Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

TV-Star in Wolfen: Schöner Zufall bringt Anja Kling zum Film

Neuer Inhalt

Schauspielerin Anja Kling und Moderator Paul Werner Wagner im Gespräch.

Foto:

Thomas Ruttke

Wolfen -

Manchmal tut der Zufall ein richtig gutes Werk. Für Anja Kling und den Spielfilm zum Beispiel. Und zwar so: Die damals 17-jährige Schülerin bewirbt sich mit ihrer Freundin - rein aus Spaß - für ein Casting zum Defa-Film „Grüne Hochzeit“.

Szenenfoto aus „Grüne Hochzeit“: In diesem Film spielen die  17-jährige Anja Kling  und der 15-jährige Marc Lubosch das junge Ehepaar Susanne und Robert (l.).

Szenenfoto aus „Grüne Hochzeit“: In diesem Film spielen die  17-jährige Anja Kling  und der 15-jährige Marc Lubosch das junge Ehepaar Susanne und Robert (l.).

„Niemals hab’ ich damit gerechnet, dass man mich nimmt“, sagt sie. Doch tauchen ein paar Tage später Regisseur Herrmann Zschoche und Kameramann Günter Jaeuthe auf ihrem Schulhof in Potsdam auf: „Ach, da ist sie ja, die Kleine mit dem Zopf.“ Und das ist quasi der Beginn einer Filmkarriere. Eine, die Brüche hat und Umwege nimmt - aber eine, die dem Spielfilm gut tut. Denn Anja Kling ist längst eine der deutschen Schauspielerinnen, die man kennt.

„Grüne Hochzeit“ erzählt von Leben und Liebe in der DDR

Am Mittwochabend war die sympathische Künstlerin Gast von Paul Werner Wagner zum Gespräch im Industrie- und Filmmuseum. Dort lief ihr Debütfilm „Grüne Hochzeit“, der 1989 Premiere hatte. Ein Jahr, in dem es für Defa-Filme echt schwer war, im Kino angeguckt zu werden. Die Menschen haben andere Probleme gehabt im heißen Herbst. „Nur bei dem Film“, so Wagner, „ist es nicht so gewesen. ,Grüne Hochzeit’ hat ein großes Publikum gefunden.“ Behandelt dieser Film doch alles das, was landläufig viele junge DDR-Familien selbst erlebt haben.

Bis auf den wirklich allerletzten Platz war der Zuschauerraum im Industrie- und  Filmmuseum besetzt.

Bis auf den wirklich allerletzten Platz war der Zuschauerraum im Industrie- und  Filmmuseum besetzt.

Foto:

Ruttke

Herrmann Zschoches „Grüne Hochzeit“, der als Fortsetzung seines Films „Sieben Sommersprossen“ gilt, wirft einen unverstellten Blick auf das Leben und die Liebe eines sehr, sehr jungen Paares im Alltag der DDR. Die Probleme sind verdichtet, aber sie sind schon so aufgearbeitet, wie man sie in den so genannten ehrlichen DDR-Filmen gern zeigte. Und als jemand, der diesen Alltag kennt, findet man sie wie aus dem Baukasten zusammengesetzt wieder: Das sehr junge Paar, das unbekümmert Nachwuchs erwartet. Das heiratet und sich eine Wohnung mit Hilfe der Kumpels ausbauen muss. Das überfordert ist von den Kindern und bei dem ständig das Geld knapp ist. Der Ehemann, der tags als Lehrling und abends als Schwarztaxi-Fahrer arbeitet und nachts für seine Meisterprüfung lernt. Der lebenstüchtige, verständnisvolle, strenge Meister. Die von Hausarbeit und Kindern erschöpfte Frau.

Das Gefühl von Gefangensein

Viele Szenen des Films spielen sich in der Wohnung ab: Da sind das Zimmer mit dem Fernseher und den schmucklosen Wänden, das spießige Schlafzimmer, die kleine Küche. Und immer wieder fängt die Kamera das wunderschöne gläserne Jugendstil-Bild in der Stuben-Tür ein. Nicht ohne Grund: „Das schönste an der Wohnung ist die Tür“, hatte das Paar festgestellt, als es die Wohnung das allererste Mal betrat. Und: Es sollte Recht behalten, denn sogar die Kinder machten die Situation nicht schöner.

Die Enttäuschung und das Gefühl von Gefangensein, das Ausbrechen und Fremdgehen, die Zerrissenheit, das schlechte Gewissen, die Verzweiflung - alles gipfelt in einem Selbstmordversuch ... Doch das Paar greift nach der zweiten Chance in der Hoffnung, dass nun alles besser wird. Und über allem schwebt ein Hauch von Shakespeare, von „Romeo und Julia“. Letztlich eben zeigt der Film genau das, was man von der ersten Szene an erwartet hat. (mz)


Das Wetter in Bitterfeld: präsentiert:

Bilder