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Halle: Der multimediale Dozent

Uhr | Aktualisiert 22.11.2012 19:06 Uhr
Michael Gerth ist Geschäftsführer des Zentrums für Multimediales Lehren und Lernen der Uni Halle. (FOTO: ANDREAS STEDTLER) 
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Die Lehre an der Universität Halle soll durch E-Learning-Angebote erweitert werden. Ein neues Zentrum berät und hilft bei der Umsetzung anderer Lern-Formen.
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Halle (Saale)/MZ. 

Morgens erscheint der Professor per Videovorlesung auf dem Computermonitor, danach trifft sich die virtuelle Lerngruppe, um online gemeinsam an einem Referat zu arbeiten. Anschließend schaut man noch kurz in der E-Bibliothek vorbei. Nachmittags steht eine Prüfung an: Per E-Assessment am heimischen Computer.

Technisch ist dies alles möglich. Multimediale Lehrangebote sind derzeit an deutschen Hochschulen ein großes Thema. Das Ende des Präsenzstudiums, bei dem die Studenten persönlich zur Uni gehen, ist damit noch nicht ausgerufen. Aber es wird daran gearbeitet, dass Teile des Studiums örtlich und zeitlich flexibler absolviert werden können. Denn auf diese Weise können zum Beispiel Angebote wie berufsbegleitende Studiengänge attraktiv gestaltet oder Zielgruppen wie Studierenden mit Kind das Lernen erleichtert werden. Nicht zuletzt könnten Universitäten so auch gemeinsame Studienangebote leichter umsetzen. In Zeiten knapper Hochschulkassen ist das eine verlockende Vorstellung.

Auch an der Universität Halle hat diese neue Zeit des Lernens, die vom Buchstaben "E" für elektronisch als Vorsilbe geprägt ist, bereits begonnen. So bietet die medizinische Fakultät bereits erfolgreich medizinisches E-Learning an, unter dem Titel "HaMeel". Seit Sommer dieses Jahres nimmt das Thema in Halle an Fahrt auf: Im Juli startete das Zentrum für Multimediales Lehren und Lernen "@llz" seine Arbeit. Finanziell gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF sollen seine Mitarbeiter bis Ende 2016 Grundsteine für Multimediales Lehren und Lernen an der Universität Halle legen. Am Donnerstag fand eine erste Tagung statt, bei der sich Lehrende der Universität über die Einzelheiten des Vorhabens informieren konnten.

In drei Bereichen werde das Zentrum arbeiten, erklärt Michael Gerth, Geschäftsführer des Zentrums. Im Service, der Lehrenden die Möglichkeiten des multimedialen Lehrens aufzeigt und bei der Umsetzung unterstützt, in der Forschung, voraussichtlich 2013 wird eine Professur in diesem Fachgebiet besetzt, und in der Evaluation. Den Mitarbeitern des "@llz" stellen sich hier einige Herausforderungen. "Die gewachsenen Strukturen im E-Learning sollen erhalten werden", sagt Gerth. Angebote haben hier neben der Medizin zum Beispiel die Geografie und die Germanistik. Diese sollen in den zentralen Service integriert werden. Denn: "Die Inhalte sind beim E-Learning sehr teuer", sagt Gerth. Der Erstaufwand, um eine multimediale Veranstaltung wie zum Beispiel eine E-Vorlesung zu erstellen, sei viel höher, als die Vorbereitung einer Lehreinheit in der Präsenzlehre, sagt Gerth. Wenn die Inhalte dann vorhanden seien, werde der Aufwand allerdings geringer. Man müsse immer genau prüfen, bei welchen Veranstaltungen E-Learning sinnvoll sei. Ein Anwendungsbereich seien zum Beispiel Lehrveranstaltungen der grundständigen Lehre mit hohen Studentenzahlen, deren Inhalte lange aktuell bleiben, so Gerth.

Ein Vorteil von E-Vorlesungen ist, dass die Studenten die Inhalte in Kapitel gegliedert immer wieder anschauen können. Und zwar dann, wenn sie Zeit haben und konzentriert sind. Die Präsenzveranstaltungen könnten dann noch stärker für Fragen, Gruppenarbeit und Diskussionen genutzt werden, sagt Gerth, der E-Learning nicht als Ersatz der Präsenzlehre, sondern als Erweiterung des Lehrangebots versteht.

Ein weiteres Thema ist das E-Assessment, Prüfungen am Computer. Zum Beispiel Selbsttests zur Fachwahl, Eignungstests vor Studienbeginn oder Einstufungstests. Auch für Prüfungen im Studium ist der Einsatz entsprechender Programme denkbar. Allerdings, so schränkt Gerth ein, gebe es hohe Anforderungen an die Daten- und Systemsicherheit der Auswertungsprogramme.

Damit die Studenten die wachsende Zahl elektronischer Angebote bequem nutzen können, ist zudem die Einführung persönlicher Lernumgebungen geplant. Studenten sollen dank dieser Software mit einem Login auf dem Bildschirm alle Programme vorfinden, die sie für ihr Studium brauchen.

Auch wenn die Lehrangebote letztendlich den Studenten zugute kommen - der Service des "@llz" richte sich an die Lehrenden, erklärt Gerth. Die Mitarbeiter des Zentrums stehen den Dozenten, aufgeteilt nach fünf Fächergruppen, jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. In Sachen E-Learning, aber auch zu Themen wie Datenschutz, Datensicherheit und Urheberrecht. Der Mehraufwand für die Lehrenden solle so gering wie möglich gehalten werden, so Gerth. Dennoch, E-Learning-Angebote zu erstellen, bedeute Arbeit für die Dozenten. Helfen würde es, sagt Gerth, wenn gute Leistungen in der Lehre ein ähnlich hohes Ansehen hätten, wie die in der Forschung.

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