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Bizarrer Streit in Dessau: Fußballverein drohen bis zu 250.000 Euro Strafe, wenn Bälle auf Privatgrund landen

Blick über das strittige Grundstück auf das Vereinsheim von TuS Kochstedt: Der Verein hat gerade einen Nebenplatz gesperrt.

Blick über das strittige Grundstück auf das Vereinsheim von TuS Kochstedt: Der Verein hat gerade einen Nebenplatz gesperrt.

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Sebastian

Dessau/Halle (Saale) -

Ralf Lehmann will eigentlich gar nichts sagen. „Das hat bislang nie etwas gebracht.“ Aber Ruhe lässt ihm die ganze Sache nicht. Eine Strafe von bis zu 250.000 Euro? Oder eine Ordnungshaft bis zu sechs Monaten? Für ein paar Fußbälle, die auf ein benachbartes Grundstück fliegen?

Urteil auf 13 Seiten

Seit Mitte Dezember hat der Abteilungsleiter Fußball vom Dessauer Kreisoberligisten TuS Kochstedt ein Urteil vom Oberlandesgericht Naumburg vorliegen, das genau damit droht. Auf 13 Seiten ist dort festgehalten, was den Kochstedter Kickern noch erlaubt ist und was nicht. Viel erlaubt ist nicht.

Der Richter war unnachgiebig: Der Verein muss sicherstellen, dass pro Woche nicht mehr als ein Ball über einen Fangzaun auf ein benachbartes Grundstück fliegt, um das es seit Jahren Ärger gibt. Ein Ball pro Woche wo Kinder spielen? „Für uns ist das eine unlösbare Aufgabe“, sagt Lehmann. Vorige Woche hat TuS Kochstedt deshalb den Kleinfeld-Kunstrasenplatz an der Lichtenauer Straße komplett gesperrt.

Streit tobt bereits seit fast zehn Jahren

Es ist ein bizarrer Streit, der seit fast zehn Jahren in Kochstedt tobt. Der Verein, die Stadtverwaltung, der Oberbürgermeister, der Stadtrat: Alle haben schon versucht, mit dem Eigentümer zu reden, zu vermitteln. 2010 ging der Verein in Vorleistung: Der Kochstedter Hauptplatz wurde um zwei Meter verlegt, um mehr Platz für den Nebenplatz und mehr Abstand zu schaffen. Drumherum wurde ein 285 Meter langer und vier Meter hoher Ballzaun errichtet. Der sollte verhindern, dass Bälle auf das benachbarte Grundstück fliegen. Fast 30.000 Euro wurden investiert.

Doch das Ergebnis reichte nicht. Der Besitzer des Grundstück hat Protokolle geführt - und diese vor Gericht vorlegt. 2011 landeten 59 Bälle auf seinem Grundstück, 2013 waren es 111, 2014 dann 135. Mindestens. Die selbst zurückgeholten Bälle, räumte das Gericht ein, seien noch gar nicht erfasst.

Fall landet am Oberlandesgericht in Naumburg

2014 landete der Streit vor dem Landgericht in Dessau. Es gab sogar einen Ortstermin. Ende 2015 befasste sich die nächst höhere Instanz mit dem Fall, das Oberlandesgericht in Naumburg - und kritisierte die Höhe des Zauns. „Dass dieser leicht zu überschießen ist und dies bei der häufigen Nutzung des Spielfeldes auch öfters passiert, insbesondere wenn quer in Richtung zum Grundstück der Kläger gespielt wird, entspricht der allgemeinen Lebenserfahrung“, heißt es in der Urteilsbegründung. Der TuS Kochstedt habe noch nicht alle Maßnahmen ergriffen, um das Überfliegen von Bällen zu verhindern. Der Ballfangzaun soll sechs Meter hoch werden.

Das will TuS Kochstedt nun angehen. Zumindest dort, wo der Bolzplatz ist. „Dort fliegen neunzig Prozent aller Bälle rüber“, schätzt Lehmann. „Wir wollen dort das Konfliktpotenzial verringern.“ Vorige Woche hat der TuS-Vorstand den Beschluss gefasst, dort einen u-förmigen und sieben Meter hohen Ballfangzaun zu errichten. Die Kosten dafür liegen nach ersten Schätzungen bei etwa 2.500 bis 3.000 Euro. „Wir hoffen, das reicht.“

Stadt verspricht Unterstützung

Die Dessau-Roßlauer Stadtverwaltung, die Eigentümer des Grundstücks ist, hat Unterstützung zugesagt. „Wir wollen gemeinsam schauen, wie man die Auflagen das Gerichts erfüllen kann“, sagt Stadtsprecher Carsten Sauer. Liege ein belastbarer Kostenvoranschlag vor, wolle man sich zusammensetzen. Ziel ist, dass der Kleinfeldplatz möglichst bald wieder freigegeben werden kann. (mz)

Hinweis: In einer vorherigen Version haben wir irrtümlicherweise von einer Strafe in Höhe von 250.000 € geschrieben, korrekt ist, dass es eine mögliche Strafe in Höhe von bis zu 250.000 € ist.


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