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Bahnen-Hersteller: Dritte Insolvenz für Fahrzeugtechnik Dessau

Pro­duk­ti­ons­halle der Fahr­zeug­tech­nik Dessau

Pro­duk­ti­ons­halle der Fahr­zeug­tech­nik Dessau.

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Thomas Ruttke/Archiv

Dessau-Roßlau -

Es ist die dritte Insolvenz innerhalb weniger Jahre: Die Geschäftsführung der traditionsreichen Firma Fahrzeugtechnik Dessau hat gestern einen Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht  setzte den halleschen Anwalt Lucas Flöther, der zuletzt  den Fahrradbauer Mifa rettete,  als vorläufigen Insolvenzverwalter ein.

Die finanzielle Schieflage ist spätestens seit der vergangenen Woche öffentlich bekannt gewesen. Eine Krankenkasse hatte wegen ausstehender Beiträge bereits  am Freitag  einen Insolvenzantrag gestellt (die MZ berichtete).   Dass Unternehmenschef Andreas Fiedler nun selbst die Zahlungsunfähigkeit einräumte, geht offenbar auf Druck der Belegschaft zurück. Wie Flöther  der MZ mitteilte, seien seit Mitte Dezember keine Löhne mehr gezahlt worden.

Der vorläufige Verwalter bezeichnet die  Auftragslage als zufriedenstellend. Nach Firmenangaben werden aktuell für die Verkehrsbetriebe Essen Reparaturen an Straßenbahnen vorgenommen. Der Zuschlag für Folgeaufträge in Millionenhöhe sei bereits erfolgt. „Ich habe  Kontakt zu ersten Kunden aufgenommen“, berichtet Flöther. Die  Signale seien positiv.

Hohe Lohnrückstände

Problematisch für eine erfolgreiche Fortführung  sind laut Flöther  hohe Lohnrückstände. Das dreimonatige Insolvenzgeld der Arbeitsagentur für die Löhne der 133 Mitarbeiter werde fast vollständig aufgezehrt. Große Anerkennung zollt Flöther daher den Beschäftigten. Diese hätten ihm mündlich zugesagt, auf Lohnrückstände des Monats Dezember verzichten zu wollen. „Das verschafft der Firma etwas Luft.“ Eine schnelle Einigung will er auch mit den Stadtwerken  erzielen, die dem Betrieb gestern den Wasserhahn abdrehten.

„Viel zu lange hat die Geschäftsführung gehofft, dass die finanziellen Schwierigkeiten aus eigener Kraft bewältigt werden können“, teilten  der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall mit. Sie bitten in dieser schwierigen Phase um Unterstützung in der Kommunal-  und Landespolitik, um den Standort und die Arbeitsplätze zu erhalten. „Auch das ist aktive Wirtschaftspolitik, wenn hier alle Möglichkeiten der Einflussnahme genutzt werden“, so die Arbeitnehmervertreter.

Gerettet wurde der Betrieb bereits mehrmals. Prestigezüge wie der Protos hatten den Waggonbau-Nachfolger bereits 2008 in wirtschaftliche Schieflage gebracht. Die Pleite folgte. Anschließend übernahm ein rumänisches Unternehmen das Ruder. Doch die Pläne, für den osteuropäischen Markt zu produzieren, scheiterten. Im März 2012 war die Firma erneut insolvent. Die Transtec Vetschau GmbH kaufte das Werk und setzt  auf die Instandhaltung von Straßenbahnen und Güterwaggons.
(mz)


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