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Dessau-Roßlau: «Zollhaus» gibt wegen Brückenbau auf

Uhr | Aktualisiert 31.12.2012 14:12 Uhr

Die Tage der gastlichen Idylle am Muldufer sind gezählt. (FOTO: SEBASTIAN)

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Diese Silvesterparty ist die letzte Party, die im "Zollhaus" gefeiert wird. Gabriel Grebler und sein Team werden die gastliche Stätte am Muldufer verlassen. Unfreiwillig. Aber der anstehende Neubau der Friedensbrücke treibt sie quasi in die Flucht.
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dessau/MZ. 

Schon am 7. Januar wird der Abrissbagger anrollen und den Saal, der im städtischen Eigentum ist, abreißen. Der Platz wird gebraucht für die neue Straßenführung, die als Halbkreisel gestaltet sein wird. "Die Straße geht dann quer durch den Saal und nimmt die Hälfte des Parkplatzes ein", beschreibt Grebler das künftige Aussehen.

Die Bauarbeiten, die im Frühjahr mit dem Bau der Ersatzbrücke beginnen, werden bis Ende 2014 andauern. "Da müssen tausende Tonnen Erdreich bewegt werden, sind Presslufthammer, Rüttelplatten und Bagger im Einsatz. Das ist nicht unbedingt ein Umfeld, wo man sich wohlfühlt."

Aber auch nach Beendigung der Bauarbeiten sieht der Gastronom keinen wirklichen Platz mehr für das Gasthaus und dessen Biergarten. "Die neue Brücke wird aufgrund der neuen Hochwasserbestimmungen anderthalb Meter höher als die jetzige und leicht nach links geschwenkt sein. Da würden wir regelrecht in einer Kuhle sitzen." Außerdem verliert der Biergarten an Größe, auch der Parkplatz wird wesentlich kleiner, wenn es ihn überhaupt wieder gibt. "Die Bedingungen also, die bisher das Objekt so optimal machten, gibt es dann nicht mehr. Da muss man die ganze Sache wirtschaftlich betrachten."

Gabriel Grebler hat nichts unversucht gelassen, das Kleinod am Muldufer - einen der schönsten Biergärten Anhalts - den Dessauern und zahlreichen Gästen zu erhalten. "Aber das hat in der Stadt keinen interessiert", konstatiert der 36-Jährige. Das Zollhaus selbst bleibe stehen, befindet sich aber in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Der Eigentümer wohnt in Koblenz. Die Stadt halte sich strikt an die Bestimmungen. Und so musste Grebler wegen des "Bestandsschutzes" auch die Idee begraben, das Zollhaus um einen kleinen Saal zu erweitern. Dieser wäre aber vonnöten, um die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu gewährleisten.

Seit zwei Jahren, berichtet der Gastronom, sei er im Rathaus präsent und bitte um Hilfe. Zum Beispiel bei der Suche nach einem neuen Objekt. "Ich hab mir alles angeguckt, was leer steht". Und alles für nicht geeignet befunden.

Bis ihm der Zufall zu Hilfe kam. In der Kornhausstraße 13 stieß Grebler auf ein neues Objekt, das eigens als Restaurant mit Biergarten gebaut und eingerichtet wurde. Der ursprüngliche Pächter aber trat zurück. Glück für Grebler. Der wird nun in Ziebigk eine neue gastliche Stätte eröffnen. Und freut sich inzwischen darauf. "Das Zollhaus verlasse ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge, es wären immense Modernisierungskosten auf uns zugekommen, aber um den Standort ist es jammerschade."

Restaurant "Zum Tafelspitz" wird das neue Domizil heißen, das Gabriel Grebler mit seinem vierköpfigen Team führen wird. "Wir bleiben unserem jetzigen Konzept treu und hoffen, auch hier überzeugen zu können", blickt er in die Zukunft. Etwa 60 Plätze wird das Restaurant haben. Im Biergarten könnten 50 Gäste Platz finden, vorausgesetzt die Stadt genehmigt dies. "Die machen uns das Leben nicht unbedingt einfach", ärgert sich der Unternehmer, der schon drauf und dran war, seine Heimatstadt wieder zu verlassen.

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