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12. Januar: Neuer Prozess im Fall Jalloh: Polizist bricht sein Schweigen

Uhr | Aktualisiert 16.12.2011 15:13 Uhr
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Oury Jalloh

Demonstranten protestieren gegen die ihrer Meinung nach schleppende Aufklärung des Feuertodes des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone. (FOTO: DPA/ARCHIV)

Überraschung im neuen Prozess um den Feuertod von Oury Jalloh: Der angeklagte Polizeibeamte hat am Freitag sein Schweigen gebrochen.
MAGDEBURG/DPA/MZ. 

Er beteuerte, trotz des mehrfachen Alarms nicht an einen Brand in der Zelle gedacht zu haben, in der der Asylbewerber starb. "Ich muss unterschwellig an eine Fehlfunktion gedacht haben", sagte der Mann am Landgericht Magdeburg. Mindestens einmal habe er den Alarm ausgestellt. Den Brand habe er erst gemerkt, als er die Zelle öffnete. Jalloh war zu diesem Zeitpunkt schon tot. Am ersten Tag dieses neues Prozesses hatte der Anwalt noch angekündigt, dass sein Mandant schweigen wolle.

"Der Tod geht mir sehr nahe"

Der 50-Jährige, der in einem ersten Verfahren am Landgericht Dessau-Roßlau freigesprochen worden war, ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Der Polizist, der nach dem Geschehen am 7. Januar 2005 zweimal schwer erkrankt war, brachte sein Bedauern und seine Betroffenheit zum Ausdruck. "Der Tod geht mir sehr nahe, besonders, dass ich nicht rechtzeitig helfen konnte." Der 50-Jährige betonte, er wolle seinen Beitrag zur lückenlosen Aufklärung des Geschehens beitragen. Nachdrücklich wies er fremdenfeindliche oder rassistische Motive zurück.

Jalloh soll, obwohl an Händen und Füßen gefesselt, mit einem Feuerzeug die Matratze angezündet haben, auf der er lag. Er starb, weil er die extrem heißen Gase einatmete. Die Polizei hatte ihn festgenommen, weil er Frauen auf der Straße belästigt haben soll und seine Identität nicht eindeutig festgestellt werden konnte. Jalloh hatte fast drei Promille Alkohol im Blut. Bei der Polizei wehrte er sich heftig. Der Angeklagte berichtete weiter, sein Dienstplatz sei per Wechselsprechanlage mit der Zelle verbunden gewesen. Er habe Rufe aus der Zelle gehört. Um ein Telefonat ungestört führen zu können, habe er zeitweise die Lautstärke heruntergedreht. Ähnlich wie am Freitag hatte er sich auch im ersten Prozess geäußert.

Lücken in Beweisführung

Am nächsten Verhandlungstag will der Angeklagte Fragen des Gerichts umfassend beantworten. Am Freitag war dies wegen der defekten Lautsprecheranlage im Verhandlungssaal nicht möglich.

Der Prozess hat international für große Aufmerksamkeit gesorgt. Unter anderem, weil viele zum Teil haarsträubende Details über das Verhalten der Polizei nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit gelangt waren. Heftig kritisiert hatte auch der Richter am Landgericht Dessau-Roßlau in seinem Urteil das Verhalten von Polizisten, deren Zeugenaussagen voller Widersprüche waren. Gegen das Urteil hatten Staatsanwaltschaft und Nebenklage Revision eingelegt. Im Januar vergangenen Jahres hob der Bundesgerichtshof in Karlsruhe den Freispruch für den Dienstgruppenleiter auf, weil er Lücken in der Beweiswürdigung sah.

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