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Prozess um Anschlag auf Bitterfelder AKW: Molotow-Cocktail als Auslöser bestätigt

Wohnwagen

Eines der Zeichen mutmaßlich rechter Gewalt: Im April 2015 wurde ein üblicherweise von Alternativen bewohnter Wohnwagen angezündet.

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Georg Wenzel

Bitterfeld/Dessau -

Der Brand eines Wohnwagens im Bitterfelder Alternativen Kulturwerk (AKW) wurde höchstwahrscheinlich unmittelbar von einem Molotow-Cocktail ausgelöst. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten des Landeskriminalamtes, das gestern beim Prozess gegen vier der Brandstiftung angeklagten Zörbiger vorgestellt wurde.

In der Nacht vom 17. zum 18. April vorigen Jahres sollen zwei der Angeklagten Brandsätze über den Zaun des AKW geworfen haben. Einer von beiden hatte dies ebenso gestanden wie ein dritter Beteiligter - der Fahrer und mutmaßliche Ideengeber. Schon zuvor war bekannt, das einer der „Mollis“ auf Rasen landete und unbeschädigt blieb. Der zweite war zerbrochen, in diesem fanden sich laut dem Gutachten unverbrannte Benzinreste.

Gutachter bekräftigt Theorie

Daraus entwickelte der erfahrene Gutachter Heinz Fiedler folgende Theorie: Eine Flasche traf den Wohnwagen und zerschellt an diesem. Der Sprit entzündete sich, lief an der Alu-Karosserie herunter und hinterließ an ihr leichte Brandspuren, ohne den Wagen ernstlich zu beschädigen. Wahrscheinlich habe sich ein Teil des Benzins in der Abdeckung des auf der Wagendeichsel montierten Gasflaschen-Kastens aus Kunststoff gesammelt und diesen in Brand gesteckt. Dann seien die Flammen auf den Wohnwagen übergegriffen. Gegenüber der MZ bekräftige Fiedler nochmals seine Theorie und widersprach damit dem Bericht einer Boulevardzeitung.

Diese hatte Anfang der Woche unter der Schlagzeile „Fachten die Linken das Feuer selbst an?“ die „Wende im Nazi-Prozess von Bitterfeld“ ausgerufen. Im Text selbst wird ein nicht näher erläutertes Brandgutachten erwähnt. Jenseits der bekannten Fakten findet sich aber kein Hinweis im Text, der die Behauptung der Überschrift stützt. Auch während des Prozesses war nie behauptet worden, „die Linken“ selbst hätten das Feuer geschürt. Einige Verteidiger hatten lediglich versucht, den AKW-Bewohnern zu langsames Handeln beim Löschen der Flammen und mangelnde Kooperationsbereitschaft gegenüber der Polizei vorzuhalten. Ein zweites Brandgutachten, welches andere Schlüsse als das jetzt im Prozess vorgelegte zulässt, scheint nicht zu existieren. Brandgutachter Fiedler versicherte gegenüber der MZ: „Ich weiß von keinem, vielleicht hat das einer der Prozessbeteiligten in Auftrag gegeben.“ Davon war aber bislang aus den Kreisen der Verteidiger nichts zu hören.

Rechtliche Schritte

Das AKW hatte auf den Zeitungsbericht am Dienstag mit einer Pressemitteilung reagiert und von einer „Umkehr von Tätern und Betroffenen“ gesprochen. Man prüfe rechtliche Schritte gegen die Zeitung und eine Beschwerde beim Deutschen Presserat. Ein zweiter Gutachter vom LKA hat nach ballistischen Berechnungen gestern im Übrigen bestätigt, es sei selbst Ungeübten problemlos möglich gewesen, einen Molotow-Cocktail über den Zaun des AKW auf den Wohnwagen zu werfen. (mz)


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