lustige Witwe" der passende Schlusspunkt im Theaterjahr 2012?

Kluge:

Es ist ein sehr erfolgreiches Stück und eine komische Operette mit viel Witz. Wir auf der Bühne und im Orchestergraben haben unseren Spaß damit. Das Publikum wird ihn garantiert auch haben. Zumal an diesem Abend alles gelöster als sonst ist. Diese Wahrnehmungen hatte ich immer in der Vergangenheit. Wenn jemand einen genialen Einfall hat, der vom Üblichem etwas abweicht und das beim Publikum für zusätzliche Lacher sorgt, machen das Orchester und ich gerne mit. Schließlich sollen die Vorstellungen richtig unterhalten und nicht nur berieseln wie im Fernsehen.

Wann startet das Arbeitsjahr 2013 für Sie?

Kluge: Schon zum Neujahrskonzert, das um 17 Uhr GMD Antony Hermus leiten wird. Ich werde unter anderem vorher die Solisten beim Einsingen unterstützen.

Was wünschen Sie sich persönlich für das kommende Jahr?

Kluge: Nicht nur für das nächste Jahr, sondern auch darüber hinaus, wünsche ich mir, dass unser Theater weiterhin in seiner aktuellen Besetzung bestehenbleibt, damit allen Kürzungsplänen zum Trotz, Kultur mit hoher Qualität weiterhin einen festen Platz auch beim Publikum haben kann.

Restkarten für die beiden Vorstellungen sind zu erfragen unter Telefon 0340 / 2 51  13 33 oder an der Abendkasse.

Auch interessant
Bildergalerien Dessau-Roßlau
Kontakt zur Lokalredaktion Dessau-Roßlau Poststraße 8
06844 Dessau-Roßlau
Tel.: (03 40) 51 89 01 10
Fax: (03 40) 51 89 01 39
E-Mail: redaktion.dessau-rosslau@mz-web.de
MZ Dessau bei Twitter
MZ Dessau-Roßlau bei Facebook
zum Kontaktformular

Wetter-Videos
Lokalsport Dessau-Roßlau
E-Paper
Mitteldeutsche Zeitung Titelblatt

Lesen Sie Ihre Mitteldeutsche Zeitung online und auf dem iPad/iPhone. So sind Sie jederzeit aktuell informiert.