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Halle: Volles Programm an der MLU

Uhr | Aktualisiert 28.12.2012 17:51 Uhr

Auf diesem Gelände hinter dem halleschen Steintor entsteht für über 50 Millionen Euro ein neuer Campus. (FOTO: THOMAS MEINICKE)

2013 werden die Hochschulfinanzen in Sachsen-Anhalt neu verhandelt. Grundlage sollen Gutachten des Wissenschaftsrates sein. In der Unimedizin stehen Veränderungen an.
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Halle (Saale)/MZ/jkl. 

Das Jahr 2013 wird in Sachen Hochschulpolitik spannend. Schließlich sollen die Weichen für die künftige Struktur der akademischen Bildungslandschaft in Sachsen-Anhalt gestellt werden. Was erwarten Hochschulrektoren und Wissenschaftsministerium von dem Reformprozess? Und welche Themen werden außerdem eine Rolle spielen? Die MZ hat nachgefragt.

Begutachtung durch den Wissenschaftsrat

Ein großes Thema 2013 wird die anstehende Strukturreform der Hochschullandschaft in Sachsen-Anhalt sein. Das Land hat im Vorfeld den Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in Sachen Hochschulen berät, beauftragt, die Hochschulen zu begutachten. Hintergrund ist unter anderem der demografische Wandel und ein deshalb erwarteter Rückgang der Studierendenzahlen.

Im Sommer 2012 waren die Experten an den Hochschulen. Ein erstes Papier des Wissenschaftsrates soll im Sommer vorliegen. Die endgültige Fassung könnte im Herbst verabschiedet werden. Der Zeitplan gilt aber als unsicher, weil der Termin für eine erste Rückmeldung der Experten an die Rektoren mehrmals verschoben wurde.

Laut Landesrektorenkonferenz (LRK) rechnen die Rektoren nicht damit, dass die Experten eine Streichliste vorlegen. Im Vorfeld der Begehung im Sommer war bekannt geworden, dass die Eckwerteplanung des Finanzministeriums bis zu 20 Prozent Kürzungen im Hochschulbereich vorsieht. "Konkrete Kürzungsvorschläge wären für die Arbeitsweise des Wissenschaftsrates untypisch", sagte Armin Willingmann, Präsident der LRK und Rektor der Hochschule Harz. Zu erwarten seien dagegen unter anderem Einschätzungen über die Leistungsfähigkeit des Hochschulsystems in Sachsen-Anhalt, über die Verteilung der Fächer und darüber, welche Kooperationen die Hochschulen untereinander und mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft pflegen.

Das Wissenschaftsministerium verbreitet derweil Optimismus zur Frage möglicher Kürzungen. "Ich sehe keine Mehrheit im Landtag für die Schrumpfung der Hochschulen in Sachsen-Anhalt", sagte Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU).

Zielvereinbarungen 2014-2018

Die Vereinbarungen zwischen Land und Hochschulen über Entwicklungsziele und Budget der Unis und Fachhochschulen sollen wieder für fünf Jahre gelten, anstatt nur für drei, wie die laufenden Vereinbarungen. Für die Hochschulen bedeutet das mehr Planungssicherheit.

In die Zielvereinbarungen sollen die Empfehlungen des Wissenschaftsrates bereits einfließen. Die Rektoren sehen hier allerdings ein Terminproblem. Je später der Wissenschaftsrat seine Gutachten vorlege, desto schwieriger werde es, diese in den Zielvereinbarungen zu berücksichtigen, sagte Udo Sträter, Vize-Präsident der LRK und Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Neu ist, dass zuerst die Hochschulen ihre Vorschläge für die Zielvereinbarungen einreichen. "Nicht die Politik, sondern die Hochschulen sollen dieses Mal den ersten Aufschlag ausführen. Sie sollen ihre Impulse für die Zielvereinbarungen setzen", sagte Wolff. Seitens der LRK wird diese Neuerung begrüßt. "Die Zielvereinbarungen für die einzelnen Hochschulen werden auf diese Weise voraussichtlich individueller formuliert. Aus Sicht der Hochschulen ist dies ein Fortschritt", sagte Willingmann.

