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Kooperation: Neues Zentrum für Polenstudien

Uhr | Aktualisiert 14.12.2012 13:46 Uhr
Der Professor für Osteuropäische Geschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Michael Müller. (FOTO: ARCHIV) 
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Die Universitäten Halle und Jena forschen und lehren auf gleichem Gebiet zusammen. Im Idealfall können im Wintersemester bereits erste Studenten immatrikuliert werden.
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Halle (Saale)/JENA/MZ. 

"In Zukunft werden keine reinen Polenauskenner mehr gefragt sein", sagt Michael Müller, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Martin-Luther-Universität (MLU) Halle-Wittenberg. Viel mehr werden Leute gesucht, die über sprachlich-landeskundliche Kenntnisse verfügen und disziplinär ausgebildet wurden. In diesem Bereich gebe es laut Müller bislang noch große Defizite.

Dies soll sich nun ändern. Vor kurzem erhielten die MLU und die Friedrich-Schiller-Universität Jena den Zuschlag für die Einrichtung eines Zentrums für Polenstudien. Die beiden Hochschulen hätten "ein anspruchsvolles, interdisziplinär angelegtes Konzept modern verstandener area studies" vorgelegt, so die Begründung der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung.

Das neue Zentrum soll in Halle am Zentrum für interdisziplinäre Regionalstudien angesiedelt werden und beinhaltet auch die Einrichtung eines Lehrstuhls. "Im Idealfall könnten wir im kommenden Wintersemester die ersten Studenten immatrikulieren", so Müller. Doch ob dieser ehrgeizige Plan tatsächlich schon zum Herbst umgesetzt werden kann, ist fraglich. Das Studium wird sich aus zwei Fächern zusammensetzen. Ein Bereich umfasst Sprache und Landeskunde Polens, der andere kann zwischen Geschichte, Soziologie, Ethnologie, Politikwissenschaften und Rechtswissenschaften ausgewählt werden. Verpflichtend soll zudem ein Auslandssemester sein. Müller erhofft sich von dem Studiengang jedoch nicht nur vielfältig ausgebildete Absolventen, sondern auch ein Interesse seitens polnischer Studenten und Dozenten, an die MLU nach Halle zu kommen. Derzeit studieren an allen Fakultäten 55 Studenten, davon 44 Frauen, aus Polen.

Warum das Zentrum an beiden Universitäten angesiedelt wird, erklärt Historiker Michael Müller damit, dass beide Standorte schon seit vielen Jahren Beziehungen zu Polen pflegen und zudem in Jena und Halle viele Experten sitzen, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Fachgebiete gut ergänzen. So seien beispielsweise in Halle die Fachleute für die ältere Geschichte Polens, in Jena hingegen für die Zeitgeschichte des Landes, ansässig. "Die Kooperation der beiden Universitäten trägt damit erneut Früchte", sagt Udo Sträter, Rektor der MLU.

Das Vorhaben für die Einrichtung dieses Zentrums sei laut Müller zwar planlos entstanden, soll nun aber planvoll fortgeführt werden. Derzeit laufen die Detailverhandlungen. Die Finanzierung wird für drei bis fünf Jahre unter anderem seitens der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gefördert.