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Dessau: Bauhausmuseum wird im Stadtpark gebaut

Standort für das Bauhausmuseum

Die Ecke Kavalier-/Friedrichstraße wird der Standort für das Bauhausmuseum.

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ruttke/archiv

Dessau-Rosslau/MZ -

„Dessau-Roßlau soll ein Bauhaus-Museum bekommen.“ So ist die Mitteilung überschrieben, die gestern Nachmittag von der Staatskanzlei in Magdeburg aus versendet wurde. Eine Meldung, die für Erstaunen sorgt. Aus manchen Gründen.

Erstens bis drittens, also vor allen Dingen: Dass Dessau-Roßlau überhaupt und tatsächlich dieses Haus erhält! Dass dieses nicht in Sichtnähe des historischen Bauhauses, sondern im alten Kern der Stadt errichtet wird. Und dass dieses Haus „Bauhaus-Museum“ und nicht mehr „Besucher- und Ausstellungszentrum“ genannt wird. Der Name war auch den Unesco-Fördertöpfen geschuldet, aus denen man sich zu bedienen hoffte.

Nun kann man das Ganze zupackender angehen. Insgesamt 12,5 Millionen Euro wird sich das Land das Bauhausmuseum kosten lassen, gab gestern das Kabinett bekannt. Eine Summe, die unter der Bedingung zugesagt ist, dass sich der Bund und die Stadt Dessau-Roßlau sowie mögliche Dritte „in gleicher Höhe wie das Land“ beteiligen. Zumindest das arme Dessau-Roßlau wird hier keine großen Gaben bieten können. Der Ball liegt einmal mehr bei Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD), der gestern von einer „großen und guten Nachricht“ sprach. Dorgerloh ist zugleich Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bauhaus Dessau und auch als solcher wird er vor allem mit dem Bund verhandeln müssen. Auch wenn das Museum noch nicht sichtbar ist, spricht Dorgerloh bereits von einem „Haupt- und Kernort“, als der das Haus 2019 im Zuge der Feiern 100 Jahre Bauhaus dienen soll.

12,5 Millionen Euro vom Land und noch einmal dieselbe Zahl von freigiebigen Partnern: Das macht insgesamt 25 Millionen Euro und liegt somit sogar über der Summe, die sich der Bund und der Freistaat Thüringen das neue Bauhaus-Museum in Weimar kosten lassen. Der von der Berliner Architektin Heike Hanada in Zusammenarbeit mit Benedikt Tonon entworfene Neubau am Gauforum ist auf 22,6 Millionen Euro veranschlagt. Das kann die Seele der Dessauer streicheln: Man baut später, aber teurer.

Die Weimarer wollen ihr Haus bereits 2015 eröffnen, die Dessauer drei Jahre später. Rund 2 250 Quadratmeter Ausstellungsfläche planen die Klassik-Städter. Für Dessau ist in dieser Hinsicht noch nichts bekannt. Bislang ging man bei den Planungen von rund 1 500 Quadratmetern für die Dauerausstellung und 1 000 für die Wechselpräsentationen aus. Sollte man dabei bleiben, muss man sich auch in dieser Hinsicht nicht vor dem Angstgegner Weimar verstecken. Dass man es im Lande ernst meint mit dem Engagement, ist auch dem Hinweis zu entnehmen, dass an die Betriebskosten des Museums gedacht ist. Bis zu 300 000 Euro im Jahr will das Land künftig anteilig für den Neubau zahlen.

Der soll im Dessauer Stadtpark entstehen, auf der buchstäblich grünen Wiese in der Innenstadt, die man eine City nicht wirklich nennen kann, so beschaulich geht es dort zu. Bis zuletzt hatte genau dieses Gelände die wenigsten Chancen im Urteil der maßgeblichen Projekt-Beförderer. Ein Neubau an der Bauhaus-nahen Kreuzung Sieben Säulen im Stadtteil Dessau-Ziebigk war der Wunsch der ersten Stunde. Aber die Letzten werden die Ersten sein.

Über 16 Monate waren verschiedene Standort-Optionen in Dessau geprüft worden. Standorte, die in der unmittelbaren Nähe des Bauhauses lagen, was den Innenstadt-Gegnern als ein gewichtiges Argument für den einzig garantierten Zufluss von Besucherströmen galt. Noch Ende November 2012 hatte das Berliner Büro David Chipperfield Architects als Gutachter von der Innenstadtlage abgeraten: „Der Standort ,Stadtpark’ sollte aus unserer Sicht nur für den Fall erneut betrachtet werden, wenn keiner der anderen Standorte realisierbar ist.“ Genau dieser Fall ist offenbar eingetreten.

Warum das so ist, darüber kann man nur mutmaßen. Stephan Dorgerloh verwies auf die historischen Anfänge der Bauhaus-Ansiedlung, die auch von der Anhaltischen Gemäldegalerie ausging, die ihren ersten Standort an dem künftigen Bauplatz hatte. Es war der aus Halle stammende Galeriedirektor und anhaltische Landeskonservator Ludwig Grote, der maßgeblich an den Gesprächen zur Übersiedlung des Bauhauses von Weimar nach Dessau beteiligt war. 1944 war der Galeriebau - das klassizistische Palais Reina - von Bomben zerstört, 1963 restlos abgetragen worden. Seitdem ist das Grundstück gegenüber der Jahrhundertwende-Hauptpost eine grüne Brache im Herzen der Stadt. Kandinsky wartet im Park: So darf es hier bald heißen.

Selbstverständlich setzt das Land auf eine Belebung der Dessauer Innenstadt. Verschwiegen wird aber auch dieser Grund nicht: Die Stadtpark-Variante ist unter allen Optionen die kostengünstigste. An den Sieben Säulen hätten zuletzt der Grund gekauft, ein Gebäude entfernt und Mieter umgesiedelt werden müssen. Das stadteigene Parkgrundstück kostet nichts, nicht einmal Abrissarbeiten.

„Die Entscheidung des Kabinetts ist ein zentraler Meilenstein auf dem Weg zum Bauhausjubiläum 2019, der uns mit Dankbarkeit und großer Hoffnung erfüllt“, teilt der Direktor der Stiftung Bauhaus-Dessau, Philipp Oswalt mit. „Seit 2009 hat die Stiftung Bauhaus Dessau den Wunsch an die Landespolitik herangetragen, einen Sammlungsneubau zu errichten.“ Wenn jetzt „auch noch der Bund mitzieht, könnte ein internationaler Architekturwettbewerb ausgeschrieben und das neue Ausstellungshaus 2018 eröffnet werden“, blickt der Stiftungsdirektor nach vorn. Endlich kann es gelingen, die mit 25 000 Objekten weltweit zweitgrößte Bauhaus-Sammlung angemessen zu präsentieren.

Für die Stadt Dessau-Roßlau ist das entschiedene Ja zum Museum ein Glücksfall. „Wir begrüßen die Entscheidung und sind über die gemeinsame Verständigung mit der Landesregierung froh“, sagte die Bürgermeisterin Sabrina Nußbeck, die für Oberbürgermeister Klemens Koschig gestern an der Kabinettssitzung in Magdeburg teilnahm. Dass das neue Haus „wichtige Impulse für die Innenstadt geben, also für eine echte Belebung des Zentrums sorgen“ könnte, hofft die Bürgermeisterin. Das ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Nun kann man in Sachen Bauhaus nach vorne sehen. Die Zeit drängt. Man muss klären, was man denn eigentlich bauen und wen man dafür gewinnen will. Im Oktober sieht sich Erfolgs-Architekt Daniel Libeskind die Dessauer Bauhauswiese an.


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