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Erste Wohnung: Gebrauchte Möbel und bunte Wände

Uhr | Aktualisiert 14.07.2011 11:04 Uhr
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WG-Zimmer

Viel Platz haben die wenigsten Studenten in ihrer ersten Wohnung oder im WG-Zimmer: Daher ist Kreativität bei der Einrichtung gefragt. (FOTO: BODO MARKS/DPA)

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Möbel von der Straße holen, Regale selbst bauen, Kisten umfunktionieren: Auch mit wenig Geld lässt sich die allerkleinste Studentenwohnung kreativ einrichten. Die erste eigene Bude ist der ideale Ort, um mit Wohnstilen und Farben zu experimentieren.
Köln/Waldshut/dpa. 

Zum Studienbeginn checken viele Studenten aus dem Hotel Mama aus und ziehen in die erste kleine Wohnung oder ein WG-Zimmer. Dort ist meistens nicht viel Platz, aber mit ein paar Tricks lässt es sich auch dort gut wohnen.

«Auf keinen Fall alles mitschleppen», rät die Kölner Innenarchitektin Bettina Knorr für den Umzug. «Die erste eigene Wohnung ist die ideale Chance, den ganzen alten Kram loszuwerden.» Weg mit den gesammelten Jugendzeitschriften, weg mit Pullis, die nicht mehr passen, und auch weg mit den alten Postern an der Wand. Am besten sollte erst entrümpelt und dann im neuen Raum neu gesammelt werden.

«Nur das Notwendigste sollte man von zu Hause mitnehmen», sagt auch Isabell Pohlmann aus Waldshut (Baden-Württemberg), die einen Ratgeber zum Erwachsenwerden geschrieben hat. Sie meint: Auf Waschmaschine und Co. könne meist erst einmal verzichtet werden, gerade wenn ein erstes WG-Zimmer nur eine vorübergehende Lösung sei. «Manchmal ist man noch nicht an der gewünschten Uni, manchmal wohnt man sowieso nur zur Zwischenmiete.»

Doch auch wenn in der Bude oft ein Studentenleben lang nur die Matratze neben Kleiderstange, Kaffeemaschine und Laptop liegt, es geht auch anders, meint Einrichtungsberaterin Sam Bohr aus Berlin. «Studierende wachsen heute viel designgeprägter auf als früher. Auch wenn die Mittel knapp sind, formuliert sich da ein Geschmack.» Selbst mit Sachen vom Sperrmüll, alten Schätzchen aus dem Verwandtenkreis und improvisierten Eigenkreationen lasse sich die Mini-Wohnung toll herrichten.

«Egal, ob der Tisch vom Trödel in der Lieblingsfarbe neu lackiert wird oder man auf klassische Jaffa-Kisten setzt: Die eigene Persönlichkeit entscheidet, und das macht es erst charmant», sagt Knorr. Sie schwärmt etwa von einem schönen Regal, das ein Freund von ihr einst aus Pappkartons zusammenbastelte.

In einem kleinen Zimmer schafft man verschiedene Wohnräume durch optische Trennung, etwa durch einen Kleiderschrank mitten im Raum. Das geht auch mit Paravents oder Vorhängen, die unschöne Möbelstücke verbergen: «Dahinter können zum Beispiel billige Regale verschwinden, die man als gut organisierten Stauraum trotzdem im Zimmer haben möchte», rät Knorr.

Für mehr Wandfläche gibt es einen simplen Trick: «Zieht man eine Diagonale durch den Raum, hat man zu den vier Wänden zwei weitere hinzugewonnen», empfiehlt Bohr. «Das kann ein Regal sein oder ein Vorhang, vor den dann zum Beispiel das Sofa gestellt werden kann.»

Eine größere Raumwirkung schafft auch die richtige Beleuchtung: «Statt einer zentralen Deckenlampe sollte das Licht von unten an die Decke gehen», rät Innenarchitektin Knorr. «Daneben sollten Beleuchtungszentren die Raumlandschaft strukturieren: Schreibtischleuchte, Stehlampe mit Deckenfluter, Nachttischlampe.»

Für mehr Weite in der kleinen Bude sorgen vor allem Farben, rät Bohr. «Mit dem richtigen Farbkonzept lässt sich das Optimale herausholen. Einen niedrigen Raum kann man mit einer Streifentapete optisch größer ziehen. Streicht man die Wände blau, grau oder violett, geht die Wand gefühlt zurück.»

Bettina Knorr hält selbst starke Farben in kleinen Räumen für möglich: «Dass man das nicht dürfen soll, ist längst passé.» Dafür sollte jedoch der Student aber zurückhaltender mit der Deko sein: «Hier gilt: Reduzierter wohnen. Weniger ist mehr.» Sam Bohr ergänzt: «Wenn man auf eine leichte Linie bei den Möbeln setzt, können Akzente gesetzt werden mit Pflanzen, Kerzen oder exotischeren Dingen wie zum Beispiel Afrikapüppchen.»

Auch multifunktionales Mobiliar ist ein Raumwunder. «Das geht von der Schlafcouch bis zum Schreibtisch, der für Gäste auch zur großen Tafel werden kann», sagt Expertin Bohr. Allerdings sollten größere Ausgaben für Möbel gründlich abgewogen werden - vor allem, wenn verführerische Finanzierungsangebote um Aufmerksamkeit buhlen. «Nicht jede Null-Prozent-Zinsen-Offerte hält, was sie verspricht», warnt Ratgeber-Autorin Pohlmann. «Die sollte man sich genau ansehen, denn dahinter können sich zum Beispiel doch noch Gebühren verstecken.»

Wer sich aus Geld- oder Geselligkeitsgründen gegen eine eigene Wohnung und für eine WG entscheidet, muss zwangsläufig einige Möbel und Geräte mit den Mitbewohnern teilen. «Hier sollten von vornherein alle Eigentumsfragen geklärt sein», rät Pohlmann. «Noch vor dem Einzug muss eindeutig gefragt werden: Was gehört wem? Und was wird mitgenommen, wenn jemand auszieht?» Nur so ließen sich Frust, Ärger und rechtliche Auseinandersetzungen vermeiden.

Ansonsten gilt fürs WG-Zimmer das Gleiche wie für die Mini-Wohnung: Individualität ist gefragt. «Bloß nicht nur nach dem schielen, was die Industrie bewirbt», rät Einrichtungsberaterin Bohr. «Das Studium ist doch die Zeit, in der experimentiert werden kann», ergänzt Bettina Knorr. «Möbel von der Straße holen, nach Belieben bearbeiten, bei Bedarf wieder raus damit: Wann, wenn nicht in der Studentenbude, lässt sich das so einfach umsetzen?»

Wer kreativ ist, Tischplatten passend macht, wenn sie nicht passen, oder Rollen unter jene Möbel schraubt, die sonst im Wege stehen, der kann den Experten zufolge auch mit geringem Budget bestens wohnen. Und das erst recht, wenn auch das Energiesparen mit der Einrichtung anfängt. «Bitte den Schreibtisch oder die Couch nicht vor die Heizung stellen», lautet hier Isabell Pohlmanns wichtigster Rat.