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Mitteldeutsche Zeitung | Sicherheit in Anhalt-Bitterfeld: Zahl der kleinen Waffenscheine explodiert
18. February 2016
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Sicherheit in Anhalt-Bitterfeld: Zahl der kleinen Waffenscheine explodiert

Reizgas und Schreckschusswaffen

Reizgas und Schreckschusswaffen werden zurzeit oft von Kunden verlangt und in speziellen Geschäften verkauft.

Foto:

Chris Wohlfeld

Bitterfeld -

Die Bürger im Landkreis Anhalt-Bitterfeld rüsten massiv auf. Immer mehr Menschen decken sich mit Reiz-, Signal- oder Schreckschusswaffen ein. Die Zahl der Anträge auf den dafür notwendigen „kleinen Waffenschein“ ist massiv angestiegen. Diese Entwicklung hat sogar die Landkreisverwaltung überrascht.

Allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres sind bei der zuständigen Ordnungsbehörde des Landkreises fast doppelt so viele Anträge auf den kleinen Waffenschein eingegangen wie im gesamten Jahr 2015. „Dabei haben wir ja schon im vergangenen Jahr einen signifikanten Anstieg verzeichnet“, sagt Kreissprecher Udo Pawelczyk. Wurden 2014 in Anhalt-Bitterfeld ganze 29 kleine Waffenscheine ausgegeben, waren es im Folgejahr bereits 53. „Doch was seit Januar passiert, damit war wirklich nicht zu rechnen“, so Pawelczyk.

Waffe darf man öffentlich tragen

Bis zum 10. Februar seien 99 Anträge eingegangen. „39 davon haben wir bereits positiv beschieden. Die anderen sind noch nicht bearbeitet“, so der Sprecher. Bleibt das Interesse am kleinen Waffenschein unverändert und rechnet man diese Zahlen auf das komplette Jahr hoch, dann könnten rund 800 Anträge ins Landratsamt flattern. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 waren es lediglich 20 Anträge auf diese Berechtigungskarte.

Wer den kleine Waffenschein besitzt, darf Reiz-, Signal oder Schreckschusswaffen in der Öffentlichkeit tragen. „Wird eine solche Waffe nur in der Wohnung aufbewahrt, ist keine Erlaubnis nötig“, so der Sprecher. Bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen, Jahrmärkten oder Demonstrationen ist das Tragen jedoch verboten. Für den Erwerb dieser sogenannten PTB-Waffen, die man ab dem 18. Lebensjahr kaufen kann, gibt es keine Begrenzung.

So nehmen auch die Verkaufszahlen rasant zu. „Seit Mitte November ging das stark nach oben“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler, Ingo Meinhard. Ausgelöst worden sei der Anstieg durch die Terroranschläge von Paris. „2016 ist der Kundenandrang noch mal in die Höhe gegangen. “Als Auslöser werden auch die Geschehnisse aus der Kölner Silvesternacht angeführt.

Risiko für die Polizei steigt

Die Polizei reagiert darauf sehr verhalten. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft GdP, Rainer Wendt, ist „nicht begeistert“. Seine Kollegin im Landkreis, Marion Köhn, unterstreicht: „Bei einer Verkehrskontrolle wissen wir ja nicht, was die Person bei sich führt.“ Das Risiko bei Routineaufgaben sei gestiegen. Auch könne man aus der Distanz nicht erkennen, um welche Art von Waffe es sich handelt. Akut sei die Problemlage aber noch nicht. (mz/vs/cze)


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