Leistungsorientierte Mittelvergabe

Ein Thema der neuen Zielvereinbarungen wird die leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM) sein, mit der seit 2011 ein Teil des Budgets abhängig von Leistungen wie Drittmittelaufkommen und Absolventenquote ausgezahlt wird. Derzeit wird das Verfahren vom Wissenschaftszentrum Wittenberg evaluiert. "Ob über die leistungsorientierte Mittelvergabe künftig zehn oder 15 Prozent der Hochschulbudgets vergeben werden, ist noch nicht entschieden", so Wolff.

Die LRK fordert, das Bewertungssystem zu verändern. So sollte zum Beispiel die Studienanfängerzahl eine weniger große Rolle spielen, damit die Betreuungs- und Lehrqualität an den Hochschulen nicht leidet, sagte LRK-Vize Sträter. Zudem müsse man die LOM zu einem Prämiensystem umbauen, das gute Leistungen mit zusätzlichem Geld belohne, statt wie jetzt Teile des Budgets vorher abzuziehen, um es dann wieder zu verteilen.

Universitätsmedizin

Auch die Unimedizin in Magdeburg und Halle wird vom Wissenschaftsrat begutachtet, und zwar im Frühjahr 2013. Damit wird man die Leistungsfähigkeit der medizinischen Fakultäten in den Diskussionsprozess um die gesamte Hochschullandschaft einbeziehen.

Gleichzeitig ist auch die Organisation der Uniklinika auf dem Prüfstand. Im Dezember gab es in Magdeburg einen Workshop, der die Diskussion über private Beteiligungen anstoßen sollte.

Gesetzesnovellen

2013 soll das Hochschulmedizingesetz geändert werden, unter anderem auch unter dem Gesichtspunkt der künftigen Organisation und Finanzierung der Uniklinika. Gleichzeitig soll auch das Hochschulgesetz überarbeitet werden. Die LRK fordert hier unter anderem noch mehr Autonomie der Hochschulen bei der Berufung von Professoren. Diese Verfahren dauerten noch zu lange, sagte Sträter.

Wittenberg

Das Wissenschaftsministerium ist vom Parlament aufgefordert worden, sich zu den Wissenschaftseinrichtungen in Wittenberg - der Stiftung Leucorea, dem Institut für Hochschulforschung und dem Wissenschaftszentrum Wittenberg - zu positionieren. Ein entsprechendes Papier soll 2013 vorliegen. 2011 waren Etatkürzungen diskutiert, aber nicht verwirklicht worden. Die Uni Halle sei bereit, sich weiter in Wittenberg zu engagieren, gerade mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017, sagte Sträter. Allerdings werde die Arbeit der Institute am Standort Wittenberg in Halle zuweilen wenig wahrgenommen. Im Bestand gefährdet sei die Leucorea gerade mit Blick auf 2017 aber nicht, so Sträter. Aus dem Wissenschaftsministerium hieß es, dass bei den wissenschaftlichen Einrichtungen in Wittenberg "Weiterentwicklungen" notwendig seien.

EU-Förderung

2014 startet das neue Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union. In der zweiten Jahreshälfte 2013 sollen die ersten Vorhaben ausgeschrieben werden. Das Wissenschaftsministerium hofft, dass mit Hilfe der Beratungsstellen des neuen EU-Hochschulnetzwerks Sachsen-Anhalt künftig mehr EU-Forschungsmittel ins Land geholt werden können. "In der Förderung der EU-Forschungsrahmenprogramme sind die Hochschulen des Landes bisher noch zu wenig vertreten", sagte Wolff. Man werde das Thema entschieden angehen, hieß es aus der LRK. Es gebe in Sachen EU-Mitteln für die Hochschulen im Land noch viel Potenzial, sagte Willingmann. Weil die Beantragung der EU-Förderung sehr umfangreich seien, brauchten die Hochschulen aber Unterstützung bei dieser Aufgabe.

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