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Wohnungssuche für Flüchtlinge: Viele Türen in Anhalt-Bitterfeld bleiben zu

Der Landkreis sucht nach Wohnungen für Flüchtlinge.

Der Landkreis sucht nach Wohnungen für Flüchtlinge.

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archiv/dpa

Seit Monaten sucht der Landkreis Wohnungen für Flüchtlinge, die nach Anhalt-Bitterfeld kommen. Doch bislang halten sich vor allem Privatpersonen mit Angeboten zurück. „Die Resonanz ist hier sehr verhalten. Wir hätten uns mehr private Vermieter gewünscht“, zieht Bernhard Böddeker, Kreisdezernent für Sicherheit und Ordnung, eine ernüchternde Zwischenbilanz.

In den vergangenen Monaten seien in Anhalt-Bitterfeld 230 Personen in 74 zur Verfügung gestellten Wohnungen untergebracht worden. Der Kreis rechnet jedoch mit insgesamt rund 450 weiteren ankommenden Ausländern, für die bis zum Jahresende in Anhalt-Bitterfeld eine Bleibe gefunden werden muss. Das sind über 100 Personen mehr, als zum Jahresbeginn angenommen. „Die Zahlen steigen gerade an“, so Böddeker.

Die Zahl der Privatvermieter für Flüchtlinge im Landkreis liege aktuell hingegen nur im unteren zweistelligen Bereich. In Köthen und Bitterfeld sei das Niveau etwa ähnlich hoch. Mit sinkender Größe der Kommunen nähmen die Wohnungsangebote weiter ab und gehen in kleineren Orten laut Böddeker gegen Null.

Festhalten an der Strategie

Aber der Bedarf an neuen Unterkünften sei hoch: „Wir brauchen unbedingt mehr Wohnungen, denn es werden weitere Flüchtlinge zu uns kommen“, sagt der Dezernent. Böddeker hofft daher, dass sich mehr Menschen an der Unterbringungssuche beteiligen. Der Kreisdezernent weiß aber auch, dass das Flüchtlingsthema heikel ist. „Wir müssen uns alle langsam herantasten. Ich glaube, die Offenheit nimmt zu, je mehr man sich mit der Situation auseinandersetzt“, erklärt er.

Dabei will der Kreis an seiner Strategie der dezentralen Unterbringung festhalten und keine weiteren Gemeinschaftsunterkünfte wie in Marke oder Friedersdorf einrichten.

Bei der Suche nach Wohnraum schafft der Landkreis für die Anbieter auch Anreize, die über Mietzahlungen hinausgehen: „Wir sind bereit, dafür im größeren Umfang zu sanieren“, erklärt Böddeker. Auch Sonderwünsche der Anbieter würden berücksichtigt.

Auf der nächsten Seite geht es unter anderem um die Wohnungsgenossenschaft Wolfen.

Zumindest die großen Wohnungsgesellschaften und gewerblichen Vermieter kooperieren bei der Suche nach Wohngelegenheiten bereits umfangreich, wie Böddeker sagt. In Bitterfeld sei die Neue Bitterfelder Wohnungs- und Baugesellschaft, kurz Neubi, positiv aufgefallen und in Köthen funktioniere die Zusammenarbeit mit den beiden Großvermietern. In Aken helfe die gleichnamige Wohnungsgesellschaft, dass jetzt wieder sechs neue Flüchtlinge aufgenommen werden können. „Es gibt die Bereitschaft zum Ausprobieren“, so Böddeker.

Bei einem anderen großen Vermieter beißt der Landkreis jedoch auf Granit. Die Wohnungsgenossenschaft Wolfen (WGW) will nach Angaben des Kreisdezernenten keine Flüchtlinge in ihren Immobilien aufnehmen. „Sie verweigert sich, das kann ich nicht verstehen“, so Böddeker. Dabei habe sie eine gesellschaftliche Aufgabe, meint der Kreisdezernent. „Diese Haltung passt einfach nicht.“ Auf Nachfrage wollte die WGW zu der Thematik keine Stellung nehmen.

Die Genossenschaft gehört nach eigenen Angaben zu den größten im Landkreis. Rund 6 000 Wohneinheiten befänden sich in Wolfen-Nord, in Wolfen-Krondorf, in Sandersdorf und in der Bitterfelder Anhaltsiedlung im Besitz der Genossenschaft. Die Neubi sieht es hingegen als ihre Pflicht an, Unterkünfte für Flüchtlinge bereitzustellen. Schließlich sei man eine kommunale Wohngenossenschaft, wie Mitarbeiterin Ines Fischer erklärt.

Unsichere Prognosen

Aus Sicht des Landkreises gibt es allerdings noch eine Unbekannte. Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Anhalt-Bitterfeld kommen, kann weiter variieren. „Das ist der große Unsicherheitsfaktor“, stellt Böddeker fest. So hat die Landesregierung in Magdeburg vor wenigen Wochen die Bereitschaft signalisiert, mehr syrische Flüchtlinge aufzunehmen als bislang vereinbart wurde (die MZ berichtete). Dennoch rechnet Böddeker nicht damit, dass das Niveau der Flüchtlingszahlen aus den 90er Jahren im Landkreis-Gebiet wieder erreicht wird.

Unter den Kommunen im Landkreis gibt es eine Quote für die Aufnahmezahlen. Sie richtet sich nach der Bevölkerungsgröße. „Das wird aber nicht auf Biegen und Brechen durchgesetzt, auch wenn eine gleichmäßige Verteilung natürlich wünschenswert ist“, so Böddeker. Sollten die verfügbaren Wohnungen im Landkreis den Bedarf nicht decken, gibt es laut Böddeker Alternativen. Diese wollte er allerdings nicht benennen. Es gebe jedoch keine Möglichkeit, die laut Zuweisungsschlüssel vorgesehenen Aufnahmezahlen für den Landkreis zu reduzieren.

Wer Unterkünfte für Flüchtlinge anbieten möchte, kann sich wenden an: Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Ordnungsamt, Am Flugplatz 1, 06366 Köthen, per Mail: ordnungsamt@anhalt-bitterfeld.de oder unter Telefon: 03493/34 14 73

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