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Bedrohungen und Vandalismus in Roßlau: Jugendclub wird terrorisiert: "Blitzableiter" gibt auf

Der „Blitzableiter“ am Alten Friedhof 8.

Der „Blitzableiter“ am Alten Friedhof 8.

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Lutz Sebastian/Archiv

rosslau -

Vor zwei Wochen war es, als die Türen des Roßlauer Jugendklubs „Blitzableiter“ komplett geschlossen blieben. Wieder einmal hatten Jugendliche die Räume verwüstet, Altersgenossen sowie die Mitarbeiter beschimpft und beleidigt - und Drohungen gegen die Einrichtung ausgesprochen.

Bei den Pflegern liegen die Nerven blank

Es ist ein weiteres Glied in der Kette derartiger Ereignisse, mit denen die Mitarbeiter des Klubs seit nunmehr zwei Jahren zu kämpfen haben, wie Jugendpfleger Thomas Winkler erklärt. „Bei uns liegen die Nerven inzwischen blank.“

Eine Gruppe von 17 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren sei sehr verhaltensauffällig. „Fünf von ihnen haben wir im August für ein halbes Jahr Hausverbot erteilt“, so Winkler. „Als Schutzmaßnahme für uns und den Klub.“ Aufgehört haben die Bedrohungen und Angriffe dennoch nicht. Wie die Ereignisse im Januar zeigen.

Die Jugendszene in Roßlau ist in Aufruhr geraten. Vor allem, seitdem jeden Dienstag die Rechten vor der geplanten Flüchtlingsunterkunft in der Waldstraße demonstrieren und anschließend durch die Innenstadt ziehen. Nicht nur im Jugendklub des Ortes gibt es massive Probleme, auch vom Schillerplatz kommen immer wieder Klagen über randalierende Jugendliche. Woher die kommen, wie viele unterschiedliche Gruppen sich am Schillerplatz tatsächlich treffen, ob alle einer rechten Szene zuzuordnen sind - wie gemutmaßt wird -, das ist inzwischen kaum noch zu differenzieren.

Es muss gehandelt werden

Für alle ist klar: Es ist dringender Handlungsbedarf geboten. Was den Jugendhilfeausschuss veranlasste, alle Beteiligten - Polizei, Jugendamt, AWO Wittenberg als Träger des „Blitzableiter“, Streetworker, Pfarrer, Ortschaftsrat - am 11. Februar zu einer außerordentlichen Unterausschusssitzung einzuladen. „Um Lösungen zu finden“, wie Bastian George (Grüne) sagte.

Das Jugendamt hat auf die Problemlage reagiert, die der Träger des Klubs bereits im vorigen Jahr signalisiert hatte. So sind mittlerweile zwei Straßensozialarbeiter vor Ort, die sowohl mit den Jugendlichen am Schillerplatz als auch am und im Jugendklub arbeiten. Mit 60 Prozent der Jugendlichen könne man das gut, schätzt Straßensozialarbeiterin Claudia Trautwig ein.

Im Sommer kommt das Aus

Fakt ist auch: Die Tage des Klubs im jetzigen Domizil sind gezählt, gehen spätestens am 30. Juni zu Ende. „Wir haben den Auftrag vom OB, drei Alternativstandorte zu prüfen“, sagt Jugendhilfeplaner Mario Wegener. Im einzelnen sind das der Hort Fliederweg, die jetzige Bietheschule und die ehemalige Bibliothek. Im Fliederweg fand inzwischen eine Ämterrunde statt, wurde geprüft, ob die Kellerräume für einen Jugendklub zu nutzen wären. Der Eigenbetrieb Dekita als Eigentümer und Träger des Hortes plant dessen Sanierung im Rahmen des Stark III-Programms. Er habe die Pläne befürwortet, könne sich dort sogar einen Kinder- und Jugendhilfestandort in eigener Trägerschaft vorstellen, so Wegener.

Bei den anderen beiden Standorten finden die Vor-Ort-Begehungen in Kürze statt. Zwei Dinge aber sind schon jetzt klar: Die Baukosten werden an allen Standorten mehrere hunderttausend Euro betragen. Und eine Nutzung wird nicht vor dem 1. Januar 2017 möglich sein. (mz)


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