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Stadtführung: Halle in zwei Stunden entdecken

Uhr | Aktualisiert 22.12.2008 23:26 Uhr
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Ausblick auf Halles Altstadt

Ausblick auf Halles Altstadt vom Altan des franckeschen Waisenhauses. (FOTO: KATHRIN BECKER)

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"Und wieso studierst du in Halle?" Auf diese Frage gibt es sehr unterschiedliche Antworten. Viele Hochschüler zogen in die Saalestadt, weil nur hier ihre Fächerkombinationen angeboten werden, es keine Studiengebühren gibt oder es von den Wunsch-Unis Ablehnungsbescheide hagelte.
HALLE/MZ-web. 

Die Stadt selbst ist eher selten der Grund, sich für ein Studium in Halle zu entscheiden. "Dabei hat die Stadt so viel zu bieten", schwärmt der 25-jährige BWL-Student Conrad Seemann.

Um auch seine Kommilitonen vom Charme der ehemaligen Salzmetropole zu überzeugen, gründete der Hallenser vor mehr als zwei Jahren zusammen mit vier Mitstreitern den Verein "Studenten für Halle" (SfH). "Wir wollen Studenten ihre Unistadt näher bringen, Verbundenheit erzeugen und so zum Image-Gewinn der Stadt beitragen", sagt Mitgründer Alexander Kauka.

Die inzwischen 16 Mitglieder aus unterschiedlichen Fachbereichen und Heimatorten engagieren sich freiwillig in verschiedenen Projekten. Im Jahr 2007 organisierte der SfH beispielsweise "Halle rockt", ein Festival für regionale, studentische Nachwuchsbands. Im März 2009 wird dieses Projekt in die zweite Runde gehen. Außerdem beteiligt sich der SfH an "hANK! Stadt sitzen". Dabei wurden überall in Halle 50 rote Bänke aufgestellt, um Einwohnern und Besuchern mehr Sitzmöglichkeiten zu schaffen. "Über solche Aktionen und gelegentliche Spenden finanziert sich unser Verein - womit man leider keine großen Sprünge machen kann", bedauert der 28-jährige Kauka. Doch das tut dem Engagement der Studenten keinen Abbruch.

Halle kompakt

Regelmäßig, einmal pro Monat während der Vorlesungszeit, organisieren sie kostenlose Stadtführungen. In diesem Jahr waren es sieben Führungen mit insgesamt etwa 200 Teilnehmern. Die Führungen dauern ein bis zwei Stunden und stehen entweder unter dem Motto "Halle kompakt" oder "Über den Dächern von Halle".

Der Schwerpunkt der Führung "Halle kompakt" liegt auf der Altstadt. Die Route beginnt am Stadtgottesacker. Dort fanden hallesche Berühmtheiten, wie die Eltern Händels oder August Hermann Francke, ihre letzte Ruhestätte. Auch an dessen Stiftungen wird gehalten, um an das Lebenswerk des Theologen und Pädagogen zu erinnern. Und sicherlich wissen nur die Wenigsten, dass der Lindenhof etwas Besonderes zu bieten hat: Die mit 100 Metern längste Fachwerkkonstruktion Europas ist dort zu bestaunen.

"Der Esel, der auf Rosen geht"

Direkt neben den Franckeschen Stiftungen befinden sich Reste der ehemaligen Stadtmauer, bei deren Bau die Hallenser durch eine List teuflische Pläne durchkreuzt haben. Auch darüber werden die Teilnehmer des Stadtrundgangs informiert. Die nächste Station ist der Alte Markt, wo sich die Gruppe um den Eselsbrunnen versammelt. Auch um diesen rankt sich eine Sage: Die Bürger Halles erwarteten Besuch vom Kaiser. Deshalb legten sie den Weg zum alten Marktplatz mit Rosen aus. Doch in der Nacht zuvor regnete es so stark, dass der Kaiser einen anderen Eingang zur Stadt nehmen musste. Statt ihm kam ein Müllerjunge mit seinem Esel den mit Rosen ausgelegten Weg entlang. Darüber amüsierten sich die Hallenser so sehr, dass sie dieses Bild als eine Art Wahrzeichen beibehielten.

Solche Geschichten sind es, die bei den Studenten auf großes Interesse stoßen. So auch Mitte Dezember während der letzten Führung dieses Jahres. "Besonders die Geschichte um den Eselsbrunnen fand ich spannend", sagt die 23-jährige Studentin Agnes Lorenz, die bereits seit vier Jahren in Halle wohnt.

"Der Esel, der auf Rosen geht" ist an verschiedenen Ecken in Halle zu sehen, zum Beispiel an der Fassade der Marktkirche - der nächsten Station. Ursprünglich standen auf dem Markplatz zwei Kirchen, die Kardinal Albrecht zu einer - der Marienkirche - zusammensetzte. Auch über den Roten Turm berichten die Stadtführer Spannendes: Zufällig spielt er das gleiche Motiv wie der Big Ben in London und ist mit 81 Glocken das wahrscheinlich größte Glockenspiel der Welt.

Über den Dächern von Halle

Bei der Führung "Über den Dächern von Halle" gewinnen die Teilnehmer weitreichende Ausblicke auf Halle - vom Altan der Franckeschen Stiftungen, der Burg Giebichenstein und dem 18. Stockwerk eines Hochhauses in Halle-Neustadt. Das triste Neustadt sei übrigens nicht immer so unbeliebt gewesen wie heute, erfahren die zehn Teilnehmer dieses Rundgangs. Der Stadtteil wurde in den 1960er Jahren errichtet und war für knapp 90000 Einwohner konzipiert. Zu dieser Zeit war Neustadt Europas größte Plattenbausiedlung und für damalige Verhältnisse hoch modern. So zog es die Bewohner aus der Altstadt nach Neustadt. Als allerdings in den 1990er Jahren die Altstadt ebenfalls modernisiert wurde, zog es die Hallenser wieder in die andere Richtung. Die Einwohnerzahl hat sich dementsprechend nahezu halbiert.

"Schön war’s!" sagt der angehende Wirtschaftsmathematiker Mark Pigors. Und dem können sich die anderen neun Teilnehmer nur anschließen. Auch der 18-jährigen Persophone Matthes hat die Führung gefallen und sie betont, dass die Erklärungen lebhaft und witzig erzählt wurden. "Genau das ist es, was wir erreichen wollen", sagen Alexander Kauka und Conrad Seemann. "Wir wollen es anschaulicher machen als andere und nicht zu informationsüberladen."

Die nächste Gelegenheit, Geheimnisse und Details aus der Geschichte Halles zu erfahren, bietet sich am 18. Januar 2009. Dann führen Mitglieder des SfH wieder durch die Stadt. Details dazu werden rechtzeitig auf deren Internetseite bekannt gegeben.

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