Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Verein in Bitterfeld: Bitterfelder Schwimmverein fürchtet Kostenexplosion

Der Bitterfelder Schwimmverein fürchtet unbezahlbare Ausgaben beim Heinz-Deiniger-Bad.

Der Bitterfelder Schwimmverein fürchtet unbezahlbare Ausgaben beim Heinz-Deiniger-Bad.

Foto:

Thomas Ruttke

Bitterfeld -

Wie viel Geld muss der Bitterfelder Schwimmverein (BSV) für die Nutzung der Schwimmhalle im Ort bezahlen? Bislang sind es laut eigenen Angaben jährlich rund 20.000 Euro, die der 550 Mitglieder starke Verein für einen Teil der Betriebskosten an die Bädergesellschaft abgibt. Mehr kann der BSV laut Vereins-Vize Klaus Gatter nicht bezahlen. „Sonst müssen wir unsere Arbeit einstellen und können unsere geschaffenen Angebote nicht mehr halten.“ Doch Gatter fürchtet Mehrkosten. Der BSV verspürt Druck, dass er sich bei der Bädergesellschaft Bitterfeld-Wolfen stärker an den Betriebskosten für das Schwimmbad beteiligen muss.

Zuschüsse der Stadt Bitterfeld

Generelle Grundlage für die Vereinszahlungen bei Strom, Wasser und Heizung ist das Sportfördergesetz des Landes Sachsen-Anhalt. Darin heißt es zwar, dass für die Nutzung von Sporthallen generell keine Miete verlangt werden darf. Allerdings dürfe „eine angemessene Beteiligung an den Betriebskosten erfolgen“. Diese Formulierung lässt im Detail viel Spielraum offen.

Gatter lud jetzt auch deshalb Sport- und Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) nach Bitterfeld ein, um über jene Angemessenheit zu reden. Sein Ziel ist es, dass die Stadt Bitterfeld-Wolfen zukünftig wie bei anderen Sportvereinen die Betriebskosten beim BSV indirekt bezuschusst.

Soziale und integrative Bedeutung von Vereinen

Außerdem ging es in der Turnhalle auch um eine Landesförderung aus der Vergangenheit, mit deren Hilfe der feuchte Keller der Bitterfelder Einrichtung trockengelegt werden konnte.

Mit dem Besuch des Ministers in Bitterfeld war der Präsident des BSV 1990, Lutz Bernhardt, zufrieden mit den Worten des Politikers. Denn Stahlknecht hob unter anderem die soziale und integrative Bedeutung von Vereinen hervor und fügte an: „Wenn das Land in fünf Jahren 110 Millionen Euro in den Sport steckt, dann muss auch auf kommunaler Ebene die Bereitschaft da sein, die Vereine vernünftig leben zu lassen“, sagte der Sportminister. „Die Verwaltung kann keine 100-prozentige Kostenerstattung über die Vereine erwarten. Ansonsten würde sie die Vereine in die Knie zwingen.“ Als Vertreter der Bitterfeld-Wolfener Hauptverwaltung erinnerte Joachim Teichmann daran, dass die Kommune natürlich ein hohes Interesse habe an der Unterstützung der Vereine. „Da gibt es keinen Dissens“, so Teichmann.

Fehlende Entscheidungskompetenz

Doch die Mittel dazu sind laut der Bitterfelder Landtagsabgeordneten Dagmar Zoschke (Die Linke) begrenzt. „Wir kommen beim Haushaltsausgleich an Schranken. Aber wenn wir die Lebensqualität hier nicht halten, gehen die Menschen in andere Städte wie zum Beispiel Halle“, sagte Zoschke in der Turnhalle des BSV dem Innenminister. Bei seiner Antwort darauf ließ Stahlknecht durchblicken, dass er Kommunen gerne mit mehr Geld ausstatten würde, wenn er die Entscheidungskompetenz darüber bekäme – die liegt momentan beim Finanzministerium.

Auf der anderen Seite nahm er aber auch die Kommunen in die Verantwortung für Defizite im Haushalte. Ohne eine Stadt oder Gemeinde zu benennen sagte er: „Manchmal gibt es auch Managementfehler, das muss man gelegentlich prüfen.“

Noch ist keine endgültige Lösung für das BSV-Problem gefunden. Allerdings wird sich laut Gatter voraussichtlich in den nächsten Monaten der Stadtrat noch einmal mit dem Thema befassen. (mz)


Das Wetter in Bitterfeld: präsentiert:

Bilder