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Magdeburg: Forschungscampus «Stimulate» soll OP's schonender machen

Uhr | Aktualisiert 01.11.2012 18:46 Uhr
Auf Monitoren wird ein von außen erzeugtes Bild gezeigt, mit dem das minimal-invasive Operationswerkzeug verfolgt werden kann. Für eine integrierte Kamera wäre das Operationsbesteck zu klein. (FOTO: OVGU/ULRICH ARENDT) 
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Krebs, Schlaganfall, Demenz oder Herzinfarkt - altersbedingte Krankheiten nehmen zu. Die eigentlich sehr erfreuliche Tatsache, dass die Lebenserwartung in Deutschland steigt, geht mit einer höheren Zahl von Patienten einher, die an diesen sogenannten Volkskrankheiten leiden.
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Magdeburg/MZ. 

Gleichzeitig sind ältere Menschen häufig gesundheitlich wenig robust und leiden an mehreren Krankheiten. Von größeren Operationen erholen sie sich dann weniger leicht als jüngere Patienten. Große Hoffnung setzt die Forschung deshalb in minimal-invasive Methoden, die operative Eingriffe schonender machen. In Magdeburg entsteht jetzt der Forschungscampus "Stimulate", dessen Ziel die Entwicklung entsprechender Medizintechnik ist.

Die Universität Magdeburg hat gemeinsam mit außeruniversitären Instituten und Partnern aus der Industrie dazu Forschungsgelder in Millionenhöhe eingeworben. Im ersten Jahr erhält das Projekt vom Bundesforschungsministerium 1,6 Millionen Euro, in den Folgejahren je zwei Millionen. Das eigentlich ungewöhnliche ist aber die Förderdauer: "Das Besondere an dem Forschungscampus ist, dass das Bundesforschungsministerium die ausgewählten Forschungscampi bis zu 15 Jahre lang fördern möchte. Das gibt uns die Zeit, eine Struktur aufzubauen, welche uns erlaubt, langfristig am Thema bildnavigierte minimal-invasive Methoden in der Medizin arbeiten zu können", sagt Georg Rose, Professor für Medizinische Telematik und Medizintechnik der Universität Magdeburg und Sprecher des Forschungscampus "Stimulate". Innerhalb dieser Zeit, wahrscheinlich schon in den ersten zehn Jahren, so Rose, wird dabei ein "Deutsches Zentrum für bildgestützte Medizin" entstehen, das die Forschung auf diesem Gebiet dauerhaft voranbringen soll.

Der Name des Forschungscampus, "Stimulate", steht für Solution Centre for Image Guided Local Therapies - Forschungszentrum für bildnavigierte minimal-invasive Therapien. "Gemeint sind hier nicht die umgangssprachlich als Knopfloch-Operationen bezeichneten Therapien", sagt Rose. Denn diese werden mit Operationstechnik durchgeführt, die mit Kameras ausgestattet ist. "Wir arbeiten mit viel kleineren Operationswerkzeugen, in die keine Kameras integriert sind. Denn die Kameras würden aufgrund der geringen Größe dem Chirurgen einen viel zu kleinen Bildausschnitt liefern", erklärt Rose. Das Bild wird stattdessen von außen zum Beispiel mittels Computertomographie (CT), Röntgen oder Magnetresonanztomographie (MRT) erzeugt. Deshalb werden diese minimal-invasiven Methoden mit dem Zusatz bildgesteuert beschrieben.

Diese Erzeugung der Bilder für die minimal-invasiven Eingriffe ist eine große Herausforderung. "Röntgenbildgebung, CT und MRT werden bisher vor allem zur Diagnose eingesetzt und kaum zur Unterstützung von Operationen", sagt Rose. Um als bildgebende Verfahren bei operativen Eingriffen eingesetzt werden zu können, müssen diese Techniken dafür speziell optimiert werden. "So muss zum Beispiel das Bild dem Operationsinstrument, also beweglichen Objekten, folgen können", erklärt Rose. Die Röntgentechnik ist als Bildgebendes Verfahren bei Operationen dabei schon weiter entwickelt, als CT und MRT. Letzteres setzt spezielle Materialien für die Operationswerkzeuge voraus. Denn wären sie aus Metall, könnten sie wegen des starken Magnetfelds des MRT nicht in seinem Einflussbereich eingesetzt werden.

Im Bereich Bildgebungstechnologien wird auf dem Forschungscampus eng mit dem Industriepartner Siemens zusammengearbeitet. "Die Siemens AG Healthcare ist eine von weltweit nur drei Firmen, die erfolgreich auf dem Gebiet der Bildgebungstechnologie arbeiten", sagt Rose. "Die Zusammenarbeit mit Industriepartnern 'auf Augenhöhe' war zudem eine der Voraussetzungen für die Bundesförderung."

Die Bezeichnung Forschungscampus ist im Fall von "Stimulate" wörtlich zu nehmen, Wissenschaftler aus Universität, außeruniversitären Instituten und von den Industriepartnern werden gemeinsam in Labors in der "Experimentellen Fabrik" in direkter Nachbarschaft zum Unicampus arbeiten. "Wir werden alle unter einem Dach forschen", sagt Rose. Insgesamt sollen bis zu 150 Forscher - unter ihnen Mediziner, Medizintechniker, Ingenieurwissenschaftler, Naturwissenschaftler und Informatiker - das Vorhaben "Stimulate" voranbringen.

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