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Hochschule Magdeburg-Stendal: Leidenschaft für die Lehre

Uhr | Aktualisiert 03.01.2013 18:55 Uhr

Marianne Merkt leitet das Zentrum für Hochschuldidaktik und angewandte Hochschulforschung der Hochschule Magdeburg-Stendal. (FOTO: ULI LÜCKE)

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Eine ihrer ersten "Amtshandlungen" war eine Umbenennung. Marianne Merkt leitet deshalb seit Oktober das Zentrum für Hochschuldidaktik und angewandte Hochschulforschung der Hochschule Magdeburg-Stendal. Nicht das Zentrum für Lehrqualität und Hochschuldidaktik, wie es ursprünglich heißen sollte. "Meine Arbeit ist nur dann wirklich wirksam, wenn sie mit Hochschulforschung kombiniert wird", sagt die 56-Jährige. Der Grund: Studium und Lehre haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt.
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Magdeburg/MZ. 

Es reiche deshalb nicht mehr, Hochschuldidaktik auf Weiterbildung und Service zu reduzieren - es brauche eine Forschungsbegleitung, so Merkt. Die Leitung des neuen Zentrums ist verbunden mit einer Professur für Hochschuldidaktik. Merkt ist für diese Aufgabe von Hamburg nach Magdeburg gezogen - und bezeichnet das als Glücksfall. In Magdeburg habe sie etwa Stadt und Natur viel näher beieinander als in Hamburg.

Mit 56 noch Professorin zu werden, sei relativ spät, sagt Merkt. Einerseits liege das daran, dass sie neben ihrem Beruf drei Kinder erzogen hat - 1985 kam ihre älteste Tochter zur Welt. Schon nach einem halben Jahr stieg Merkt mit einer Fortbildung wieder ins Berufsleben ein. Die Kinderbetreuung organisierte sie gemeinsam mit anderen berufstätigen Müttern privat, später mit Hilfe von Au-pair-Mädchen. Ihre Kinder hätten sich immer für ihren Beruf interessiert. "Der Nachteil ist, dass die Kinder selbstständiger sein und das Geburtstagsgeschenk für ihren besten Freund schon mal selbst besorgen mussten", sagt Merkt.

Die späte Professur habe andererseits auch damit zu tun, dass in den vergangenen Jahren keine Professuren im Fach Hochschuldidaktik neu besetzt worden seien. "Ich wusste seit meiner Promotion 2005, dass es in der Hochschuldidaktik nicht sicher ist, wie es beruflich weiter geht. Das habe ich bewusst in Kauf genommen. Denn das Fachgebiet ist so spannend, es fesselt mich zu untersuchen, wie Lernprozesse ablaufen", sagt Merkt.

Dass die Hochschuldidaktik derzeit eine hohe Aufmerksamkeit genießt, verdankt sie auch dem Qualitätspakt Lehre. In seinem Rahmen werden bundesweit Didaktikvorhaben gefördert. In Sachsen-Anhalt, sagt Merkt, habe das Programm einen Start von null auf hundert bewirkt. Anders als in den meisten Bundesländern

habe es hier kaum hochschuldidaktische Netzwerke gegeben. Und nun sei man dabei, die anderen Länder zu überholen, indem man reine hochschuldidaktische Professuren einrichte, nicht nur solche in einzelnen Fachdidaktiken, so Merkt.

Die erwähnte Komplexität in der Lehre und damit der Forschungsbedarf sei unter anderem durch die Bolognareform in die Lehre gekommen. Die Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge brachte sogenannte Studienmodule mit sich. Hier könne es passieren, dass Lehrende ein Modul unterrichten, das sie nicht selbst konzipiert haben. Oder dass sie eine Test-Form durchführen müssen, die sie nicht ausgesucht haben. Dies erfordere eine enge Kooperation der Lehrenden untereinander. Ein weiteres großes Thema der Hochschuldidaktik ist nach Merkt die Heterogenität der Studienanfänger. Nicht nur 18-Jährige Abiturienten, sondern Studenten mit verschiedenen Bildungsabschlüssen und in unterschiedlichen Lebenslagen seien zunehmend Zielgruppen der Hochschulen. Hier brauche es neue Lehransätze, um die Studierfähigkeit und die Freude am Lernen herzustellen.

Zu den Angeboten, die an der Hochschule Magdeburg-Stendal die Lehrenden fit für die neuen Herausforderungen machen sollen gehören Ringvorlesungen ebenso wie der Aufbau eines hochschuldidaktischen Zertifikates. Hier sollen die Dozenten anhand der eigenen Lehrkonzepte lernen. Die Angebote sollen sich nicht zuletzt auch an junge Wissenschaftler richten. "Das Thema Lehrqualität wird in Berufungsverfahren immer wichtiger", so Merkt.

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