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Abiturienten: Das Rennen um die Restplätze

Uhr | Aktualisiert 14.07.2011 10:18 Uhr
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Vorlesung

Wer am ersten Vorlesungstag schon in der Universität sitzt, hat Glück gehabt. Denn die Nachrückverfahren für die Studienplätze ziehen sich oft bis in das Semester hinein. (FOTO: KAI REMMERS/DPA)

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In begehrten Fächern wie Jura gehen jedes Jahr viele Studienbewerber leer aus. Sie müssen dann aber nicht gleich aufgeben. Denn nach der regulären Vergaberunde beginnt das Rennen um die Restplätze an den Hochschulen.
Bonn/Berlin/dpa. 

Eigentlich hätten Abiturienten als Belohnung für die stressige Prüfungszeit einen entspannten Sommer verdient. Mit sonnigen Nachmittagen am Baggersee und langen Nächten auf Open-Air-Partys. Doch wer im Oktober mit dem Studium in einem zulassungsbeschränkten Fach beginnen will, sollte die kommenden Monate nicht verbummeln. Die Hochschulen erwarten einen Bewerberansturm. Wer keinen perfekten Notenschnitt hat, muss sich daher umso mehr um einen Studienplatz bemühen. Und sollte am besten von Mitte Juli bis Oktober zu Hause bleiben.

Aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen sowie der Aussetzung der Wehrpflicht erwarten die Hochschulen deutlich mehr Bewerber als in den vergangenen Jahren. «Allein wegen der Aussetzung der Wehrpflicht rechnen wir mit 45 000 bis 59 000 zusätzlichen Studienanfängern», sagt Rebekka Kötting von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz in Bonn. «Im Vergleich zum Jahr 2005 werden es insgesamt zwischen 320 000 und 335 000 zusätzliche Studienanfänger sein.»

Dadurch wird sich das Chaos bei der Studienplatzvergabe aus den vergangenen Jahren noch verstärken. Das Problem sind alle Studiengänge mit örtlichem Numerus Clausus (N.C.). Dazu gehören Fächer wie Psychologie, BWL und Jura. Anders als bei den Fächern mit bundesweitem N.C. wie Medizin werden die Studienplätze hier nicht zentral vergeben durch die Stiftung für Hochschulzulassung, ehemals ZVS. Das Verfahren läuft vielmehr über die Universitäten und ist somit dezentral organisiert.

Das Chaos rührt daher, dass sich viele Schulabgänger an mehreren Hochschulen bewerben. Das liegt auch daran, dass der N.C. an jeder Universität anders ist. Zuvor lässt sich oft aber nicht sagen, wie hoch er sein wird. «Deshalb sind die Leute dazu gezwungen, sich an mehreren Unis gleichzeitig zu bewerben. In der Folge entsteht eine riesige Scheinnachfrage», erklärt Bernhard Scheer von der Stiftung für Hochschulzulassung. Das Problem dabei ist, dass derzeit nicht zentral erfasst wird, wenn ein Bewerber von mehreren Unis Zusagen erhält. Er kann schließlich nur einen Platz annehmen. Am Ende bleiben die übrigen Studienplätze zunächst oft leer. Denn solche Restplätze zu vergeben, kann sich bis in das Semester hineinziehen.

Wer sicher sein möchte, einen Platz zu bekommen, sollte sich dennoch an möglichst vielen Universitäten bewerben, rät Scheer. «Das ist der geschickteste Weg, um an den gewünschten Studienplatz heranzukommen.» Oft ist das auch nicht sehr zeitaufwendig. «In 95 Prozent der Fälle müssen Bewerber nur ein Online-Formular ausfüllen. Den Lebenslauf und die Zeugnisse reicht man erst hinterher ein.»

Dann heißt es ausharren: Unbedingt sollten Abiturienten von Mitte Juli bis Oktober zu Hause erreichbar sein, erklärt Scheer. Kommt die Zusage, ist häufig rasches Handeln erforderlich. Reist jemand zu der Zeit etwa durch Australien, sollte er einen Stellvertreter beauftragen. «Es reicht, den Eltern eine Vollmacht zu schreiben, in der erklärt wird, dass sie alle Handlungen vornehmen dürfen.»

Bekommen Abiturienten nicht gleich eine Zusage, können sie auf das Nachrückverfahren hoffen. Gehen sie auch hier leer aus, können sie es noch bei den Restplatzbörsen im Internet versuchen. Die Seite Freie-studienplaetze.de ist die offizielle Restplatzbörse der Stiftung für Hochschulzulassung und der Hochschulrektorenkonferenz. Das Alternativangebot Studieren.de organisiert ein privater Anbieter. Künftige Erstsemester finden auf diesen Seiten Plätze, die nach dem Abschluss des offiziellen Verfahrens noch nicht vergeben worden sind.

Diese Plätze werden meist im Losverfahren vergeben. Das ist aber nicht Sache der Online-Portale, sondern der jeweiligen Hochschule. Dort müssen Schulabgänger sich also bewerben, wenn sie einen Platz in einer der Online-Börsen sehen. Studieren.de bietet dabei immerhin den Service, dass sich über die Seite die Hochschule kontaktieren lässt.

Beide Portale sind kostenlos und nehmen für sich in Anspruch, über 90 Prozent der Studienangebote in ihrer Datenbank zu haben. Die Börse von Studieren.de öffnet zum 15. Juli, Freie-studienplaetze.de macht erst im September die Pforten auf.

Wenn alle Stricke reißen, können Erstsemester in diesen Börsen auch ein Angebot ohne Zulassungsbeschränkung finden. «Die Erfahrung zeigt, dass die Universitäten hauptsächlich die zulassungsfreien Studiengänge noch einmal bewerben», sagt Bernhard Scheer. Wer etwa BWL studieren möchte, entdeckt eventuell verwandte Studiengänge, in denen es noch freie Plätze gibt. «Die hätten Studenten sonst gar nicht kennengelernt», sagt Valentin Peter von Studieren.de.

Wie kommen junge Leute ins Losverfahren?

Über die Vergabe der Restplätze entscheiden Hochschulen oft per Los. «Der Großteil der Losverfahren ist auf unserer Seite ausgewiesen», schätzt Bernhard Scheer von der Stiftung für Hochschulzulassung. Da die Hochschulen jedoch nicht verpflichtet sind, an der Restplätzebörse teilzunehmen, könne er keine Garantie geben, dass alle Studienplätze erfasst sind. Wer ganz sichergehen will, sollte daher auch auf den Seiten der Universitäten nachschauen.

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