Vorlesen

Halle: Streit über Studie zu Agrarspekulationen

Uhr | Aktualisiert 14.12.2012 15:28 Uhr

«Börsenhändler nehmen Landwirten das Preisrisiko ab», meint Thomas Glauben, Direktor des IAMO. (FOTO: IAMO)

Kaum war die Untersuchung zu Finanzspekulationen auf Agrarrohstoffmärkten veröffentlicht, gab es lautstarken Widerspruch seitens zivilgesellschaftlicher Organisationen. Namentlich die NGOs Oxfam und Weed kritisierten die Literaturauswertung hallescher Wissenschaftler heftig.
Drucken per Mail
Halle (Saale)/MZ/jkl. 

Der Grund: Die Forscher melden Zweifel an der Annahme an, dass Spekulationen mit Agrarrohstoffen schuld sind am Hunger in der Welt. Mit dieser Botschaft hatten sich NGOs in den vergangenen Jahren immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt. Über die Forderung, Regeln für Agrarmärkte deshalb zu verschärfen, soll nun auf EU-Ebene entschieden werden. Aber: "Wir haben keine belastbaren Hinweise gefunden, dass Finanzspekulationen auf den Agrarrohstoffmärkten zu Preissprüngen geführt haben", sagt Thomas Glauben, Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwickliung in Mittel- und Osteuropa und Professor an der Uni Halle. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsethikprofessor Ingo Pies hat er 35 empirische Studien ausgewertet.

Vertreter der NGOs wollen sich damit nicht zufriedengeben. Die Forscher hätten einseitig finanzmarktfreundliche Arbeiten für ihre Literaturauswertung ausgewählt, kritisierte Markus Henn von "Weed". "Diese Aussage lässt erkennen, dass Herr Henn wenig mit wissenschaftlicher Analyse und Auswertung im Sinn hat", so Glauben. Die Auswahlkriterien der ausgewerteten Literatur seien in der Studie offengelegt worden. Unter anderem sei wichtig gewesen, ob die Arbeiten einem Gutachterprozess unterlagen, den aktuellen Stand der Forschung berücksichtigen und gängige Verfahren der empirischen Analyse benutzen, sagt Glauben. Kern der Diskussionen ist das Auftreten neuer Akteure auf den Terminmärkten für Agrarrohstoffe in den vergangenen Jahren. Die Commody Index Traders (CITs) sollen Landwirten sichere Planungen ermöglichen. "CITs dienen als eine Art Versicherung. Börsenhändler nehmen den Landwirten das Preisrisiko ab", sagt Glauben. Die Studien-Ergebnisse sprächen dagegen, den Handel zu regulieren. "Solange die Märkte funktionieren, gibt es keinen Grund für Regulierungen, von denen wir zudem nicht wissen, wie sie sich auswirken. So besteht zum Beispiel die Gefahr, dass die Investitionsbereitschaft im Bereich Landwirtschaft dadurch sinkt", so Glauben.