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Solarzellenproduktion: Im Solar-Valley wird wieder nach vorn geblickt

Zu Vermieten: Hanwha Q-Cells benötigt einen der drei Bürotürme in der Sonnenallee nicht mehr.

Zu Vermieten: Hanwha Q-Cells benötigt einen der drei Bürotürme in der Sonnenallee nicht mehr.

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thomas ruttke

Bitterfeld-Wolfen -

Die dunklen Wolken über dem Solarstandort Deutschland entluden sich zum Gewitter: Vor einem Jahr stellte der einstige Weltmarktführer Q-Cells seine industrielle Produktion in Bitterfeld-Wolfen ein. Erst Insolvenz, dann Übernahme durch den südkoreanischen Mischkonzern Hanwha - und am 24. Februar 2015 dann doch das endgültige Aus. Hunderte Jobs gingen verloren - doch ein Jahr später blickt der Standort im Solar-Valley wieder nach vorne: Als Forschungs-Zentrale will er Spitzentechnologie für den Weltmarkt entwickeln.

Forschung in Deutschland, Produktion in günstigeren Ländern: Dieses Konzept verfolgt Hanwha Q-Cells heute - ähnlich wie etwa Handy-Gigant Apple im kalifornischen Silicon Valley entwickelt und die Massenfertigung größtenteils Asien überlässt. Mit in diesem Jahr rund 5,2 Gigawatt Produktionskapazität - das entspricht etwa fünf Atommeilern - ist Hanwha Q-Cells nach eigenen Angaben der weltweit größte Solarzellen-Hersteller.

Die zentrale Forschungsabteilung von Hanwha Q-Cells mit Hauptsitz in Südkorea befindet sich in Bitterfeld-Wolfen. Produziert wird vor allem in Malaysia, China und Südkorea. „Wir profitieren sehr von der guten Infrastruktur in Deutschland“, sagt Firmensprecher Jochen Endle. Kontakte gebe es zum Beispiel zu Hochschulen und dem Center für Silizium-Photovoltaik in Halle, einem Ableger des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme.

Wieder sonnige Zeiten fürs Solar Valley

Heute beschäftigt Hanwha Q-Cells in Deutschland noch 475 Mitarbeiter, vor dem Produktionsstopp waren es etwa 800. Die meisten Jobs gibt es in Bitterfeld-Wolfen, darunter 200 Wissenschaftler und Forscher. Die in Deutschland früher eingesetzten Maschinen werden dagegen inzwischen in Malaysia genutzt. Die entlassenen Mitarbeiter fanden nach Angaben der Arbeitsagentur Dessau-Roßlau-Wittenberg überwiegend direkt neue Jobs. 59 der Betroffenen wechselten allerdings zunächst in eine Transfergesellschaft. Davon haben inzwischen 39 eine Stelle gefunden, sagt Volker Podzimek, Geschäftsführer der beauftragten fqg Transfer Gesellschaft.

„Die Solarbranche hat sich verändert, weil es eine weltweite Industrie geworden ist“, sagt Endle. „Wir wollen unsere Erfahrungen in Deutschland nutzen für das weltweite Geschäft.“ Zwar sei die Solartechnik heute schon so weit entwickelt, dass sie sich an vielen Standorten auch ohne staatliche Subvention lohne. Doch das Ziel sei weiter eine höhere Leistung pro Fläche, eine mindestens gleichbleibende Haltbarkeit der Module und eine weitere Senkung der Kosten. Denn Solarzellen müssen nicht nur gegen Atom und Kohle bestehen können, sondern auch gegen die boomende Windenergie. In Deutschland stockte der Solarstromabsatz vergangenes Jahr allerdings laut Branchenverband Agentur für Erneuerbare Energien.

Sachsen-Anhalt ist führend beim Ausbau von Solaranlagen

So habe der Ausbau mit insgesamt 1 500 Megawatt 2015 sowohl 20 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen als auch unter dem Ziel der Bundesregierung von 2 500 Megawatt pro Jahr. Gemessen an der Einwohnerzahl war Sachsen-Anhalt mit einem Ausbau um 180 Megawatt führend, in absoluten Zahlen lag Bayern mit rund 300 Megawatt vorne. Mit den 2014 verabschiedeten Kürzungen des Bundes bei der Förderung der Solarenergie sei Investitionssicherheit schwieriger geworden, kritisiert der Bundesverband Solarwirtschaft.

Doch Solar-Hersteller konnten trotz der abgeschwächten Nachfrage im Inland zuletzt Erfolge verbuchen. Die in New York an der Börse notierte Hanwha Q-Cells erzielte im dritten Quartal 2015 gut 427 Millionen Dollar (385 Millionen Euro) Umsatz und 52 Millionen Dollar Nettogewinn. Auch der einstige Börsenliebling Solarworld berichtete nach seinem Schuldenschnitt im Jahr 2014 zuletzt von schwarzen Zahlen beim Betriebsergebnis (Ebit) im vierten Quartal. (mz)


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